Dekubitus oder Wundliegen – ein häufiges Pflegeproblem

Dekubitus Wundliegen

Dekubitus oder Wundliegen betrifft Patienten, die in ihrer Bewegungsfähigkeit höhergradig eingeschränkt sind. Es handelt sich um eine Hautschädigung, die ohne sofortige Behandlung immer weiter in die Tiefe reichen und dadurch auch Unterhautfettgewebe, Muskeln und Knochen zerstören kann. Durch Pflegemaßnahmen kann Wundliegen weitgehend verhindert werden. Je nach Tiefe der Wunde sind verschiedene Therapien erforderlich.

Wie entsteht ein Dekubitus oder Wundliegen?

Es handelt sich vordergründig um eine Druckschädigung der Haut. Gesunde Menschen bewegen sich unbewusst regelmäßig, auch im Schlaf. Ist dies nicht der Fall, werden die auf der Unterlage aufliegenden Körperstellen druckbedingt nicht ausreichend durchblutet. Dies betrifft besonders stark solche Stellen mit wenig Polsterung durch Muskeln oder Fettgewebe. Die Haut kann in der Folge ihre Funktionen nicht ausreichend wahrnehmen, stirbt schlimmstenfalls sogar ab. Das nennt man Nekrose. Typische Stellen, die aufliegen, sind Steißbein, Hüfte, Rücken, Schultern, Fersen und Knöchel.

Nach Tiefe der Wunde wird ein Dekubitus meist in folgende vier Grade eingeteilt:

  • Nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut
  • Geschwür mit Abschürfung, Blase, Verlust der Haut
  • Geschwür mit Verlust aller Hautschichten
  • Geschwür mit Nekrose von Muskeln, Knochen oder stützenden Strukturen.

Erstes sichtbares Zeichen eines beginnenden Dekubitus ist also eine Verfärbung der Haut, die sich nicht wegdrücken lässt. Bei hellhäutigen Patienten ist dies eine Rötung. Bei dunkelhäutigen Patienten kann ein Dekubitus schwerer erkennbar sein, er erscheint eher bläulich oder violett.

Besonders gefährdet für Durchliegen sind Patienten mit Übergewicht, da der Auflagedruck hier gewichtsbedingt höher ist. Aber auch untergewichtige Patienten liegen sich öfter wund, da über Knochenvorsprüngen nur wenig natürliche Polsterung vorhanden ist. Patienten mit einer generell schlechten Durchblutung, wie Diabetiker, haben ebenfalls ein höheres Risiko. Bei mangelernährten und dehydrierten Patienten kann die Haut ihre Barrierefunktion nicht optimal wahrnehmen, was die Dekubitusentstehung fördert.

Als Komplikation kann sich das Dekubitalgeschwür infizieren und schlimmstenfalls eine Sepsis verursachen. Dabei verbreiten sich die eingetretenen Erreger über die Blutbahn im ganzen Körper und können in der Folge sogar zum Tod des Patienten führen.

Therapie durch Fachpersonal

Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Tiefe der Wunde. Um eine Infektion des geschädigten Gewebes zu verhindern, sollte die Wunde durch spezialisiertes Personal mit geeigneten Wundverbänden abgedeckt und regelmäßig gepflegt werden. Um eine weitere Schädigung zu verhindern, wird der Patient möglichst weich gelagert, Wunde und Wundumgebung werden abgepolstert.

Bei Infektion der Wunde werden Antibiotika verabreicht. Schmerzmittel können das Leiden des Patienten etwas mildern.

Bereits abgestorbenes Gewebe muss in der Regel chirurgisch abgetragen werden. Ist die Wunde besonders tief, muss einem bewusst sein, dass der Gewebeschaden im Heilungsprozess nicht durch gesundes Gewebe ersetzt wird, es bleibt gegebenenfalls ein „Krater“ mit Narbengewebe. Bei großflächigen Defekten muss der Chirurg die Wunde mit eigener oder künstlicher Haut decken.

Vorbeugung von Dekubitus oder Wundliegen

Bei Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen wird bei Aufnahme eine differenzierte Einschätzung des Dekubitus-Risikos vorgenommen. Je nach Score werden verschiedene vorbeugende Maßnahmen ergriffen. Große Bedeutung kommt einer mindestens 2-stündlichen Umlagerung des Patienten zu. Bei höherem Risiko erfolgt eine Abpolsterung der gefährdeten Körperstellen. Auch spezielle Dekubitus-Matratzen finden Anwendung. Eine Faltenbildung von Laken und Kleidung ist zu vermeiden.

Grundsätzlich ist eine ausreichende Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr wichtig, ebenso wie eine gute Hautpflege. Die Haut ist vor anhaltender Nässe, zum Beispiel bei Inkontinenz, zu schützen. Sie muss von innen und außen gut gepflegt sein, um elastisch und gut durchblutetet zu bleiben und ihre Barrierefunktion wahrnehmen zu können.

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