Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL) – Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist eine maligne Erkrankung des lymphatischen Organsystems und damit eine Unterform der Non-Hodgkin-Lymphome. Im Gegensatz zu den meisten Non-Hodgkin-Lymphomen verläuft die CLL immer leukämisch, das heißt, die entarteten Lymphomzellen finden sich nicht nur in den lymphatischen Organen (Lymphknoten, Milz, Knochenmark), sondern lassen sich regelmäßig auch im Blut nachweisen.
Die CLL ist die häufigste Leukämie in der westlichen Welt mit einem jährlichen Neuauftreten von 4 pro 100.000 Einwohnern. Bei 25 bis 30 % aller Leukämien bei Erwachsenen liegt eine CLL vor. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu und erreicht zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr einen Gipfel; Männer haben ein höheres Risiko als Frauen.

Diese Erkrankung entwickelt sich aus lymphatischen Zellen der B-Zellreihe (B-CLL). Die Vorstufen der B-Lymphozyten zeigen dabei aus unbekannten Gründen eine abnorme Ver-mehrung und reichern sich in Blut, Knochenmark, Lymphknoten, Milz und Leber an. Um das individuelle Krankheitsstadium eines Betroffenen festzulegen, erfolgt eine Stadieneinteilung der CLL entweder nach den Kriterien der Binet- oder der Rai-Klassifikation. Beide Klassifikationssysteme berücksichtigen die Lymphozytenzahl im Blut, die Anzahl betroffener Lymphknotenregionen, eine etwaige Milz- oder Lebervergrößerung sowie eine eventuell vorliegende Anämie oder Thrombopenie. Wenn keine Anämie oder Thrombopenie besteht und nur die Lymphknoten, Milz oder Leber vergrößert sind, so wird von einem Binet-Stadium A oder B bzw. Rai-Stadium I oder II gesprochen. Ein Binet-Stadium C bzw. Rai-Stadium III oder IV liegt immer dann vor, wenn eine Anämie oder eine Thrombopenie besteht. Die Verwendung des Binet-Stadiums ist in Europa üblicher.

Zunächst sind die meisten CLL-Patienten asymptomatisch, und die Erkrankung wird in der Regel durch eine routinemäßige Blutuntersuchung erkannt. Die Diagnose wird bei erhöhter Lymphozytenzahl durch den Nachweis charakteristischer Oberflächenantigene auf den leu-kämischen Zellen gestellt. Die (B-)CLL gilt als gesichert, wenn eine Lymphozytose von über 5000/µl vorliegt und die Lymphozyten morphologische Reifezeichen und immunphänotypisch das typische Oberflächenmarkerprofil aufweisen. Für Stadieneinteilung, Prognoseabschätzung und Verlaufsuntersuchungen sind neben verschiedenen Blutwerten die körperliche Untersuchung mit exakter Erhebung des Lymphknotenstatus, eine Abdomensonographie und eine Röntgen-Thoraxuntersuchung obligat. Der natürliche Krankheitsverlauf kann anhand des Krankheitsstadiums grob eingeschätzt werden: Bei Vorliegen eines fortgeschrittenen Stadiums ist die durchschnittliche Überlebenszeit deutlich verkürzt, wenn keine Therapie begonnen wird. So beträgt die Prognose bei Patienten mit einem Binet-Stadium A oft mehr als 10 Jahre, im Binet-Stadium C ist die Lebenserwartung dagegen auf 2 bis 3 Jahre verkürzt.

In den letzten Jahren wurden eine Reihe von Risikofaktoren ermittelt, die die Identifizierung von Patienten erlauben, bei denen trotz Vorliegen eines frühen Stadiums ein rascheres Fort-schreiten der CLL wahrscheinlich ist. Ein ungünstiger Krankheitsverlauf ist beispielsweise dann zu erwarten, wenn die Verdopplungszeit der Lymphozyten unter 12 Monaten liegt, eine chromosomale 11q- oder 17p-Deletion vorliegt oder die IgVH-Genregion keine somatischen Hypermutationen aufweist.

Die CLL ist bisher im Allgemeinen nicht heilbar; Ausnahme sind junge (d.h. unter 65-jährige) Patienten, die für eine allogene Knochenmarktransplantation in Frage kommen und dadurch eine Chance auf dauerhafte Heilung haben. Die chirurgische Operation und die Strahlenthe-rapie haben bei der Behandlung der CLL keinen nennenswerten Stellenwert. Die Therapie der CLL erfolgt immer medikamentös, z.B. durch eine Chemotherapie und/oder durch eine Immuntherapie. Eine Therapie wird in der Regel erst begonnen, wenn der Patient unter Symptomen leidet.

Die Therapieschemata in der CLL konnten durch verschiedene Studien – insbesondere der Deutschen CLL Studiengruppe (DCLLSG) – entscheidend verbessert werden, wobei sich das bifunktionelle Alkylanz Bendamustin sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Rituximab als hoch effektiv und gut verträglich erwiesen hat. Der Einsatz von Bendamustin erfolgt in der Primärtherapie als auch bei rezidivierter/refraktärer CLL. Ebenso bietet die Monotherapie mit Bendamustin bei älteren, komorbiden Patienten gegenüber dem bisher üblichen Chlorambucil erhebliche Vorteile in Hinblick auf Effektivität und Verträglichkeit. Laut vorliegender Daten könnte die Kombination Bendamustin – Rituximab (B-R) eine Alternative zu der Kombination aus Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FC-R) in der Primärtherapie der CLL sein. Dieses hohe Potenzial der B-R-Kombination wird in Studien momentan überprüft. (mundipharma 02/2010)

Lesen Sie außerdem in MEDIZIN ASPEKTE

Scroll to Top