David Willshaw erhält den Valentino Braitenberg Award for Computational Neuroscience 2016

„David Willshaw war ein Wegbereiter in der Anwendung von Methoden der Computational Neuroscience mit dem Ziel, unser Verständnis der Entwicklung und Funktion des Gehirns voranzubringen“, erklärt Ad Aertsen, Vorsitzender der Jury, die Entscheidung. Willshaw wendet in seinen Untersuchungen mathematische Analysen und Computersimulationen an. Eines seiner Hauptinteressen gilt der Erforschung des Sehsystems. So untersucht er wie sich Nervenfasern einen Weg von der Netzhaut zum Gehirn bahnen, um dort ein mentales Abbild der Umwelt zu erstellen. Dabei verbinden sich benachbarte Zellen der Netzhaut mit benachbarten Zielorten im Gehirn. „Die Frage ist, wie finden Nervenfasern das richtige Ziel?“, erklärt Willshaw. „Wir denken, dass sie dafür einen Mechanismus nutzen, der anhand von Algorithmen für kombinatorische Optimierungsprobleme untersucht werden kann, wie sie etwa von Informatikern für das Problem des Handlungsreisenden genutzt werden.“ Weitere Forschungsprojekte von Willshaw umfassen die Mechanismen der Nerveninnervation im Muskel sowie die Funktionsweise der Basalganglien und ihre Rolle bei der Parkinson Erkrankung. Bereits während seiner Promotion hat der Neurowissenschaftler die Mechanismen des assoziativen Gedächtnisses untersucht.

Mit dem Valentino Braitenberg Award würdigt die Bernstein Association e.V. David Willshaws Erkenntnisse auf dem Gebiet der Computational Neuroscience. Die Preis wird im Rahmen der Bernstein Konferenz am Mittwoch, 21. September 2016 um 15:00 Uhr im Audimax der Humboldt-Universität zu Berlin (Unter den Linden 6, 10117 Berlin) verliehen. Neben dem mit 5000 Euro dotierten – und von der Autonomen Provinz Bozen Südtirol gestifteten – Preis erhält Willshaw eine Anstecknadel („Goldenes Neuron“). Während der darauffolgenden Valentino Braitenberg Lecture wird er Höhepunkte seiner Forschung darstellen. Medienvertreter sind herzlich zur Preisvergabe und der Valentino Braitenberg Lecture eingeladen.

Zum Preisträger:

David Willshaw promovierte 1971 an der University of Edinburgh bei Christopher Longuet-Higgins. Während seiner PostDoc-Zeit blieb er der Universität zunächst treu bis er 1973 an das Max-Planck-Institute für Biophysikalische Chemie in Göttingen wechselte. Im Jahr 1977 erhielt er vom britischen Medical Research Council (MRC) eine Tenure-Track Position und ging an das National Institute for Medical Research in Mill Hill, London. 1984 kehrte er mit einer Finanzierung des MRCs als unabhängiger Forschungsgruppenleiter an die University of Edinburgh zurück, wo er 1996 zum Professor ernannt wurde. Von 1998 bis 2004 leitete er dort das Institute for Adaptive and Neural Computation. 2006 wurde Willshaw auf den Lehrstuhl für Computational Neurobiologie an der University of Edinburgh berufen, an dem er auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2014 weiterforscht. Er ist Mitglied des Institute of Physics und der Royal Society of Edinburgh und wurde 1992 mit dem IEEE Neural Networks Council Pioneer-Medaille ausgezeichnet.

Zum Preis:

Der Valentino Braitenberg Award for Computational Neuroscience wurde zum Gedenken an den bedeutenden Tübinger Neurowissenschaftlers Valentino Braitenberg (1926-2011) ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre von der Bernstein Association e.V. an einen herausragenden Wissenschaftler verliehen, der mit seiner Forschung wesentlich zu unserem Verständnis über Gehirnfunktionen beigetragen hat. Dabei wird im Geist von Valentino Braitenbergs Forschung besonderen Wert auf theoretischen Studien gelegt. Valentino Braitenberg gilt als Pionier des modernen Forschungsfeldes Computational Neuroscience und hat erheblich zur Entwicklung des Gebiets der biologischen Kybernetik beigetragen. Mit seiner Forschung hat er zudem die Robotik und künstliche Intelligenz inspiriert.

Die gemeinnützige Bernstein Association wurde 2009 von Mitgliedern des Nationalen Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience gegründet. Das Netzwerk wurde 2004 als Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen, um die Forschungsdisziplin der Computational Neuroscience zu unterstützen. Bis heute hat das BMBF das Bernstein Netzwerk mit einem Gesamtvolumen von mehr als 180 Millionen Euro gefördert. Die Bernstein Konferenz ist die Jahrestagung des Bernstein Netzwerks. Mit rund 500 Teilnehmern ist sie die größte jährlich stattfindende Konferenz auf dem Gebiet der Computational Neuroscience in Europa. Das Bernstein Netzwerk ist benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1835-1917).

Weitere Informationen erteilen Ihnen gerne:

Prof. Dr. David Willshaw
Institute for Adaptive and Neural Computation
School of Informatics
The University of Edinburgh
10 Crichton Street
Edinburgh EH8 9AB
Vereinigtes Königreich
E-Mail: willshaw@inf.ed.ac.uk

Dr. Mareike Kardinal
Bernstein Koordinationsstelle (BCOS)
Außenstelle des Forschungszentrum Jülich
an der Universität Freiburg
Hansastraße 9a
79104 Freiburg
Tel: +49 (0)761 203 96787
E-Mail: m.kardinal@fz-juelich.de

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