Community Medicine der Universität Greifswald berät Irak beim Aufbau eines Krebsregisters in Basrah

Bereits seit 2005 besteht eine Entwicklungspartnerschaft zwischen den Universitäten Greifswald und Basrah (Irak) im Bereich der Umweltepidemiologie und Versorgungsforschung. 2010 wurde zwischen beiden Universitäten ein formaler Kooperationsvertrag geschlossen.

Die Stadt Basrah ist vom Iran-Irak-Krieg und den beiden Golfkriegen stark betroffen. Zerstörungen von Ölraffinerien und Industrieanlagen in der Umgebung der Stadt sowie der Einsatz von uranhaltiger Munition gefährden die Gesundheit der Bevölkerung. Ein Anstieg der Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern und Erwachsenen wird vermutet, konnte aber bisher nicht wissenschaftlich überzeugend untersucht werden. Erste Aufgabe der Entwicklungspartnerschaft war deshalb der Aufbau eines klinischen Krebsregisters, in dem alle neu auftretenden Erkrankungsfälle in der Region Basrah dokumentiert werden.

Im April dieses Jahres folgten die Epidemiologen Prof. Wolfgang Hoffmann (Universitätsmedizin Greifswald) und Prof. Eberhard Greiser (Firma EpiConsult Bremen) der Einladung der irakischen Kollegen zu einem Vor-Ort-Besuch in Basrah. „Durch die Gespräche mit Kollegen und Vertretern der Gesundheitspolitik vor Ort“, so Prof. Hoffmann nach der Rückkehr, „konnten wir die methodische Beratung und Qualifizierung unserer irakischen Partner intensivieren und dadurch am weiteren Ausbau des Krebsregisters und bei der Durchführung umweltepidemiologischer Studien mitwirken. Durch den Besuch haben wir einen Einblick in die Situation vor Ort erhalten. Die Region ist nach wie vor durch die Folgen der Kriege und des Wirtschaftsembargos gezeichnet.“
Die beiden Professoren besichtigten mehrere onkologische Kliniken, die epidemiologische Forschungsabteilung der Universität Basrah und das klinische Krebsregister. Dessen Aufbauphase ist erfolgreich abgeschlossen. Im Zentrum steht jetzt die weitere Verbesserung der Vollständigkeit und der Datenqualität der Meldungen. „Der Besuch hat uns erneut verdeutlicht, wie wichtig es ist, die irakischen Partner dabei zu unterstützen, wieder Anschluss an den internationalen Stand der Wissenschaft zu finden. Die Forschung vor Ort wird umweltbedingte Risikofaktoren für Erkrankungen identifizieren und die Basis für spezifische Präventionsmaßnahmen bilden“, resümiert Prof. Hoffmann, der überzeugt ist, dass sich auch die Sicherheitslage im Land weiter verbessern wird.
Noch für diesen Herbst ist eine Summer School in der Türkei geplant, eines der wenigen Länder, in das die irakischen Kollegen derzeit ohne Probleme einreisen dürfen. „Zu dieser Qualifizierung werden erstmals 18 Nachwuchswissenschaftler aus der Universität Basrah erwartet“, freut sich Hoffmann, „mit unserem Engagement für die Ausbildung der jungen Kollegen möchten wir die Rolle der Wissenschaft beim Wiederaufbau des Iraks nachhaltig unterstützen.“

Seit 2005 unterstützen Greifswalder Wissenschaftler ihre Kollegen im Irak. Ziel der Zusammenarbeit ist die Qualifizierung von Wissenschaftlern und Ärzten der Universität Basrah in epidemiologischen Methoden und Community Medicine. Dazu werden von Wissenschaftlern des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald gemeinsam mit weiteren deutschen, amerikanischen und japanischen Partnern sowie mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) u. a. Expertenseminare für erfahrene irakische Wissenschaftler und Summer Schools für Nachwuchskräfte aus Basrah organisiert.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann, MPH
Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine
Ellernholzstr. 1/2, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86–7750
Telefax 03834 86–7752
wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de

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