Demenz – Ende der Selbstbestimmung? Öffentliche Tagung des Deutschen Ethikrates am 24.11.2010 in Hamburg

Programm

10:30
Begrüßung
Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates
Dr. phil. Angelika Kempfert, Staatsrätin der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz
Dr. phil. Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates

11:00
Demenzielle Erkrankungen – Herausforderungen in einer alternden Welt
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Ursula Lehr, Ministerin a. D., Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen BAGSO e. V.

11:30
Die Lebensqualität demenzkranker Menschen erfassen und positiv beeinflussen – eine fachliche und ethische Herausforderung
Prof. Dr. phil. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg

12:00
Diskussion
Moderation: Dr. iur. Dr. h. c. Jürgen Schmude, Mitglied des Deutschen Ethikrates

12:30
Pause

13:30
Forschung mit Demenzbetroffenen – eine Notwendigkeit unserer Zeit?!
Prof. Dr. phil. Dr. med. Rolf-Dieter Hirsch, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie der Rheinischen Landesklinik Bonn

14:00
Demenz in der Pflege im häuslichen und stationären Bereich – wo klemmt es?
Dr. med. Margot Lucke, ehemalige Gutachterin des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung MDK Niedersachsen

14:30
Diskussion
Moderation: Prof. Dr. theol. Eberhard Schockenhoff, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates

15:00
„Wir sprechen für uns selbst!“ Menschen mit Demenz in eigener Sache
Peter Wißmann, Leiter der Demenz Support Stuttgart und Stellvertretender Vorsitzender der Aktion Demenz e. V.
Christian Zimmermann, Unternehmer, Alzheimerbetroffener
Helga Rohra, Fremdsprachenübersetzerin, Demenzbetroffene
Moderation: Prof. Dr. phil. Volker Gerhardt, Mitglied des Deutschen Ethikrates

15:30
Pause

16:00
Altern in Würde
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Otfried Höffe, Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, Präsident der Nationalen Ethikkommission der Schweiz

16:30
Podiumsdiskussion
Teilnehmer:
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Ursula Lehr, Ministerin a. D., Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen BAGSO e. V.
Prof. Dr. phil. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Otfried Höffe, Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, Präsident der Nationalen Ethikkommission der Schweiz
Helga Rohra, Fremdsprachenübersetzerin, Demenzbetroffene
Peter Wißmann, Leiter der Demenz Support Stuttgart und Stellvertretender Vorsitzender der Aktion Demenz e. V.
Moderation: Dr. phil. Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates

18:00
Ende

Zum Thema

Derzeit leben in Deutschland etwa eine Million Menschen mit Demenz und bis 2030 könnten, Prognosen zufolge, bis zu zwei Millionen Menschen betroffen sein. Demenz ist nicht nur eine Herausforderung für Angehörige, Pflegende und Medizin, sondern für die ganze Gesellschaft. Dabei hängt der Umgang mit Demenz und den davon betroffenen Menschen im Wesentlichen von der Perspektive ab.

Die Selbstbestimmung ist von großer Bedeutung für die Ethik. Sie gehört wesentlich zum Selbstverständnis des Menschen und ist ein zentraler Bezugspunkt ethischer Diskurse. Lange Zeit standen nur die mit Demenz verbundenen Defizite im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – mit der Folge, dass viele Menschen mit Demenz sich nach der Diagnose einer unangemessenen Bevormundung ausgesetzt fühlten. Es wurde häufig über sie und selten mit ihnen gesprochen. Es ist jedoch ethisch geboten, den Betroffenen selbst zu begegnen und deren Selbstbestimmung auch dann zu achten, wenn sie eingeschränkt ist. Inzwischen gibt es zunehmend Bemühungen, den Blick darauf zu richten, welche Fähigkeiten Menschen mit Demenz haben. Es werden die Möglichkeiten untersucht, ihren Willen besser wahrzunehmen sowie sie in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen und zu respektieren. Dies kennzeichnet einen Perspektivwechsel, den der Deutsche Ethikrat mit seiner Veranstaltung weiter voranbringen möchte. Diskutiert werden folgende Fragen:

• Welchen Blick erhält man auf Demenz im Kontext der Alter(n)sforschung?
• Wie viel Selbstbestimmung ist unter den Bedingungen von Demenz möglich?
• Was ist nötig, um die Selbstbestimmungsfähigkeit Betroffener besser wahrzunehmen?
• Welche Forschung und Ausbildung sind dazu nötig?
• Welche Formen der Pflege unterstützen die Betroffenen in ihrer Selbstbestimmung?

Am Rande der Tagung wird die Fotoausstellung „Alzheimer – eine andere Welt“ von Claudia Thoelen gezeigt.
(idw, 10/2010)

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