Christoph Nikendei erhält Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente medizinische Lehre

Seit 2001 engagiert sich Privatdozent Dr. med. Christoph Nikendei, Master of Medical Education (MME), im Rahmen des Heidelberger Modellstudiengangs „HeiCuMed“ in der Lehre. Nun ist der Leitende Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik Heidelberg mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis Medizin ausgezeichnet worden. Er initiierte und betreut u.a. verschiedene Tutorenprogramme beispielsweise zum Training klinisch-praktischer Fertigkeiten, zur Stressbewältigung oder speziell für ausländische Studierende und leitet aktuell das Projekt „Heidelberg Klinische Standards“. Die daraus hervorgegangenen Nachschlagewerke zu Standarduntersuchungen und -prozeduren im klinischen Alltag, ursprünglich von Studierenden und einem interdisziplinären Team ins Leben gerufen, werden inzwischen an medizinischen Fakultäten deutschlandweit zur Vorbereitung auf Prüfung und Praxis genutzt. Besonders wichtig ist ihm die Verknüpfung qualifizierter Lehre mit hochwertiger Ausbildungsforschung. Nikendei teilt sich den mit 30.000 Euro dotierten Preis zu gleichen Teilen mit Dr. Thomas Rotthoff vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Der Ars legendi-Fakultätenpreis wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Medizinischen Fakultätentag MFT für herausragende und innovative Leistungen in der medizinischen Lehre verliehen.

Das Rad neu erfunden habe er zwar nicht, so der Preisträger aus Heidelberg, HeiCuMed basiere bereits auf den vielen innovativen Ideen eines gut eingespielten Teams. „Aber es ist wichtig, kontinuierlich zu prüfen, was man noch verbessern kann, wo Bedarf an neuen Konzepten besteht, und das dann anzugehen.“ Das überzeugte die Jury: Christoph Nikendei führe Etabliertes auf äußerst innovative Weise fort und zeige seit langem kontinuierlich ein beeindruckendes, vielfältiges Engagement als Hochschullehrer, Innovator, Lehr-Lernforscher und Curriculums-Entwickler, begründet Heyo K. Kroemer, Präsident des MFT, die Entscheidung. Die beiden Preisträger erhalten ihre Auszeichnung im Rahmen der festlichen Abendveranstaltung auf dem 77. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag am 26. Mai 2016 in Würzburg.

Nikendei möchte die Auszeichnung vor allem auch als Würdigung seiner wissenschaftlichen und konsequenten Qualitätsprüfung von neu implementierten Lehrinnovationen verstehen: „Ich sehe es als absolut zwingend an, dass wir unsere Modelle und Lehrformate nicht nur einer Machbarkeits- , sondern auch Wirksamkeitsprüfungen unterziehen“, sagt er. „Allerdings bestehen im Vergleich zur bio-medizinischen Forschung nach wie vor erhebliche Defizite in der Finanzierung und Förderung von Lehrforschungsprojekten. Umso bedeutsamer sind Auszeichnungen wie der Ars legendi Preis.“ Das Preisgeld will Nikendei in vollem Umfang der medizinischen Lehrforschung zur Verfügung stellen.

Tutoren vermitteln Methoden gegen Stress und helfen bei Verständigungsschwierigkeiten

Besonders am Herzen liegt Nikendei das tutorengeleitete Lernen im Medizinstudium, bei dem weiter fortgeschrittene Studenten andere Studierende unterrichten. Denn davon profitieren beide Seiten, die Studierenden ebenso wie die speziell geschulten Tutoren. Entsprechende Lehrangebote gibt es schon länger in den präklinischen Fächern, im Skills Lab, in dem die Studierenden klinisch-praktische Fertigkeiten lernen, oder in Form von Reanimations-Workshops. Neu und von Christoph Nikendei entwickelt ist ein Tutorium zur Stressprävention und -bewältigung während des Medizinstudiums. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Ethik in der Medizin entstand auch ein Tutorium speziell für ausländische Studenten. Diese brauchen meist länger für ihren Abschluss und schneiden in Prüfungen schlechter ab, wie Nikendei in einer wissenschaftlichen Auswertung zeigen konnte. Andere internationale Studierende helfen als Tutoren bei typischen Problemen und bei der Prüfungsvorbereitung, damit gute Leistungen nicht an Verständigungsschwierigkeiten scheitern. Der Nutzen dieser Tutorien wird, wie von Nikendei grundsätzlich bei neuen Lehrangeboten gehandhabt, wissenschaftlich evaluiert.

Erstes Kompendium relevanter Untersuchungstechniken und Prozeduren

Verunsicherungen bei angehenden Ärzten soll das von Nikendei zusammen mit seiner chirurgischen Kollegin Anna-Katharina Stadler geleitete Projekt „Heidelberger Klinische Standards“ abbauen, das zusammen mit Professor Dr. Martina Kadmon (jetzt Universität Oldenburg) entwickelt wurde. Ziel ist es, fächerübergreifende Standards zunächst für körperliche Untersuchungstechniken oder grundlegende Prozeduren zu entwickeln, die in jeder medizinischen Fachdisziplin relevant sind. „Blutabnehmen beispielsweise wird überall gebraucht, aber in x Varianten durchgeführt. Ein definiertes Standardvorgehen gibt den Studierenden Sicherheit, sowohl für die Prüfung als auch bei ihren ersten Begegnungen mit Patienten“, so Nikendei. In den bereits erschienenen Nachschlagewerken „Heidelberger Standarduntersuchung“ und „Heidelberger Standardprozeduren“ finden sich unter den jeweiligen Stichworten neben einer genauen Schritt-für-Schritt-Anleitung viele nützliche Informationen und Tipps z.B. zur Patientenaufklärung oder zum sterilen Arbeiten. Ergänzend gibt es passende Lehrfilme im Internet. Für die Ausarbeitung der fakultätsweit gültigen Standards war eine aufwändige Abstimmung mit Vertretern der unterschiedlichen Disziplinen nötig. Die Leitfäden stießen auch an anderen deutschen Universitäten auf großes Interesse: Mehr als 60.000 Exemplare wurden bisher verteilt. Das nächste Werk ist bereits in Arbeit und wird sich komplexen Prozeduren wie der Geburtseinleitung oder auch operativen Eingriffen widmen.

Ein weiteres „Lieblingsprojekt“ des engagierten Dozenten ist ein Supervisorenprogramm für Ärzte im Praktischen Jahr, die erstmals auf Station selbstständig Patienten betreuen. „Die diensthabenden Ärzte haben heute kaum noch Zeit, die Studierenden im Praktischen Jahr begleitend an die Hand zu nehmen. Wir stellen ihnen daher ärztliche Supervisoren zur Seite, die speziell geschult wurden und für diese Aufgabe freigestellt sind“, sagt Nikendei. Die Ärzte beobachten und geben Feedback, Visiten werden gefilmt und anschließend gemeinsam besprochen – ein deutschlandweit einmaliger Ansatz mit Vorbildcharakter. Eine Studie zeigte bereits, dass die angehenden Ärzte dank der direkten Supervision am Krankenbett der Visitensituation besser gewachsen sind.

Kontakt:
Privatdozent Dr. med. Christoph Nikendei, MME
Ärztliche Leitung Interdisziplinäres Longitudinales Skills-Lab Curriculum
Leitender Oberarzt und ständiger Vertreter des Ärztlichen Direktors
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel: 06221 56- 5876
E-Mail: christoph.nikendei@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

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