DAC: Folgen des Ärztemangels für Anästhesie und Intensivmedizin

Warum der Ärztemangel die Anästhesie besonders schwer trifft und welche Folgen er mit sich bringt, diskutieren Experten des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) auf dem Deutschen Anästhesiecongress DAC 2011 vom 14. bis 17. Mai 2011 in Hamburg.

Deutschland fehlen derzeit etwa 750 Anästhesisten, so eine aktuelle Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts. Das ist zwar weniger als in anderen Fachbereichen wie etwa der Inneren Medizin oder der Chirurgie. „Die Situation ist bei den Anästhesisten dennoch besonders prekär“, so der Präsident des BDA, Professor Dr. med. Bernd Landauer, Ottobrunn. Denn sie könnten ihren Arbeitsumfang von Allgemein- und Regionalanästhesien, Intensivbehandlung, Notfall- bis hin zur Schmerztherapie nicht wie andere klinische Fächer selbst bestimmen. „Die Anästhesie spielt eine Schlüsselrolle bei Operationen und hängt zudem in erster Linie von der Nachfrage anderer Disziplinen ab“, so Landauer. Darüber hinaus steige das Arbeitsvolumen in der Intensivmedizin ständig: „Insbesondere in der operativen Intensivmedizin haben sich jedoch viele Ärzte aus den chirurgischen Fächern zurückgezogen“, sagt DGAI-Generalsekretär Professor Dr. med. Hugo Van Aken, Münster. Die operativen Intensivstationen würden demzufolge fast überall von Anästhesisten betrieben.

Die Folgen dieser Entwicklung sehen DGAI und BDA kritisch: Das vorhandene Personal müsse den Mangel in höherem Maße als je zuvor und vielfach bis zur Grenze seiner Belastbarkeit ausgleichen. Gespräche mit Patienten und Angehörigen sowie die notwendige Fort- und Weiterbildung kommen dadurch oft zu kurz. Um die Patientenversorgung trotzdem zu bewältigen, beschäftigen viele Krankenhäuser Leihärzte. „Knapp die Hälfte aller Anästhesieabteilungen in Deutschland greifen derzeit gezwungen auf solche Honorarärzte zurück“, so Professor Landauer. Dies zeigt eine Umfrage des BDA. Ein Grund hierfür ist auch, dass Deutschland neben Großbritannien das einzige Land in der EU ist, das tatsächlich das Arbeitszeitgesetz von 2006 umsetzt: „Ärzte arbeiten seitdem statt 60 bis 70 nur noch 42 Stunden in der Woche im Angestelltenverhältnis“, sagt Professor Van Aken. Um ihr Gehalt aufzubessern, erfüllen viele Ärzte vier Tage in der Woche ihren Dienst in der Klinik und nehmen für den fünften Tag eine Nebentätigkeit an einem anderen Krankenhaus an. Diese selbständige Arbeit fällt nicht unter das Arbeitszeitgesetz.

Ausschlaggebend für den Ärztemangel gerade in der Anästhesie sei laut Van Aken auch der wachsende Anteil von Frauen in der Medizin: Denn das Fach liegt zu etwa 50 Prozent in den Händen von Anästhesistinnen. Diese können Familie und Beruf häufig nur vereinen, indem sie in Teilzeit arbeiten. Auch das Phänomen der sogenannten Generation Y, bei der die Familie an erster Stelle stehe, verstärke das Problem.

Wie DGAI und BDA verhindern wollen, dass Patienten in Zukunft auf Wartelisten für eine Operation mit Anästhesie beziehungsweise mit einer nachfolgenden Intensivbehandlung gesetzt werden, diskutieren Fachleute auf dem Deutschen Anästhesiecongress. Der DAC 2011 findet in diesem Jahr vom 14. bis 17. Mai im Congress Center Hamburg statt.

Terminhinweise:

Sonderveranstaltungen:
Strategien gegen den Ärztemangel in Krankenhäusern – Fakten zur aktuellen Personalsituation der stationären Anästhesie
Termin: 15. Mai 2011, 9.00 bis 10.30 Uhr, 11.00 bis 12.30 Uhr
Ort: Saal 13/14, Congress Center Hamburg

50 Jahre BDA – Stufen einer gelungenen Symbiose mit der DGAI – Nachwuchsgewinnung und Nachwuchsförderung – Eine gemeinsame Herausforderung
Termin: 17. Mai 2011 9.00 bis 11.00 Uhr
Ort: Raum 7, Congress Center Hamburg

Kontakt für Journalisten:
Kathrin Gießelmann/Corinna Spirgat
Pressestelle DGAI/BDA
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Tel.: 0711 8931-981
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