Curt Meyer-Gedächtnispreis für Dr. Jane Holland vom MDC

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Darunter ist der Basale Brustkrebs, auch Östrogen-negativer Brustkrebs genannt, besonders aggressiv. Im Gegensatz zu Östrogen-positivem oder Progesteron-positivem Brustkrebs wird der Basale Brustkrebs nicht von diesen weiblichen Geschlechtshormonen gesteuert. Er hat dafür keine Bindungsstellen (Rezeptoren), weshalb ein „Hormonentzug“ (Antihormontherapie) bei ihm wirkungslos ist, im Gegensatz zu Östrogen- oder auch Progesteron-positivem Brustkrebs. Bei diesen Brustkrebsformen können Ärzte das Krebswachstum mit Antihormontherapien unterdrücken, da die Medikamente die Bindungsstellen für Östrogen oder Progesteron auf der Oberfläche der Krebszellen blockieren. Auch Brustkrebs, der Bindungsstellen für den Wachstumsfaktor Her2 hat, lässt sich zielgerichtet behandeln, mit einem Antikörper, der die Her2-Rezeptoren besetzt.

Diese Therapien fruchten beim „basal-like“ Brustkrebs-Subtyp nichts, da er in den meisten Fällen dreifach negativ ist, das heißt, weder Rezeptoren für Östrogen, noch für Progesteron oder Her2 hat. Die einzig mögliche Behandlung ist deshalb eine Chemotherapie. Er ist dennoch nur schwer zu therapieren.

Unrühmliches Dreiergespann – Dreifach angreifen
Dr. Holland konnte zeigen, dass ein unrühmliches Triplett daran schuld ist, dass der Basale Brustkrebs wächst. Zum einen die beiden Signalwege Wnt/beta-Catenin und HGF/SF, die die Krebszellen in ihrem Wachstum ankurbeln, sowie ein System von Signalproteinen (Chemokinen), das diese beiden Signalpfade anschalten. Jane Holland hat schon in ihrer Doktorarbeit an der Universität von Adelaide in Australien über dieses Chemokinsystem gearbeitet. Mäuse, denen zusätzlich das Gen für den Rezeptor CXCR4 dieses Chemokinsystems ausgeschaltet wurde, sind gegen den Krebs gefeit.

Im Reagenzglas und bei Mäusen testeten die Forscher in Berlin-Buch verschiedene Hemmstoffe, die bereits in klinischen Versuchen gegen andere Krebsarten erprobt, aber noch nicht zur Behandlung von Brustkrebs angewendet werden und auch nicht zugelassen sind. Schließlich gelang es ihnen mit Kombinationen der verschiedenen Inhibitoren an allen drei Angriffspunkten anzusetzen und damit das Krebswachstum bei den Mäusen dramatisch zu unterdrücken. Dr. Holland und Prof. Birchmeier: „Ein dreifacher Angriff, der sowohl das Chemokinsystem als auch die beiden Signalwege Wnt/beta-Catenin und HGF/Met blockiert, ist am wirksamsten.“ In einer Kooperation mit der Charité will Dr. Holland deshalb die Hemmstoffe demnächst an menschlichem Brustkrebsgewebe testen, vorerst aber im Reagenzglas.

Der Curt Meyer-Gedächtnispreis wird seit 1988 von der Berliner Krebsgesellschaft an junge in Berlin arbeitende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für „besonders herausragende“ Arbeiten auf dem Gebiet der klinischen, experimentellen und translationalen Krebsforschung vergeben. Preisträger von MDC und Charité waren in den vergangenen Jahren Dr. Dr. Sandrine Sander (MDC, 2013), die Biologin Hua Jing (MDC) und die Medizinerin Dr. Julia Kase (Charité, 2012), die Krebsforscher und Kliniker Dr. Martin Janz und Dr. Stephan Mathas (MDC und Charité, 2008), Prof. Clemens A. Schmitt (Charité, MDC-Gastgruppe, 2006) und Prof. Peter Daniel (MDC/Charité, 2000).

Die Auszeichnung ist benannt nach dem 1891 in Herleshausen/Thüringen geborenen Arzt und Berliner Senatsrat Dr. Curt Meyer, der 1944 nach Auschwitz deportiert wurde und dort als Häftling Seuchenkranke betreute. Er überlebte das KZ und engagierte sich nach dem Krieg im öffentlichen Gesundheitswesen sowie in der Fürsorge für Krebspatienten. Er war Mitbegründer mehrerer medizinischer Gesellschaften, darunter auch des Landesausschuss Berlin für Krebsbekämpfung e.V., aus dem die Berliner Krebsgesellschaft hervorgegangen ist. Er starb 1984 im Alter von 93 Jahren.

* Combined Wnt/-catenin, Met and CXCL12/CXCR4 Signals Characterize Basal Breast Cancer and Predicts Disease Outcome
Jane D. Holland1*, Balázs Győrffy2,3, Regina Vogel1, Klaus Eckert4, Giovanni Valenti1, Liang Fang1, Philipp Lohneis3, Sefer Elezkurtaj3, Ulrike Ziebold1, and Walter Birchmeier1
1 Department of Cancer Research, Max Delbrück Center for Molecular Medicine (MDC), Robert-Roessle-Str. 10, Berlin, Germany
2 Research Laboratory of Pediatrics and Nephrology, Hungarian Academy of Sciences – Semmelweis University, Bókay u. 53-54, Budapest, Hungary
3 Institute for Pathology, Charité Medical University, Charitéplatz 1, Berlin, Germany
4 Experimental Pharmacology & Oncology (EPO), Robert-Roessle-Str. 10, Berlin, Germany

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 – 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 – 38 33
E-Mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de

Maren Müller
Pressestelle
Berliner Krebsgesellschaft e.V.
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Tel.: 030/ 280 41 – 955
Fax: 030/ 282 41 – 36
E-Mail: presse@berliner-krebsgesellschaft.de
http://www.berliner-krebsgesellschaft.de

Scroll to Top