Chronische Gefäßentzündungen besser verstehen

Lipodystrophie, Schmerzstörung, Herzerkrankungen, Hämophilie A

Chronische Entzündungen (Chronische Gefäßentzündungen) in den Arterienwänden markieren den Beginn der weit verbreiteten Gefäßerkrankung Atherosklerose. Mit seinem Projekt zur Erforschung der Mechanismen, die schließlich zur irreversiblen Gefäßveränderung führen, setzte sich Dr. Ingo Staudacher, Assistenzarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg, im Wettbewerb um die Forschungsförderung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. für Nachwuchswissenschaftler durch. Die Fördersumme beträgt 49.000 Euro für den Zeitraum von einem Jahr. Ab Januar 2017 wird er untersuchen, welche molekularen Prozesse in Gefäßwand und herbeigelockten Immunzellen schließlich die Bildung der gefährlichen Ablagerungen in den Arterien verursachen. „Die Interaktion zwischen Immunzellen, die sich in der Gefäßwand sammeln, und der Gefäßwand selbst spielt vermutlich eine wesentliche Rolle bei der Chronifizierung der Gefäßerkrankung“, so Staudacher. „Ein besseres Verständnis dieser Wechselwirkung könnte einen Ansatzpunkt für neue Therapien liefern.“

Chronische Gefäßentzündungen auf dem Vormarsch

Gefäßerkrankungen sind auf dem Vormarsch. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Menschen immer älter werden. Probleme mit den Gefäßen können vererbt sein; bei den meisten Betroffen sind sie allerdings eine Folge des Lebensstils. Risikofaktoren sind z.B. Rauchen, unbehandelter Bluthochdruck, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Sind die Gefäße erst einmal verkalkt, durch Ablagerungen verengt und krankhaft verändert (Atherosklerose), folgen im Laufe der Jahre häufig schmerzhafte Durchblutungsstörungen in den Beinen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Atherosklerose ist derzeit nicht heilbar. Es lässt sich lediglich ihr weiteres Fortschreiten durch Umstellung der Ernährung, Bewegung und Einstellung der Blutfette verlangsamen. Darüber hinaus können Kardiologen und Angiologen einzelne Engstellen oder Verschlüsse im Zuge eines Kathetereingriffs aufdehnen und mit einem Stent versorgen, um dadurch die Durchblutung zu verbessern und die Beschwerden des Patienten zu beseitigen.

Entwicklung der chronischen Entzündungsreaktion in der Gefäßwand

Chronische Gefäßentzündungen. Mit der Ablagerung von schädlichen Blutfetten (z.B. oxidiertes LDL-Cholesterin) entwickelt sich als Immunantwort eine chronische Entzündungsreaktion. Neben dem Nachweis von inflammatorischen Zellen in der inneren Schicht der Gefäßwand scheint es auch zur Ansammlung verschiedener Immunzellen in der äußeren Arterienwand, die sog. Lamina adventitia, zu kommen. Diese Akkumulation von Zellen ähnelt im Aufbau und Struktur den Lymphknoten des restlichen Körpers und werden als tertiäre lymphoide Organe definiert. „Was dann passiert, weiß man noch nicht. Vermutlich reagieren diese Immunzellen auf Schäden in den Gefäßwänden und regen die Bildung von Ablagerungen in den Arterien an. Im Rahmen des geförderten Projekts werde ich die Aktivität der Zellen in diesen Ansammlungen genauer untersuchen“, sagt Dr. Staudacher, der in der Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Christian Erbel aus der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie forscht.

Durch die Vergabe dieses Forschungsstipendiums fördert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Kardiologie und den kardiovaskulären Grundlagenfächern. Ziel ist es, jungen Wissenschaftlern einen Einstieg in kompetitive Forschungsbereiche und die Vorarbeiten für die Einwerbung weiterer Fördermittel zu ermöglichen.

Kontakt:
Dr. med. Ingo Staudacher
Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus)
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 56-8676
E-Mail: ingo.staudacher@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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