Demographischer Wandel führt zu deutlichem Anstieg der Glaukom-Erkrankungen

Doch nicht nur hohes Alter erhöht das Glaukom-Risiko: Auch die ebenfalls zunehmenden Volkserkrankungen wie Diabetes und Leiden des Herz-Kreislaufsystems begünstigen den Grünen Star und erhöhen die Zahl der Betroffenen zusätzlich. Folgen der schleichenden, von den Betroffenen oft nicht erkennbaren Augenerkrankung sind massive Einschränkungen des Sehvermögens, die zur Erblindung führen können. Mit einer früh einsetzenden Therapie können Augenärzte diese Entwicklung aufhalten oder verzögern. Doch bisher gehört die Früherkennung des Glaukoms zu den Stiefkindern des deutschen Gesundheitswesens: Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten für die notwendigen Untersuchungen. Wenn es nicht gelingt, die Glaukomvorsorge als reguläre Leistung der Krankenkassen zu übernehmen, kommt auf das deutsche Gesundheitswesen und die Rentenversicherung eine weitere Kostenlawine zu, warnt Prof. Pillunat im Vorfeld des 4. Welt-Glaukom-Tags am kommenden Sonnabend (12. März 2011).

Dem Glaukom ordnen die Augenärzte eine Vielzahl an Auslösern zu, denen eine gravierende Folge gemeinsam ist: der Verlust von Nervenzellen in Netzhaut und Sehnerv. Sind diese Zellen zerstört – beispielsweise durch einen zu hohen Augeninnendruck oder Durchblutungsstörungen – ist das Sehvermögen in diesen Bereichen unwiderruflich verloren. Doch der Ausfall einzelner Nervenfasern verursacht nur minimale Einschränkungen in der Wahrnehmung, die zudem vom Hirn automatisch ausgeglichen werden. „In die so entstehenden Löcher kopiert das Gehirn einfach die daneben registrierten Farben und Muster“, so Prof. Lutz Pillunat. Durch diese automatische Copy-und-Paste-Funktion des Hirns haben die Betroffenen keine Chance, die Einschränkungen in ihrem Gesichtsfeld selbst wahrzunehmen. „Darum stellt das Glaukom eine besonders hohes Risiko für das Augenlicht dar“, erklärt der Glaukomexperte. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, laufen die Patienten Gefahr, dass sie durch die schleichenden Zerstörung von Nervenzellen nahezu unbemerkt eine Sehbehinderung davontragen: „Deshalb raten wir Augenärzte bereits seit vielen Jahren zu regelmäßigen Glaukom-Vorsorgeuntersuchungen. Doch unsere Forderung, sie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen, blieben ebenso lange ungehört“, so Prof. Pillunat. Die DOG schätzt, dass 50 Prozent aller Glaukome unerkannt bleiben.

Diese Zahl wird sich angesichts des steigenden Durchschnittsalters in Deutschland weiter erhöhen. Denn die Wahrscheinlichkeit an einem „Grünen Star“ zu erkranken, verzehnfacht sich im Laufe eines Lebens. Von dieser Problematik sind betagte Menschen überproportional betroffen: Ihr Risiko, in Folge eines Glaukoms zu erblinden, überschreitet den Faktor zehn deutlich. Schon heute gehört diese Erkrankung zu den häufigsten Auslösern einer Erblindung oder Sehbehinderung. In Deutschland verlieren jährlich rund 2.000 Menschen so ihr Augenlicht. Weitere Risikofaktoren sind neben starker Kurzsichtigkeit oder erblicher Belastungen ein schwankender Blutdruck, Durchblutungsprobleme oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Da die drei letztgenannten Faktoren in Verbindung zu Zivilisationskrankheiten stehen, die sich ebenfalls weiter ausbreiten, ist mit einem zusätzlichen Anstieg von Glaukomerkrankungen zu rechnen.

„Je früher wir ein Glaukom diagnostizieren und mit einer medikamentösen Therapie beginnen, um so wirksamer können wir das Aufkommen möglicher Beeinträchtigungen des Sehvermögens langfristig unterbinden und in schweren Fällen zumindest deutlich herauszögern“, so Prof. Pillunat. Bei der überwiegenden Zahl der Patienten genügt es, den Augeninnendruck durch die regelmäßige Gabe von Augentropfen so einzustellen, dass die bedrohten Nervenzellen keinen Schaden nehmen“, sagt Prof. Pillunat. In schwerwiegenden Fällen setzen die Glaukomexperten im Verlauf einer lebenslangen Therapie auch auf Operationen.

Nach der Diagnose ‚Glaukom‘ werden die Patienten regelmäßig untersucht. Neben der Kontrolle des Augeninnendrucks schaut sich der Augenarzt den Sehnerv an und testet das Gesichtsfeld. Um sich ein umfassendes Bild machen zu können, werden viele Patienten im Krankenhaus einem 24-Stunden-Check unterzogen. Auch die medikamentöse Einstellung des Augeninnendrucks bedarf engmaschiger Kontrollen, um den richtigen Wirkstoff in der richtigen Dosierung zu finden. Gut medikamentös eingestellte Glaukom-Patienten haben realistische Chancen, dass sich ihr Sehvermögen nicht weiter verschlechtert.

Weitere Informationen für Patienten
www.glaukom.deOnline-Testbogen zur Ermittlung des individuellen Glaukom-Risikos:

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Direktor: Prof. Lutz Pillunat
Tel.: 0351/ 4 58 33 81
E-Mail: augendirektion@uniklinikum-dresden.de

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