COPD – Schulung von Patienten und medizinischem Fachpersonal verbessert Erfolg der COPD-Therapie

COPD-Therapie – Die Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen, zu denen Asthma und COPD zählen, kann nur dann erfolgreich sein, wenn die zur Verabreichung der geeigneten Medikamente verwendeten Geräte korrekt gehandhabt werden, was eine entsprechende Schulung erfordert. Ein Ignorieren dieser Notwendigkeit ist wohl einer der wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen, dass ein Großteil der Patienten trotz der Verfügbarkeit effizienter Medikamente und einer Vielzahl von Inhalationsgeräten eine unzureichende Kontrolle von Symptomen beklagt. In seinem im Primary Care Respiratory Journal im März veröffentlichten Artikel[1] beschreibt die Faktoren, die für die Wahl des für einen Patienten jeweils am besten geeigneten Inhalators von entscheidender Bedeutung sind. So ist zu beachten, dass die inhalierten Medikamente und die Inhalationsgeräte ohne weiteres verfügbar und erschwinglich sind, die Inhalatoren in dem Fall, dass verschiedene Medikamente inhaliert werden müssen, möglichst gleichartig sind, dass der Patient in der Lage ist, das Gerät korrekt zu gebrauchen und schließlich, welche Präferenzen der Patient äußert. Vincken erklärt, dass der verschreibende Arzt bei der Wahl der am besten geeigneten Kombination von Wirkstoff und Inhalator nicht nur diese Faktoren berücksichtigen muss, sondern neben einer regelmäßigen Kontrolle der Inhalationstechnik von Patienten auch für eine umfassende Unterweisung zum korrekten Gebrauch des Geräts sorgen sollte. Vincken ist Mitglied des ADMIT Teams[2], das sich für eine Verbesserung der Therapie von Asthma und COPD einsetzt, indem der Gebrauch der Geräte optimiert und sichergestellt wird, dass jeder Patient das für ihn jeweils am besten geeignete Gerät erhält. ADMIT hat Tools für die Anpassung der COPD-Therapie und die Schulung von Patienten und Ärzten entwickelt, die helfen können, bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen.

Wahl des Inhalationsgeräts
Die medikamentöse Therapie von COPD-Patienten zentriert sich im Grunde genommen rund um die Inhalationstherapie. Die Inhalationsgeräte lassen sich je nach der zum Dispergieren des Wirkstoffs verwendeten Methode in drei Kategorien unterteilen: elektrisch betriebene "Nass"-Vernebler, herkömmliche (mit oder ohne Spacer) oder atemzugbetätigte, mechanisch betriebene Inhalatoren (pMDIs) im Taschenformat, und Trockenpulver-Inhalatoren (DPIs). Die Geräte unterscheiden sich, was ihre Merkmale bezüglich des Wirkstofftransports sowie die Zuverlässigkeit, Konsistenz und Leichtigkeit bei der Handhabung betrifft, weshalb bei der Wahl des jeweils richtigen Geräts ein großer Spielraum zur Verfügung steht. Während es bei der Mehrzahl von Patienten relativ einfach ist, das für die Behandlung eingesetzte Medikament zu bestimmen, gestaltet sich die Wahl des für den jeweiligen COPD-Patienten geeigneten Inhalators komplizierter. Die vorrangigen Faktoren bei der Wahl des Inhalationsgeräts sollten die Wirksamkeit und Sicherheit bei der Handhabung des Geräts sein. Laut Vincken sollten jedoch auch weitere Faktoren berücksichtigt werden. Da unterschiedliche Medikamente in verschiedenen Inhalatortypen angeboten werden, sollte darauf geachtet werden, dass diese möglichst gleichartig sind. Die Verwendung mehrerer Inhalatortypen ist für Patienten verwirrend und erhöht die Gefahr eines fehlerhaften Gebrauchs. Werden verschiedene Medikamente mit demselben Gerät inhaliert, wird dies die Wahrscheinlichkeit einer korrekten Handhabung durch den Patienten erhöhen. Zur Behandlung in Akutsituationen wird die Kombination aus pMDI und Spacer oder ein Vernebler empfohlen, während zur chronischen Erhaltungstherapie pMDIs oder DPIs im Taschenformat die bevorzugte Lösung sein können.

Fortgeschrittenes Alter als kritischer Faktor bei der Handhabung von Inhalatoren
COPD ist eine Erkrankung, die bei Rauchern und Ex-Rauchern mittleren Alters in Erscheinung tritt und vorwiegend ältere Menschen betrifft. Zunehmendes Alter kann mit einer Beeinträchtigung der kognitiven und physischen Fähigkeiten von Patienten verbunden sein, was wiederum einen Einfluss auf ihre Fähigkeit zum korrekten Gebrauch von Inhalationsgeräten und die Aufrechterhaltung ihrer Inhalationstechnik hat. Laut Vincken werden sowohl pMDIs als auch DPIs häufig nicht korrekt gehandhabt, wobei dies sehr deutlich in Zusammenhang mit höherem Alter, geringerer Bildung und weniger Schulung durch medizinisches Fachpersonal steht. Im Vergleich zu jüngeren Patienten ist ein fehlerhafter Gebrauch von Inhalatoren bei Patienten über 60 Jahre doppelt so häufig anzutreffen und ist bei Patienten, die älter als 80 Jahre sind, viermal so hoch. Eine Schulung durch medizinisches Fachpersonal verringert die Fehlerquote insgesamt um mehr als die Hälfte. Ältere COPD-Patienten haben mehr Probleme mit der richtigen Koordination als dies bei gesunden Menschen oder jüngeren Patienten der Fall ist. Es hat den Anschein, dass ihnen mit einem DPI weniger Handhabungsfehler als mit einem pMDI unterlaufen, selbst wenn der pMDI in Kombination mit einem großen Spacer verwendet wird. Einer der Gründe hierfür ist darin zu finden, dass Patienten Schwierigkeiten haben, pMDI und Spacer zusammenzusetzen. Laut Vincken sollten daher höheres Alter und ein reduziertes Koordinationsvermögen bei der manuellen Handhabung des Inhalators bei der Wahl des richtigen Inhalationsgeräts berücksichtigt werden.

Bessere Behandlungsergebnisse durch Berücksichtigen von Patientenpräferenzen und Schulung im Gebrauch von Inhalatoren
Viele Patienten ziehen nur unvollständigen Nutzen aus ihrer inhalierten Medikation, weil sie ihre Inhalationsgeräte nicht regelmäßig oder nicht korrekt gebrauchen. Ohne regelmäßiges Training kann sich die Inhalationstechnik nach und nach verschlechtern. Laut Vincken werden Patienten einen Inhalator wahrscheinlich nur dann korrekt und regelmäßig gebrauchen, wenn sie sich wohl mit ihm fühlen, wissen, wie er korrekt zu handhaben ist und so lernen, Vertrauen in das Gerät zu entwickeln, selbst wenn ihre eigene respiratorische Kapazität und ihr Geschick bei der Handhabung eingeschränkt sind. Faktoren, die von Patienten als besonders wichtig bewertet wurden, waren ein schneller und leichter Gebrauch und das Vorhandensein eines Dosiszählers. Vincken ist der Meinung, dass eine wirksame und sichere Verabreichung der Wirkstoffe die Therapietreue von Patienten verbessern kann. Patienten mit einem Gerät auszustatten, das nach ihrer Meinung problemlos korrekt gehandhabt werden kann, ist ebenso wichtig wie das Medikament selbst. Daher sollte laut Vincken der Patient in die Wahl des Inhalationsgeräts einbezogen werden.

Faktoren, die die Wahl des Inhalationsgeräts beeinflussen

  • Wirksamkeit und Sicherheit
  • Verfügbarkeit von Gerät und Medikament
  • Klinisches Setting
  • Alter des Patienten
  • Fähigkeit zur Handhabung des gewählten Geräts
  • Fähigkeit zur Handhabung des Geräts bei mehreren Medikationen
  • Kosten und Erstattungsfähigkeit
  • Zeit der Verabreichung des Medikaments
  • Problemlose Handhabung sowohl bei ambulantem als auch stationärem Setting
  • Präferenzen des Patienten

Die erste Aufgabe des Arztes bei der Behandlung von COPD besteht in der sorgfältigen Wahl der für den Patienten zweckmäßigsten Kombination aus Wirkstoff und Inhalator. Sie ist aber auch mit der ständigen Aufgabe und Verpflichtung des Arztes verbunden, sich regelmäßig davon zu überzeugen, dass der Patient weiß, wie das Gerät zum Erzielen eines größtmöglichen Nutzens zu handhaben ist, und dieses Wissen regelmäßig zu überprüfen. Viele Ärzte sind jedoch nicht mit dem korrekten Gebrauch aller angebotenen Geräte vertraut oder sie wissen nicht, wie sie das richtige Gerät finden können, das den vorhandenen Fähigkeiten eines Patienten am besten entspricht. Daher sind detaillierte Anleitungen zur Handhabung der Geräte nicht nur für die Patienten, sondern auch für ihre medizinischen Betreuer zweckmäßig.

ADMIT: Neues webbasiertes Service- und Schulungsmaterial
Obwohl bekannt ist, wie wichtig die Wahl des Inhalators und die Schulung von Patienten bei der Therapie von COPD sind, wird diesen Kriterien in den offiziellen COPD Behandlungsleitlinien nur wenig Beachtung geschenkt. Die internationalen Experten von ADMIT haben daher verschiedene Tools und Service-Materialien entwickelt, die bei der Wahl des Inhalators und der Schulung von Patienten helfen und das Therapieergebnis verbessern können. Der aus drei Teilen bestehende COPD-Therapieplan umfasst die wichtigsten Grundsätze, auf denen die evidenzbasierte Behandlung von stabiler COPD fußt. Ärzte können sich schnell und problemlos eine Übersicht über die Anforderungen für die Behandlung von COPD verschaffen, die mit der Diagnosestellung beginnt, auf die in der weiteren Betreuung eine Optimierung der Therapie folgt. Es sind alle Aspekte enthalten – von Checklisten zur Beurteilung der Erkrankung und Empfehlungen zur Reduzierung von Risikofaktoren bis hin zur Wahl des richtigen Inhalators und zur Durchführung fortlaufender Kontrollen, beispielsweise was Fragen der Compliance und der korrekten Inhalationstechnik betrifft. Weitere Informationen zur Anpassung der COPD-Therapie finden Sie auf der ADMIT-Webseite.

Link-Tipp
www.admit-online.info Therapieschema

Der interaktive Online-Kurs zu den Aspekten der Schulung von COPD-Patienten, der von Prof. Lorenzo Corbetta als Mitglied des ADMIT-Teams entwickelt wurde, enthält Vorschläge zur Strukturierung eines umfassenden Beratungsgesprächs zwischen Arzt und Patient. Das webbasierte Video ist in verschiedene Abschnitte unterteilt: Differentialdiagnose, Bestimmung des Schweregrads, Eliminierung von Risikofaktoren, auf dem Schweregrad basierende Therapie sowie wichtige Überlegungen zur Wahl des Inhalators. Ärzte haben die Möglichkeit, ihr Wissen durch Beantworten von Multiple-choice-Fragen zu testen und erhalten direkte Rückmeldungen und Erläuterungen zum richtigen Vorgehen. Ebenso werden im Video die Vor- und Nachteile der gebräuchlichsten Inhalationsgeräte verglichen und ihr korrekter Gebrauch wird aufgezeigt. Der COPD-Flash ist als Referenzquelle zu Präsentationszwecken während Beratungsgesprächen gedacht und kann als Grundlage für das Gespräch zwischen Arzt und Patient herangezogen werden.
Link-Tipp
(www.admit-online.info Videos

Dank der in der ADMIT-Internetplattform integrierten Datenbank (merkmalbasierte Produktsuche) kann der Arzt verschiedene Suchkriterien eingeben, die bei der Wahl des am besten geeigneten Inhalationsgeräts für einen bestimmten Patienten helfen. Die Suchkriterien beinhalten wichtige Geräteeigenschaften wie hohe Depositionsrate des aktiven Wirkstoffs in den Lungen, präzise und konstante Dosisregulierung und Unabhängigkeit vom inspiratorischen Atemstrom, aber auch am Patienten ausgerichtete Kriterien wie Anwenderfreundlichkeit oder die Bereitstellung einer Rückmeldung an den Patienten, mit der die Einnahme der korrekten Dosis bestätigt wird.

Zur Person von Walter G. Vincken
Walter G. Vincken ist Professor für Physiologie und Pathophysiologie des Respirationstraktes und für Lungenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Brüssel. Er ist Mitglied von ADMIT, einem Zusammenschluss europäischer Fachmediziner mit Erfahrung in der Inhalationstherapie. ADMIT überprüft veröffentlichte Fakten und Untersuchungsergebnisse, um Möglichkeiten zur Verbesserung der Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen in Europa zu erarbeiten. Vincken ist der Überzeugung, dass neben den inhalierten Wirkstoffen der Nutzen aus einer Inhalationstherapie und deren Erfolg bei Asthma- und COPD-Patienten im gleichen Maß von dem gewählten Inhalationsgerät und dessen korrekten Gebrauch abhängt. Zusammen mit dem ADMIT-Team strebt er an, bei Patienten, Ärzten und deren Ausbildern ein größeres Interesse für diesen recht vernachlässigten Aspekt bei der Behandlung von Asthma und COPD zu wecken. (07/2010 ADMIT)

  1. Vincken et al. on behalf of ADMIT, Primary Care Respiratory Journal (2010); 19(1): 10-20
  2. European Aerosol Drug Management Improvement Team
  3. Dolovich et al. Chest 2005; 127:335-71.

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    Graham Kenneth Crompton
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    Fax: 1031 466 2716
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