Damit aus Fantasien keine Taten werden!

Das Angebot für Personen, die auf Kinder ausgerichtete sexuelle Neigungen haben, jedoch keine Übergriffe begehen wollen, wurde seitdem gut angenommen. Um in das Programm aufgenommen zu werden, müssen Interessenten hinsichtlich ihrer pädophilen Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und aus diesem Grund von sich aus und ohne gerichtlichen Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Wenn sie in das Projekt aufgenommen werden, können sie kostenlos und durch die therapeutische Schweigepflicht geschützt sowohl eine diagnostische Abklärung ihrer sexuellen Präferenz als auch therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen. Mag. Elisabeth Quendler, Koordinatorin des Projektstandorts, berichtet: „Bereits ca. 200 Personen, zusammengesetzt aus direkt Betroffenen aber auch Angehörigen, haben seit der Eröffnung unserer Ambulanz Kontakt zu uns aufgenommen. Bei 32 von ihnen wurde das umfassende Diagnostikprogramm abgeschlossen. Davon konnten bereits zehn Personen in die therapeutische Behandlung aufgenommen werden.“

Die nach der Diagnostikphase angebotene spezielle Behandlung integriert vor allem psychotherapeutische, aber auch sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze und – nur selten notwendig – die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung. „Im Verlauf der Therapie erlernen die Teilnehmer unter anderem eine angemessene Wahrnehmung und Bewertung ihrer sexuellen Wünsche und Bedürfnisse, die Identifizierung und Bewältigung möglicher gefährlicher innerseelischer Entwicklungen sowie Strategien zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen“, erläutert Elisabeth Quendler. Seit Januar 2015 trifft sich die Therapiegruppe wöchentlich. Eine Angehörigengruppe ist in Planung.

Das Projekt wird vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Senioren Baden-Württemberg finanziert. Weiterer Unterstützer ist die Kinderschutzorganisation Hänsel+Gretel, welche die therapeutische Weiterbildung der Mitarbeiter finanziert. Neben dem Ulmer Standort des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ bestehen deutschlandweit weitere zehn Standorte (Berlin, Kiel, Regensburg, Leipzig, Hamburg, Stralsund, Düsseldorf, Gießen, Hannover und Mainz). Weitere Kooperationen bestehen innerhalb Baden-Württembergs mit der Stuttgarter Bewährungshilfe, der Behandlungsinitiative Opferschutz sowie der forensischen Abteilung der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm.

Weitere Informationen
Im Sinne einer klinischen Diagnose wird unter Pädophilie eine sexuelle Ansprechbarkeit auf den kindlichen Körper verstanden. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass sich sexuelle Neigungen, zu denen eben auch die Pädophilie gehört, in der Pubertät manifestieren und ab diesem Zeitpunkt nach klinischer Erfahrung weitgehend stabil bleiben. Daraus folgt, dass sich Menschen ihre sexuelle Neigung nicht aussuchen. Jedoch trägt jeder Mensch die alleinige Verantwortung für sein sexuelles Verhalten.

Menschen mit pädophilen Neigungen, die in Ulm Hilfe in Anspruch nehmen möchten, bevor es zu sexuellen Übergriffen auf Kinder kommt, können sich Dienstag und Mittwoch in der Zeit von 8 bis 10 Uhr sowie Dienstag 17 bis 20 Uhr an die Ambulanz Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ unter der Rufnummer 0731 50061960 wenden. Die E-Mail-Adresse lautet praevention.psysom@uniklinik-ulm.de.

Mehr Informationen zum Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ sowie alle Kontaktdaten zu den Standorten des Projekts in Deutschland sind unter www.kein-taeter-werden.de zu finden.

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