DDG: Menschen mit Diabetes erkranken häufiger an Demenz

Im Vergleich zu Gesunden unterliegen Menschen mit Diabetes Typ 2 einem bis zu vierfach erhöhten Risiko für eine gefäßbedingte Demenz. Das Risiko für eine Alzheimerdemenz ist 1,5- bis 2-mal so hoch. Eine Ursache ist ein langfristig erhöhter Blutzuckerspiegel. Er schädigt die Blutgefäße – etwa in den Augen, in den Füßen und auch im Gehirn. Aber auch die häufigen Begleiterkrankungen eines Typ-2-Diabetes wie Bluthochdruck, Adipositas, Fettstoffwechselstörungen oder Depression spielen eine Rolle.

Menschen, die gleichzeitig von Diabetes und einer Demenz betroffen sind, tragen ein hohes Risiko für schwere Unterzuckerungen. Dies zeigt auch eine aktuelle Studie im Fachblatt „JAMA“. Diese Hypoglykämien sind die häufigste akute Komplikation bei Diabetes. Patienten können sie normalerweise frühzeitig erkennen und selbst so behandeln, dass sie nicht riskant sind. „Deutlich schwieriger ist die Situation für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, die ihre Medikamente und ihre Ernährung nicht immer richtig aufeinander abstimmen können und die Anzeichen einer Hypoglykämie nicht mehr richtig deuten“, sagt Professor Dr. rer. nat. Karin Lange, Fachpsychologin Diabetes aus der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der DDG und Mitautorin der neuen Leitlinie. Sie nehmen dann beispielsweise eine zu hohe Dosis Medikamente ein, überschätzen den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit oder vergessen, nach dem Spritzen etwas zu essen. Schwere Hypoglykämien scheinen das bereits geschädigte Gehirn weiter zu beeinträchtigen und das Fortschreiten der Demenz zu beschleunigen.

„Bei der Behandlung von kognitiv beeinträchtigten Patienten sollten Ärzte deshalb einen Langzeit-Blutzuckerwert im mittleren Bereich anstreben, also einen HbA1c-Wert von etwa acht“, empfiehlt Professor Lange. Dies verringere die Gefahr, eine schwere Hypoglykämie zu erleben. „Die Therapiekonzepte sollten zudem möglichst einfach sein, um die Betroffenen und ihre Betreuer nicht überfordern“, rät die Leiterin der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dies gelte insbesondere bei fortgeschrittener Demenz.

Die gefährliche Kombination von Demenz und Diabetes werde noch zu wenig beachtet, betonen die Experten der DDG. Sie sprechen sich in der neuen S2-Leitlinie deshalb für ein jährliches Demenzscreening bei Menschen mit langer Diabetesdauer aus, die älter als 65 Jahre sind und über spürbare Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung klagen. Die Fachgesellschaft hält es zudem für geboten, dass Ärzte und Pflegekräfte noch enger als bisher mit Betroffenen und Angehörigen zusammenarbeiten. „In diesem Bereich sind Weiterbildungsangebote für Pflegepersonal und Familienmitglieder dringend notwendig“, betont DDG-Präsident Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Chefarzt für Diabetologie und Ernährungsmedizin am Heidelberger St. Josefskrankenhaus. „Denn die Zahl betroffener Patienten wird angesichts unserer alternden Gesellschaft dramatisch zunehmen.“

Neben dem Thema Demenz beschäftigt sich die neue Leitlinie unter anderem mit den Themen Depression, Angst- oder Essstörungen in Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung. Den neuen Behandlungsleitfaden stellen Experten auf der Pressekonferenz am 18. Juni 2013 in Berlin vor.

Quellen:
S2-Leitlinie Psychosoziales und Diabetes mellitus, Vorabversion: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/evidenzbasierte-leitlinien.html

Association Between Hypoglycemia and Dementia in a Biracial Cohort of Older Adults With Diabetes Mellitus, JAMA Internal Medicine 2013 doi: 10.1001/jamainternmed.2013.6176

Terminhinweis:

Pressekonferenz „Diabetes und Psychosoziales – neue Leitlinie offenbart, was sich ändern muss“
Termin: Dienstag, 18. Juni 2013, 11.00 bis 12.30 Uhr
Ort: Tagungszentrum der Bundespressekonferenz, Raum 4
Anschrift: Schiffbauer Damm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin

Themen und Referenten:

Diabetes und Psyche: Die „Leitlinie Psychosoziales und Diabetes“ – warum Menschen mit Diabetes und psychischen Problemen besondere Betreuung brauchen
Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel
Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft; Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin – Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, St. Josefs Krankenhaus Heidelberg

Diabetes und Depression: Doppelt so häufig wie in der Gesamtbevölkerung und schlecht für die Prognose – welche Unterstützung benötigen Diabetiker mit Depressionen?
Professor Dr. med. Johannes Kruse
Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Diabetes und Essstörungen: Eine gefährliche Kombination – welche therapeutischen Hilfen gibt es?
Professor Dr. med. Stephan Herpertz
Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie; LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum

Diabetes und Demenz: Wenn zwei Alterserkrankungen zusammentreffen – wie lässt sich die große Zahl von Betroffenen zukünftig angemessen betreuen?
Professor Dr. rer. nat. Karin Lange
Leiterin der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie; Medizinische Hochschule Hannover (MHH)

Versorgung von Menschen mit Diabetes und psychischen Erkrankungen – was fehlt, was wäre sinnvoll?
Privatdozent Dr. phil. Dipl. Psych. Bernhard Kulzer
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der DDG, Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, Bad Mergentheim

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Diabetes Gesellschaft
Anne-Katrin Döbler/Christine Schoner
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931 573
Fax: 0711 8931 167
E-Mail:

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20

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