Chest Pain Unit am Universitätsklinikum Ulm nimmt Arbeit auf

„Die Vorteile liegen auf der Hand", führt er weiter aus. „Patienten mit Brustschmerzen werden ohne Umweg in die Chest Pain Unit gebracht. Die daraus resultierende Schnelligkeit in der Diagnostik in Kombination mit sofort möglichen Therapiemaßnahmen kann in schweren Fällen, z. B. bei akuten Herzinfarkten, Schlimmeres verhindern. Andererseits werden Patienten ohne erkennbares Risiko schneller von ihren Sorgen befreit und können rascher nach Hause entlassen werden.“

Brustschmerzen. Schon dieses hinsichtlich seiner Aussagekraft diffuse Wort lässt erahnen, dass es viele Ursachen für eine derartige Symptomatik geben kann. Häufig sind lebensbedrohliche Erkrankungen wie Lungenembolie, verengte Herzkranzgefäße, Lungenentzündung oder Herzinfarkt die Ursache. Deshalb ist eine umgehende und medizinisch kompetente Abklärung in jedem Fall wichtig, nur so können mögliche schwerwiegende Folgen für die Patienten minimiert werden.
„Unsere neue Chest Pain Unit ist rund um die Uhr mit spezialisiertem ärztlichem und pflegerischem Fachpersonal besetzt. Wir verfügen nun über eine räumliche und technische Ausstattung, die in ein umfassendes Konzept für kardiologische und kardiovaskuläre Notfälle eingebunden ist“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Leiter der Chest Pain Unit der Klinik für Innere Medizin II.

Die räumliche Nähe der Chest Pain Unit zur Notfallaufnahme ist kein Zufall, schließlich sollte sich für Krankentransportdienste und einweisende Notärzte hinsichtlich Anfahrtsweg nichts ändern. Verzögerungen sind so im Sinne der Patienten ausgeschlossen. „Notärzte und andere Zuweiser können über eine eigens eingerichtete Telefonnummer (0731 500-44445) ihre Patienten direkt in der Chest Pain Unit anmelden“, informiert Prof. Wöhrle. „Im Idealfall wird der Patient sofort losgeschickt, erst dann werden wir angerufen und entsprechend informiert – so geht keine Zeit verloren.“

Die Ursache für akute Brustschmerzen ist häufig ein akuter Herzinfarkt. In einem solchen Fall ist eine unmittelbare Einweisung in die Chest Pain Unit erforderlich. Die Einweisung kann hierbei über den Hausarzt, Notarzt, andere Kliniken oder durch den Patienten selbst erfolgen. Ganz wesentlich ist ein rasches Handeln, da die Zeit entscheidend ist. Vor Ort werden dann die Brustschmerzen mittels Elektrokardiogramm, Echokardiographie, Bestimmung von Blutwerten und gegebenenfalls Herzkatheteruntersuchung abgeklärt. Rund um die Uhr stehen apparative Möglichkeiten zur Unterstützung der Herzleistung und Atmung zur Verfügung – auch eine herzchirurgische Therapie ist schnell leistbar.
„Gerade die Versorgung von Herzpatienten erfordert ein rasches und kompetentes Handeln mit allen Möglichkeiten der Herz-Kreislauf-Unterstützung und Therapie, wie Sie im Universitätsklinikum unter Einbindung aller Fachdisziplinen gewährleistet ist“, unterstreicht Prof. Wöhrle.
Prof. Rottbauer und Prof. Wöhrle setzen für die Zukunft auf einen weiteren Ausbau von Netzwerkstrukturen in der Region. Ihr Fazit: „Patienten können jederzeit vorgestellt werden, wir bieten 24 Stunden am Tag fachärztliche Ansprechpartner, die eine schnelle und qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie bei Notfällen sicher stellen.“
Die beiden Mediziner schätzen, dass zukünftig pro Jahr etwa 5.000 Patienten in die Chest Pain Unit aufgenommen werden – das ist etwa die Hälfte aller Patienten, die als Notfälle deklariert werden.

Für Rückfragen steht Ihnen Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 gerne zur Verfügung.
(idw, 07/2010)

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