Chirurgen warnen: Kommerzialisierung gefährdet Patientenversorgung

"Die vorhandenen knappen Ressourcen müssen wir sinnvoll, das heißt ökonomisch einsetzen. Die Medizin wird jedoch durch falsch gesetzte finanzielle Anreize kommerzialisiert", meint Kongresspräsident Professor Gradinger. Dadurch könnten medizinethische Grundsätze aus dem Blickfeld von Ärzten verschwinden. Eigentlich sollte der Arzt seine Kenntnisse und Erfahrungen stets zum Wohl der Patienten einsetzen. Aber immer häufiger beeinflussen kaufmännische Abwägungen die medizinischen Entscheidungen.

Beschleunigt wird dieser seit Jahren andauernde Trend noch durch aktuelle politische Neuerungen wie die im Zuge der Gesundheitsreform eingeführten Fallpauschalen. Bei vielen Patienten deckt der für eine bestimmte Diagnose festgelegte Einheitssatz nicht die Kosten für die optimale Behandlung. Die Folge: Viel zu häufig wird die Entscheidung über Diagnose- oder Therapieverfahren auf Grundlage der Vergütungszahlen entschieden.

Einen weiteren Auswuchs des finanziellen Drucks auf Mediziner enthüllten im vorigen Sommer Berichte, denen zufolge manche Krankenhäuser niedergelassene Ärzte für Zuweisungen von Patienten bezahlen. Diese Kliniken wollen angesichts des steigenden Kostendrucks ihre Auslastung und Wirtschaftlichkeit optimieren. "Solche Zuweiserprämien widersprechen der ärztlichen Ethik", betont Professor Gradinger. "Grundsätzlich muss im Zentrum des medizinischen Denkens die optimale Versorgung des Patienten stehen und nicht der finanzielle Erlös." Experten informieren im Rahmen des Chirurgenkongresses über intelligente und innovative Lösungen für Krankenhäuser trotz knapper finanzieller Mittel. Unternehmens- und Politikberater Prof. Dr. h.c. Roland Berger referiert im Festvortrag zum Abschluss des Kongresses über "Politik und Gesundheit – ein Kostenproblem oder eine wirtschaftliche und menschliche Chance".

Folgen und Ausmaß der Kommerzialisierung und erschwerte Arbeitsbedingungen für Ärzte und das Pflegepersonal stehen zu Beginn des Kongresses im Mittelpunkt: Experten informieren auf der DGCH-Pressekonferenz am 20. April 2010, warum dadurch die Versorgung von Patienten gefährdet ist.

Terminhinweise:

DGCH-Pressekonferenz
Kommerzialisierung in der Medizin
Dienstag, 20. April 2010, 11.00 bis 12.00 Uhr, Ort: Raum 42, ICC Berlin

DGCH-Vortragveranstaltung
Korruptionsfallen
Dienstag, 20. April 2010, 10.00 bis 11.30 Uhr, Ort: Dachgartenfoyer, ICC Berlin

DGCH-Vortragveranstaltung
Erfolgreiche Beschaffung braucht Sachverstand:
Kaufmann UND Chirurg als Entscheider
Dienstag, 20. April 2010, 12.30 bis 14.00 Uhr, Ort: Dachgartenfoyer, ICC Berlin

Abschlussveranstaltung
Freitag, 23. April 2010, ab 17.45 Uhr, Saal 3, ICC Berlin

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Pressestelle
Beate Schweizer
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-295, Telefax: 0711 8931-167
E-Mail: Schweizer@medizinkommunikation.org
<www.chirurgie2010.de>
(idw, 04/2010)

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