Darmkrebs früh erkennen ist besser als Heilen – Aktuelle Leitlinie setzt auf Vorsorge

Die meisten Patienten mit Krebs im sogenannten Grimmdarm, dem Kolon, oder im Mastdarm, dem Rektum, werden heute gerettet. „Die Behandlung des Kolorektalkarzinoms geschieht in Deutschland auf hohem Niveau und seit der letzten Version der Leitlinien aus dem Jahr 2007 wurden erhebliche Fortschritte gemacht“, begründet Professor Dr. med. Wolff Schmiegel aus Bochum die Neufassung. Er leitet die Gruppe, die unter Federführung der DGVS die neue S3-Leitlinie entwickelt hat. Überarbeitet sind darin vor allem die Themen Diagnostik, Prävention, Risikogruppen, Screening und Therapie und Nachsorge. Ergänzt wurden außerdem Informationen zu erblichem Darmkrebs.

Beim Rektumkarzinom hat sich die sogenannte neoadjuvante Radiochemotherapie bewährt: Vor der Operation erhalten Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumor immer häufiger eine Bestrahlung und Chemotherapie, um die Erfolgschancen zu erhöhen. „Der Effekt ist eine deutliche Verkleinerung des Tumors, so dass wir häufig das Ausmaß der Operation einschränken können“, erläutert DGVS-Experte Schmiegel: „Für die Patienten kann dies bedeuten, dass sie keinen künstlichen Darmausgang benötigen.“

Standardverfahren für die Therapie von Darmkrebs ist nach wie vor die OP. Den erkrankten Darmabschnitt entfernen Ärzte in vielen Kliniken über kleine Hautschnitte in einer „Schlüssellochoperation“, die in geübten Händen vergleichbare Ergebnisse zur offenen Operation aufweist. Im fortgeschrittenen Stadium schließt sich daran eine Chemotherapie an. „Diese adjuvante Therapie erhöht die Heilungschancen, garantiert allerdings nicht, dass der Krebs besiegt wird“, sagt Leitlinienkoordinator Dr. med. Christian Pox von der Medizinischen Universitätsklinik Bochum: „Wir können der Bevölkerung deshalb nur dringend raten, an den Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen“, betonen die beiden DGVS-Experten. Die Leitlinie empfiehlt einen Beginn der Vorsorge mit 50 Jahren, bevorzugt mit einer Darmspiegelung, der Koloskopie. Eine Alternative bieten Stuhluntersuchungen. Neue immunologische Stuhltests ergänzen die bisher standardmäßig eingesetzten Löschblatttests. Der Vorteil der Darmspiegelung bestehe darin, dass der Arzt dabei entdeckte Polypen direkt abträgt und so Krebs wirksam verhindert.

„Besonders wichtig ist die Identifikation von Patienten mit einer erblichen Formen von Darmkrebs, da für diese Gruppe die Vorsorge schon deutlich früher beginnen sollte, in der Regel mit 25 Jahren“ sagt Professor Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum. „Hierzu sind in der Leitlinie klare Empfehlungen und Diagramme enthalten, die ein standardisiertes Vorgehen ermöglichen.“

Die Leitlinie enthält auch Tipps zur Darmkrebsvorsorge. „Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität, der Verzicht auf Zigaretten und übermäßigen Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko senken“, erläutert Dr. Pox. Im Zentrum steht zusätzlich gesunde Ernährung. „Rotes Fleisch“ wie Rind, Kalb, Schwein und Lamm sind sparsam zu genießen, ebenso Wurst und Buletten. Denn regelmäßiger Konsum von durchgegartem rotem Fleisch, Bacon und Würstchen erweist sich in Studien als eindeutig mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden. Die DGVS rät zu ballaststoffreicher Kost mit viel Obst und Gemüse – wenn auch gesunde Ernährung Darmkrebs nicht völlig verhindern kann. Bisher gibt es leider auch noch keine Medikamente, die ohne starke Nebenwirkungen die Entstehung von Darmkrebs verhindern, bedauern die Experten..

Die „S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom“ finden Sie hier:

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