Curriculum 4.0 – Auszeichnung für neues Lehrkonzept der Universitätsmedizin Mainz

Medizin im digitalen Zeitalter – Universitätsmedizin Mainz will angehende Ärzte fit machen

Die zunehmende Digitalisierung unserer Lebens- und Arbeitswelt verändert auch den Beruf des Arztes: Moderne Kommunikations- und Kooperationsformen verlangen neue Kompetenzen und Qualifikationen. Damit zukünftige Ärzte diesem digital-kompetenten Qualifikationsprofil entsprechen, hat die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein hochmodernes Curriculum entwickelt: „Medizin im digitalen Zeitalter“. Da es hervorragend dazu geeignet ist, den Studiengang Humanmedizin moderner auszurichten und weiterzuentwickeln, haben die Carl-Zeiss-Stiftung und der Stifterverband dieses curriculare Reformprojekt gestern ausgezeichnet und in das gemeinsame Förderprogramm Curriculum 4.0 aufgenommen. Die Förderung ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt und beinhaltet eine Fördersumme von rund 60.000 Euro. Knapp 150 Projekte hatten sich in diesem Jahr für die Förderung beworben, 12 waren mit ihrem Antrag erfolgreich.

Die Welt erlebt ihre vierte industrielle Revolution. Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zum größten Umbruch seit Jahrzehnten. Auch in der Medizin ist der beschleunigte technische Fortschritt in vielen Bereichen bemerkbar, denn in der medizinischen Praxis und Forschung kommen bereits diverse digitale Techniken zum Einsatz: Dazu zählen sowohl Daten- und Biobanken von Patienten, die mit Hilfe einer leistungsstarken Informationstechnologie ausgewertet werden können, als auch Bereiche wie E-Health oder mHealth (Mobile Health), also Smart-Systeme für elektronische Lösungen der Gesundheitsfürsorge auf mobilen Geräten. Durch Personalisierung, Robotik und Digitalisierung erschließen sich neue Wege in Diagnostik und Therapie. Die Telemedizin wird ein zunehmend wichtiger Lösungsweg, um auch zukünftig den hohen Versorgungsstandard aufrechterhalten und die Versorgung strukturschwacher Regionen gewährleisten zu können.

Patienten nutzen digitale Kommunikation beispielsweise, um sich beraten zu lassen, Erfahrungen auszutauschen und um soziale Unterstützung zu erfahren. Mediziner bedienen sich dieser Kommunikationswege, um Wissen und Informationen mit Kollegen interdisziplinär und interprofessionell auszutauschen, Spezialisten bei schwieriger Diagnosestellung zu kontaktieren oder eine Zweitmeinung zu erfragen.

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf freut sich über die Auszeichnung der Universitätsmedizin, die mit der Förderung verbunden ist. „Die Digitalisierung ist für die Landesregierung ein sehr wichtiges Thema. Ich begrüße das Engagement des Stifterverbands und der Carl-Zeiss-Stiftung, die mit ihrem Wettbewerb einen wichtigen Beitrag zum Ausbau moderner, digitaler Studienangebote leisten. Der Erfolg des Projekts ,Medizin im digitalen Zeitalter‘ ist ein Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit der Universitätsmedizin Mainz und die Innovationskraft der dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Gerade im Bereich der Medizin sind hervorragende digitale Kompetenzen wichtig, und das vom Stifterverband geförderte Projekt aus Mainz wird neue Erkenntnisse bringen, die weit über Rheinland-Pfalz hinaus zur Weiterentwicklung der Studienangebote in der Humanmedizin beitragen können“, so Minister Wolf.

„Für den Arztberuf wird die souveräne Nutzung digitaler Medien zunehmend unabdingbar. Daher ist eine gezielte und systematische Integration digitaler Kompetenzen in die Medizinerausbildung von großer Bedeutung. Wie diese Integration konkret ablaufen kann, das zeigt unser neues Curriculum ,Medizin im digitalen Zeitalter‘. Ich freue mich sehr, dass der Stifterverband von der nachhaltigen Qualität dieses neuen Lehrkonzepts überzeugt ist und es mit dem Curriculum 4.0-Preis ausgezeichnet hat“, erklärt der Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann. „Gleichzeitig bedanke ich mich bei dem interdisziplinären Projektteam unter Leitung von PD Dr. Sebastian Kuhn, das es geschafft hat, dieses exzellente curriculare Reformprojekt zu entwickeln und so zu konzeptionieren, dass es dem veränderten Qualifikationsprofil der angehenden Ärzte vollumfänglich Rechnung trägt.“

Projektleiter PD Dr. Sebastian Kuhn, Oberarzt und Lehrbeauftragter am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz, betont: „Der kompetente Umgang mit den neuen technologischen Möglichkeiten erfordert neben Wissen und Fertigkeiten auch eine Haltung. Dieser Kompetenzaufbau darf nicht zufällig als Nebenprodukt einer fachlichen Wissensvermittlung erwartet werden, sondern wird gezielt und systematisch in unserem Curriculum ,Medizin im digitalen Zeitalter‘ verankert sein.“

Didaktisch basiert das ausgezeichnete innovative Lehrkonzept auf einem longitudinalen Blended Learning-Curriculum, also einer Kombination aus eLearning- und Präsenzmodulen. Zudem wird ein Wahlpflichtkurs „Medizin im digitalen Zeitalter“ eingerichtet. Inhaltlich bilden Themen wie mHealth, Telemedizin und Möglichkeiten der digitalen Kommunikation die Schwerpunkte. Mittels innovativer Studien- und Lernformen wie beispielsweise problembasiertem kollaborativen Lernen oder Simulationstraining, entwickeln die Studierenden Fähigkeiten zur Kommunikation im digitalen Gesundheitswesen und für die digitale Arzt-Patienten-Beziehung, lernen den sicheren Einsatz von Social Media, den Transfer und die Befundung von telemedizinischen Bilddaten und mögliche Anwendungen von mHealth. Zudem bekommen sie die Prinzipien der Telekonsultation und deren Limitationen vermittelt und sie lernen das Potenzial und die Gefahren von Big Data sowie die Chancen und Risiken der Gesundheitskarte und kommerzieller Gesundheits-Apps kennen. Nicht zuletzt erhalten sie Einblicke in rechtliche, ethische und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen der digitalen Medizin.

Die Pilotierung des Wahlpflichtkurses wird für das Sommersemester 2017 angestrebt. Die Implementierung des longitudinalen Curriculums soll zum WS 2017/18 stattfinden. Langfristig ist zudem eine Implementierung während des Zahnmedizinstudiums und im Rahmen der beruflichen Weiterqualifizierung eine Ausdehnung einzelner Komponenten auf medizinische Fachberufe der Universitätsmedizin Mainz angedacht. Zudem könnten möglicherweise andere deutsche medizinische Fakultäten Teile oder das gesamte Mainzer Curriculum „Medizin im digitalen Zeitalter“ übernehmen.

Über die digitale Medizin:
Mit der Verabschiedung des E-Health-Gesetzes zur sicheren digitalen Kommunikation und Anwendung im Gesundheitswesen im Dezember 2015, ist der weitere Weg für die Einführung einer digitalen Infrastruktur und einer geschützten digitalen Arzt-Patienten-Kommunikation geebnet. Schwerpunkte sind hier: ein modernes Stammdatenmanagement, Aufnahme medizinischer Notfalldaten oder elektronische Arztbriefe. Bis Ende 2016 soll geprüft werden, inwieweit mobile Endgeräte dazu beitragen können, eine bessere Kommunikation im Gesundheitswesen zu etablieren, fehlende Kommunikation und Informationen zu ersetzen sowie individuelles Gesundheitsverhalten und Krankheitsmanagement bei chronischen Erkrankungen zu fördern.
Etwa 45 Prozent aller Deutschen nutzen ihre Smartphones für Fitness- oder Gesundheitsanwendungen, bei denen die Daten zentral durch kommerzielle Unternehmen verwaltet werden. Die Apps und Wearables bilden die Schnittstelle zwischen Freizeit- und Gesundheitsangeboten. Sie stellen derzeit den Wachstumsmotor im E-Health-Markt dar. Hierbei sind drei Ebenen gut abgrenzbar: die Konsumenten-Ebene (Apps), professionelle Ebene (z. B. Experten-Fernüberwachung) und Makro-Ebene (Big Data). Daraus erwachsen Chancen und Risiken sowohl für die Gesundheitsversorgung des Einzelnen, als auch für eine vernetzte, globale Anwendung. So lassen sich mittels dieser neuen Technologien beispielsweise Patienten zu wissenschaftlichen Studien rekrutieren, Präventionsprogramme durchführen und Patientengruppen einbeziehen, die auf anderen Wegen nur schwer zu erreichen sind.

Über das Förderprogramm 4.0
Die zunehmende Digitalisierung stellt Hochschulen vor große Herausforderungen: Studieninhalte, Lernformate und Lehrmethoden müssen weiterentwickelt und an die digitalen Anforderungen angepasst werden. Mit dem Förderprogramm „Curriculum 4.0″ unterstützen die Carl-Zeiss-Stiftung und der Stifterverband eine Fortentwicklung der Studiengänge und zeichnen curriculare Reformprojekte aus.
Der Stifterverband fördert im Rahmen des Programms deutschlandweit und fächerübergreifend. Die Carl-Zeiss-Stiftung wird im Rahmen des Programms curriculare Innovationen und Reformprojekte aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften in den Ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen fördern.

Weitere Informationen:
Bildunterschrift: v. li.: Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse, Direktor, Leibniz-Institut für Wissensmedien, Vorsitzender der Jury des Förderprogramms Curriculum 4.0; Dr. Anke Hollinderbäumer, MME, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Kim Lucia Deutsch, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz; PD Dr. med. Sebastian Kuhn, Oberarzt, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Theresia Bauer, MdL, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Vorsitzende der Stiftungsverwaltung, Carl-Zeiss-Stiftung; Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär, Stifterverband;
Bildnachweis: Peter Himsel/Stifterverband

Kontakt
Priv. Doz. Dr. med. Sebastian Kuhn
Koordinator TraumaNetzwerk Mainz-Rheinhessen am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz,
Tel.: 06131 / 17-2360, E-Mail: sebastian.kuhn@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Barbara Reinke, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Tel. 06131 / 17-7428, Fax 06131 / 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

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