Demografischer Wandel im Harzkreis ist Herausforderung und Chance zugleich

Die Auswirkungen einer veränderten Bevölkerungsstruktur auf die Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt standen im Mittelpunkt der ersten TECLA-Pflegefachtagung in Halberstadt am Dienstag, dem 26. Juni. Nach den eröffnenden Grußworten durch Oberbürgermeister Andreas Henke, Prof. Dr. Ulrich Fischer-Hirchert von der Hochschule Harz und Wirtschaftsförderer Bernd Skudelny erläuterte Swen Diedrichs von der AOK Sachsen-Anhalt die Konsequenzen des geplanten Pflege-Neuordnungsgesetzes für die Anbieter der Region. Dabei wurde insbesondere die Neuregelung der Qualitätskontrollen diskutiert. Auf großes Interesse bei den über 30 Teilnehmern aus Pflege- und Wohnungswirtschaft stieß auch die Präsentation einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst&Young zur Zukunft des Pflegemarktes. Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes, erklärte zudem, wie sich seine Zunft auf den demografischen Wandel einstellt und erklärte, warum neue Versorgungsmodelle wie etwa die Apotheke im Internet nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Tagungsorganisator und Netzwerkmanager Uwe Witczak die Arbeit des an der Hochschule Harz angesiedelten ZIM-NEMO-Netzwerks TECLA (Technische Pflegeassistenzsysteme) vor. In dem Ende 2010 gegründeten und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technik geförderten Projekt haben sich zwölf Unternehmen und Institutionen aus den Bereichen Pflegewirtschaft, Sanitätsfachhandel, Medizintechnik, IT und Wohnungswirtschaft zusammengeschlossen, um gemeinsam nach technischen Lösungen für die Bewältigung des demografischen Wandels zu suchen. „Folgt man den Berechnungen des statistischen Landesamtes, werden im Jahr 2030 in Sachsen-Anhalt bereits deutlich weniger als zwei Millionen Einwohner leben, von denen dann bereits mehr als ein Drittel älter als 65 Jahre sein wird. In der Alterspyramide der Bundesrepublik Deutschland würde das Bundesland damit an die Spitze rücken, wobei gerade der Landkreis Harz, der schon heute eine besonders hohe Quote an Pflegebedürftigen aufweist, von dieser Überalterung betroffen wäre“, erläuterten die Projektmitarbeiter.

Ein Ziel des Netzwerks ist die Entwicklung eines modularen Hausassistenz-Systems auf der Basis eines Tablet-PCs, der Senioren bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben helfen und neben der Überwachung von Vitalwerten weitere Funktionen bieten soll. Die hierfür seniorengerecht aufbereiteten Informationen könnten zudem in einem regionalspezifischen Gesundheits-Videotext sowie online präsentiert werden. Auch eine Hörzeitung, die durch ein Halberstädter Unternehmen zur Verfügung gestellt würde, ist eine der Ideen. Darüber hinaus befasst sich das Netzwerk mit der Entwicklung eines digitalen Stift- und Kamerasystems, das die Abrechnung von Pflegeleistungen und die Dokumentation chronischer Wundverläufe vereinfacht. Für den Herbst diesen Jahres ist erneut eine Pflegefachtagung geplant.

Weitere Informationen sowie die Tagungsunterlagen sind online unter abrufbar.

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