Den Patienten ihr verlorenes Gesicht zurück geben

(Dresden) Patienten mit Tumoren im Kiefer-Gesichtsbereich, leiden nicht nur an einer zumeist bösartigen, lebensbedrohlichen Erkrankung. Hinzu kommen erhebliche biopsychosoziale Einschränkungen: Ihr Gesicht kann äußerlich deutlich verändert, sogar entstellt sein. Essen und Sprechen machen Probleme. Ist nach der Operation eine Bestrahlung erforderlich, verursacht diese Mundtrockenheit – dann schmerzt jede Berührung im Mund. Im Laufe der Erkrankung verlieren die Patienten viele oder sogar sämtliche Zähne. Im Schnitt dauert es 3,5 Jahre, bis sie wieder Zähne besitzen.

»Die intraorale Rehabilitation dieser Patienten kann nur multidisziplinär gelingen«, erklärt Priv. Doz. Dr. Eva Engel von der Poliklinik für Prothetik der Universität Tübingen. »Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen zusammen mit dem prothetischen Behandlungsteam aus Zahnarzt, Zahntechniker und zahnärztlicher Assistenz können nur gemeinsam die vielfältigen, oft sehr individuellen Probleme lösen.« Dabei gelinge, so Engel, in diesen schwierigen Situationen nicht immer ein vollkommen zufriedenstellendes kaufunktionelles Ergebnis, doch ließe sich die Lebensqualität durch die Eingliederung von Zahnersatz immer verbessern.

Auf dem 25. Kongress der DGI demonstriert Eva Engel an Hand von einer Auswertung der Therapieergebnisse von 75 prothetisch versorgten Tumorpatienten, wie komplex die prothetische Rehabilitation bei diesen Patienten sein kann. Zwei Drittel der Patienten hatten Mundhöhlenkrebs, ein Drittel andere Tumoren. Die Experten hatten die Patienten mit 90 Prothesen versorgt, getragen von ca. 340 Implantaten. Rund zehn Prozent des Zahnersatzes ging innerhalb von fünf Jahren verloren. »Hier spielen verschiedene Gründe eine Rolle«, sagt Engel. Der Verlust von Implantaten, die teilweise auch aufgrund erneuten Tumorwachstums entfernt werden mussten, ist ein Grund. Ein anderer ist der Verlust von Zähnen, die als Pfeilerzähne in die prothetische Konstruktion mit einbezogen waren, was eine Erneuerung des Zahnersatzes notwendig machte. Insgesamt waren bei den untersuchten Patienten binnen fünf Jahren 20 Prozent der Implantate verloren gegangen. Das Risiko, ein Implantat zu verlieren, erhöhte sich um den Faktor 3,5, wenn ein Patient bestrahlt worden war.

Die Auswertung lieferte noch ein überraschendes Resultat: »Die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Patienten war mit 100 Prozent nach fünf Jahren etwa doppelt so hoch wie sie üblicherweise für Patienten mit einem Mundhöhlenkrebs angegeben wird«, berichtet Engel. Dies sei jedoch wahrscheinlich eher auf die Patientenselektion als auf den Zahnersatz zurückzuführen.

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Über die DGI. Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich e.V. (DGI) ist mit über 7500 Mitgliedern – Zahnärzten, Oralchirurgen, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen und Zahntechnikern – die größte Fachgesellschaft im Bereich der Implantologie in Europa. Ihr Markenzeichen ist die enge Kooperation von Praktikern und Hochschullehrern. Deren gemeinsames Ziel ist die schnelle Umsetzung gesicherten Wissens und neuer Erkenntnisse in die Praxis durch ein differenziertes Fortbildungsangebot auf dem Gebiet der Implantologie­ – zum Nutzen von Patientinnen und Patienten. Mehr Informationen: http://www.dgi-ev.de.

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