„Das Gute in der Bohne“: Expertin Karen Nieber zum Tag des Kaffees

Frau Prof. Nieber, Sie haben aktuelle Studien zum Streitthema Kaffeegenuss bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgewertet. Was ist Ihr Fazit?

Kaffee erhöht den Blutdruck kurzzeitig. Das ist gut, wenn wir morgens in Gang kommen wollen. Aber die Wirkung geht schnell wieder zurück – vor allem bei Menschen, die Kaffee gewöhnt sind. Es gibt umfangreiche Studien, die besagen, dass regelmäßiger Kaffeegenuss bei gesunden Menschen dauerhaft keinen Einfluss auf Blutdruck und Infarktrisiko hat. Vorsichtig sollten nur ältere Menschen sein, die bereits an Bluthochdruck leiden. Sie sollten nicht mehr als eine Tasse täglich trinken.

Wie ist das bei Schwangeren?

Alkohol ist in der Schwangerschaft strikt verboten. Das gilt für Kaffee nicht. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eindeutig erklärt, dass Schwangere Kaffee in Maßen trinken können, jedoch nicht mehr als 200 Milligramm Coffein pro Tag. Das sind etwa drei Tassen. Übrigens dürfen auch Schulkinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren ganz ohne Bedenken Kaffee trinken: Man sagt täglich etwa drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht Coffein, dazu zählt allerdings auch der Coffeingehalt in Softdrinks.

Auf wen wirkt sich Kaffeegenuss gesundheitsfördernd aus?

Diabetiker, Asthmatiker, Patienten mit Lebererkrankung und auch Sportler pofitieren vom Kaffee. Viele Ausdauersportler trinken vor dem Wettkampf ein bis drei Tassen, weil Kaffee den Kreislauf anregt, die Durchblutung der Muskulatur fördert und dadurch bei Muskelschmerzen hilft. Da braucht man oft kein Schmerzmittel mehr. Ob Kaffee auch den langfristigen Trainingseffekt steigert, ist bislang nicht geklärt.
Wie viele Tassen täglich sind für einen gesunden Menschen empfehlenswert?
Zwei bis drei Tassen pro Tag haben einen positiven Effekt. Das gilt aber auch für entkoffeinierten Kaffee. Nicht nur das Koffein hat Auswirkungen auf den Körper, auch andere Inhaltsstoffe wie beispielsweise Chlorogensäure. Kaffee ist ein Naturprodukt und keine Monosubstanz. Die verschiedenen Inhaltsstoffe bringen einen Synergieeffekt. Sie wirken an verschiedenen Stellen des Körpers. Man spricht auch von einem Multi-Target-Effekt. Die Mischung macht’s also.

Wie viel Kaffee trinken Sie täglich?

Ich trinke drei bis vier Tassen am Tag – mit Milch. Da ist die Magenreizung geringer als bei schwarzem Kaffee.

Hinweis:

Prof. Dr. Karen Nieber ist eine von mehr als 120 Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Karen Nieber
Telefon: +49 341 97-36812
E-Mail: nieber@uni-leipzig.de

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