Das Studienzentrum der Nationalen Kohorte Berlin-Süd/Brandenburg stellt sich erstmals vor

Das vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) geleitete Zentrum ist das dritte der drei Studienzentren aus der Region Berlin/Brandenburg. Seiner Eröffnung sind umfangreiche Baumaßnahmen vorausgegangen, welche die Räume auf dem Campus Benjamin Franklin in Steglitz in ein modernes und ansprechendes Studienzentrum verwandelt haben. In den nächsten Jahren werden die Forscher aus Potsdam-Rehbrücke Bürger aus dem süd-westlichen Berlin sowie den Brandenburger Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Falkensee, Schulzendorf, Rangsdorf und Schönefeld anschreiben und bitten, an der Gesundheitsstudie teilzunehmen. „Die ersten haben eine Einladung erhalten, wobei wir bis März bereits von über 600 Personen eine Zusage bekommen haben und schon über 400 Teilnehmer untersuchen konnten“, sagt Mediziner Dr. Matthäus Vigl, der das Studienzentrum leitet. Viele weitere werden über die nächsten Wochen, Monate und Jahre angeschrieben. Dabei steht und fällt der Erfolg der Studie mit dem Engagement der Teilnehmer, die mit Hilfe des Einwohnermeldeamts per Zufallsprinzip ausgewählt werden. „Umso mehr Frauen und Männer bereit sind, langfristig mitzumachen und zur Gesundheitsforschung beizutragen, desto repräsentativer und aussagekräftiger wird die Studie“, erklärt Vigl.

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit einer der weltweit größten Langzeit-Beobachtungsstudien (EPIC*) konnten die Ernährungsforscher des DIfE viel Wissen in die Planung der NAKO-Studie einfließen lassen. „Besonders die Untersuchungsmodule, die sich mit der Ernährung bzw. der körperlichen Aktivität der Studienteilnehmer beschäftigen, haben unsere Epidemiologen wesentlich mitgestaltet. Sie tragen daher auch die wissenschaftliche Verantwortung für diese Bereiche“, sagt Tilman Grune, wissenschaftlicher Vorstand des DIfE. Sowohl Ernährung als auch Bewegung sind sehr komplexe Lebensstilfaktoren, die jeden betreffen und die Gesundheit beeinflussen. Sie korrekt zu erfassen, sei nicht trivial, erklärt Grune weiter.

„Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die Beantwortung von Ernährungsfragebögen nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen sollte, die Befragung aber dennoch sehr genau sein muss, um zum Beispiel auch saisonbedingte Veränderungen in der Ernährung oder individuelle Besonderheiten erfassen zu können“, sagt Heiner Boeing, der die Abteilung Epidemiologie am DIfE leitet. „Wir sind daher in der NAKO-Studie neue Wege gegangen und setzen eigens für die Studie entwickelte, web-basierte Fragebögen ein“, so Boeing weiter. Viermal im Jahr bitten die Forscher die Studienteilnehmer, einen Online-Kurzfragebogen auszufüllen, mit dem sie ermitteln, was die Teilnehmer am Vortag zu sich genommen haben. Die Befragungstage legen die Wissenschaftler dabei per Zufallsprinzip fest und informieren den Teilnehmer erst am entsprechenden Tag, damit er seine Ernährung aufgrund der anstehenden Befragung nicht ändert. Auf diese Weise lassen sich jahreszeitlich-bedingte Veränderungen in der Ernährungsweise der Teilnehmer gut erfassen. Darüber hinaus ermitteln die Forscher mit einem zweiten, umfangreicheren Fragebogen die Ernährungsweise der vergangenen 12 Monate. Um alle gesammelten Ernährungsdaten im Zusammenhang auswerten zu können, haben die Wissenschaftler des DIfE für die NAKO-Studie spezielle statistische Berechnungsmodelle erstellt. Ebenso entwickelten sie die technische Infrastruktur für die modernen, web-basierten Fragebögen.

Auch die körperliche Aktivität der Teilnehmer erfassen die Wissenschaftler mit Hilfe neuester Technik. Für sieben Tage tragen die Studienteilnehmer einen etwa Streichholzschachtel-großen Sensor an der Hüfte, der die Beschleunigung des Körpers auf allen drei Raumachsen mit einer Frequenz von 100 Hz misst, das entspricht 300 Messpunkten pro Sekunde. „Hierdurch ist die körperliche Aktivität sehr viel besser und detaillierter zu erfassen, als dies früher zum Beispiel mit Fragebögen möglich war“, erklärt Boeing, der den Sensor bereits erfolgreich im Rahmen der EPIC-Studie getestet hat. Die neue Messtechnik erfasst nicht nur die Bewegungsintensität, sondern lässt auch darauf schließen, ob jemand sitzt, liegt oder steht. Zudem registriert sie auch die Art der Bewegung und stellt fest, ob der Teilnehmer zum Beispiel geht, rennt oder Treppen steigt. Die körperliche Aktivität zu erfassen sei äußerst wichtig, sagt Mediziner Vigl. So sei nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Industrieländern die körperliche Inaktivität der viertwichtigste Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod. Dabei sei die sportliche Betätigung nicht unbedingt entscheidend, sondern die Bewegung im Alltag. Eine Aussage, die nun sehr exakt mit Hilfe der neuen Messmethode überprüft werden kann.

In allen NAKO-Studienzentren dauert das Erstuntersuchungsprogramm pro Person etwa drei bis fünf Stunden. Es ist sehr umfangreich und beinhaltet neben Befragungen zum Lebensstil zum Beispiel auch Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnistests sowie eine Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems. Zudem sammeln die Forscher verschiedene Bioproben. Nach vier bis fünf Jahren findet dann die zweite große Untersuchungsrunde statt, wobei die medizinischen Untersuchungen und Befragungen anhand festgelegter Standardprotokolle erfolgen, um vergleichbare und damit verwertbare Daten zu erhalten. Die NAKO-Studie ist langfristig angelegt und wird alle Beteiligten die nächsten Jahrzehnte begleiten. Erste Resultate erhoffen sich die Forscher aber schon nach etwa fünf bis sechs Jahren.

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive (vorausschauende) große europäische Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie und wird von apl. Prof. Dr. Heiner Boeing geleitet.

Studienteilnehmerzahlen (Stand 05.03.2015): Das NAKO-Studienzentrum Berlin-Süd/Brandenburg hat bislang 5.949 Bürgerinnen und Bürger angeschrieben, 654 Teilnehmer haben sich bereits mit einer Zusage zurückgemeldet, davon wurden 422 bereits untersucht.

Hinweise zum Erstuntersuchungsprogramm finden Sie bitte unter:

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gern eine Pressemappe sowie Fotos zur Verfügung.

Kontakt:
Dr. Matthäus Vigl
Leiter des NAKO-Studienzentrums
Berlin-Süd/Brandenburg
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Tel.: 030 2062184-4002
E-Mail: vigl@dife.de

Pressekontakt:
Dr. Gisela Olias
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: 033200 88-2278/-2335
E-Mail: olias@dife.de
oder presse@dife.de
http://www.dife.de

Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft, das ist der Leitgedanke der Nationalen Kohorte (NAKO), der zurzeit größten Bevölkerungsstudie in Deutschland. Seit Mai 2014 werden die ersten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer eingeladen. Bundesweit werden im Verlauf der nächsten Jahre 200.000 Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren in 18 Studienzentren medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt. Mithilfe der gesammelten medizinischen Daten, Bioproben und Befragungsangaben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden chronische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Demenz und Depressionen, genauer erforscht. Langfristig versprechen sich die Wissenschaftler der NAKO Antworten auf folgende Fragen: Wie entstehen diese Krankheiten? Gibt es Faktoren, die ihre Entstehung begünstigen? Welche Rolle spielen zum Beispiel unsere Gene, die Umwelteinflüsse, denen wir ausgesetzt sind, soziale Kontakte oder aber unser Lebensstil? Können wir uns vor diesen Krankheiten schützen? Wie können diese Krankheiten frühzeitig erkannt werden? Finanziell gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, 14 Bundesländern und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Weitere Informationen finden Sie unter .

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Weitere Informationen zum DZD finden Sie unter .

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 17.500 Menschen – darunter 8.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Weitere Informationen erhalten Sie unter .

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