Das Leben mit links meistern

(dtd). Der Internationale Linkshändertag wird seit 1976 am 13. August begangen. Ins Leben gerufen wurde er vom Amerikaner Dean R. Campbell, der damit auf Probleme und Interessen von Linkshändern in einer überwiegend rechtshändigen Gesellschaft aufmerksam machen wollte. Campbell hatte im Jahr zuvor auch die vermutlich erste Vereinigung für Linkshänder gegründet.
Die Gene bestimmen, welches das „schöne Händchen“ ist: Bei Linkshändern dominiert die rechte Hirnhälfte, sie bestimmt beispielsweise die räumliche Vorstellungskraft. Die Statistiker sind sich uneins, wie viele Menschen von Geburt an „eigentlich“ Linkshänder sind. Einige Statistiken sprechen von jedem Siebten, neuere Erhebungen gehen sogar von jedem Dritten aus. Solche Auswertungen sind schwierig, weil nicht bekannt ist, wie viele Linkshänder in jungen Jahren auf rechts „umgeschult“ werden.
Im Alltag stehen viele Linkshänder vor einem Dilemma: Denn die meisten Gebrauchsgegenstände sind für Rechtshänder gemacht, von der Schere über den Korkenzieher bis hin zum Dosenöffner. Aber auch Herde mit den Drehschaltern auf der rechten Seite oder Schränke, deren rechte Tür zuerst geöffnet werden muss, gehören dazu. Auch die Arbeitswelt ist ganz auf Rechtshänder ausgerichtet. Da liegen Computermaus und Tastatur-Ziffernblock wie selbstverständlich auf der rechten Seite und auch viele Maschinen müssen mit rechts bedient werden.
All diese Produkte werden meist von Rechtshändern konstruiert, die gar nicht daran denken, dass Linkshänder sie nicht so einfach bedienen können. Denn die Linkshänder müssen diese Gegenstände entweder mit ihrer starken linken Hand benutzen, sie entgegen der intuitiven Bewegungsrichtung drehen. Oder aber sie benutzen ihre schwächere rechte Hand, um die Gegenstände so zu benutzen, wie sie vorgesehen sind.
Inzwischen gibt es allerdings in vielen deutschen Städten Linkshändergeschäfte mit speziellen Produkten für Linkshänder, dazu kommen die vielen Online-Shops. Speziell die Hersteller von Schreibwaren haben viele Hilfsmittel im Angebot, die Linkshändern das Leben erleichtern. Ein Beispiel ist der „Smartball“ für das iPad. Dieser Stift wurde vom Hersteller Stabilo für Rechts- und Linkshänder entwickelt. Mit dem Stift lässt sich vermeiden, dass der Touchscreen des iPads mit den Fingern bedient werden muss und das Display deshalb regelmäßig schmutzig ist und gesäubert werden muss. Der „Smartball“ hat in der Großraummine dokumentenechte blaue und schwarze Tinte. Diese Seite ist zum gewöhnlichen Schreiben auf Papier da. Dreht man den Stift aber um, dann steht eine spezielle Touchscreen-Spitze bereit. Diese Spitze ist so konzipiert, dass sie quasi wie eine Verlängerung des Fingers fungiert und sich sogar mit Handschuhen oder langen Fingernägeln nutzen lässt.

„Linke“ Siegertypen

(dtd). Heutzutage sind Linkshänder schon lange keine seltsamen Außenseiter mehr. Im Gegenteil: Der Minderheit gehören jede Menge Mächtige und Berühmtheiten an: Angelina Jolie, Jimi Hendrix und Diego Maradona sind nur einige Beispiele. Unter den fünf Präsidenten der USA seit 1981 befinden sich sogar vier Linkshänder: Ronald Reagan, George Bush senior, Bill Clinton und auch der aktuelle Präsident Barack Obama.
Auch in der früheren Geschichte waren viele Mächtige und Berühmtheiten Linkshänder. So besiegten die Feldherren Julius Cäsar und Napoléon Bonaparte ihre Gegner wortwörtlich mit links. Die britische Königin Elisabeth II. rückt ihre Krone ebenso mit der linken Hand zurecht wie irgendwann Prinz Charles oder Prinz William als Thronfolger. Von Leonardo da Vinci über Wolfgang Amadeus Mozart bis Bill Gates – die Liste prominenter Linkshänder ist lang.
Im Spitzensport ist der Anteil von Linkshändern deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Dies gilt besonders für Zweikampf- und Schlägersportarten wie Boxen, Tennis, Tischtennis, Badminton oder Fechten. Hauptursache für die Erfolge der Linkshänder ist, dass Sportler es normalerweise deutlich häufiger mit Rechtshändern zu tun haben und auf deren Bewegungsabläufe trainiert sind. Viele dieser antrainierten Schemata versagen jedoch im Wettkampf mit Linkshändern. Zudem scheint die bei Linkshändern öfters feststellbare bessere Raumverarbeitung in der dominanten rechten Gehirnhälfte bei der Einschätzung von Bewegungsabläufen vorteilhaft zu sein
Zu den prominenten Linkshändern im Sport zählen die Boxer Oscar de la Hoya und Marvin Hagler, auch die deutschen Größen Bubi Scholz und Henry Maske teilten mit links aus. Besonders auffallend ist auch der hohe Anteil erfolgreicher Linkshänder im Tennissport. Zu ihnen gehören „Legenden“ wie Martina Navratilova, Rod Laver oder Jimmy Connors. Und der seit Jahren in der Weltspitze spielende Spanier Rafael Nadal hat sich angeblich sogar zum Linksspieler trainieren lassen, obwohl er „eigentlich“ Rechtshänder ist.

Die Probleme „umgeschulter“ Linkshänder

(dtd). Linkshänder werden heute nicht mehr stigmatisiert, kein Lehrer zwingt heute mehr linkshändige Schüler wie früher zum Schreiben mit der Rechten. Dennoch werden – bewusst oder unbewusst – noch immer viele Kinder zu Rechtshändern „umgeschult“. Heute wissen Mediziner und Therapeuten, dass umgeschulte Linkshänder viel Energie und Konzentration aufwenden müssen, um permanent die nichtdominante Hand zu benutzen.
Denn Linkshänder sind eher von der rechten Gehirnhälfte geprägt, wo auch die Kreativität sitzt. Unterdrückte Linkshändigkeit kann den Zugang zur rechten Gehirnhälfte deshalb fast völlig blockieren. Unterdrückte Linkshänder können daher ihre Stärken oft nicht entfalten und wählen einen Beruf, der nicht zu ihrer kreativen Veranlagung passt. Das Gehirn wird dabei enorm strapaziert, um den Mangel an Kraft, Ausdauer und motorischem Geschick auszugleichen und ähnlich präzise Leistungen wie mit der dominanten Hand zu erbringen. Unterdrückte Linkshänder sind oft ausgebrannt oder resigniert, sie leiden an Depressionen, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen. Gerade bei Kindern machen sich zudem Leserechtschreib- oder Rechenschwächen bemerkbar. Eltern sollten deshalb in den ersten Lebensjahren darauf achten, welche Händigkeit das Kind hat.

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