Chemotherapie bei Darmkrebs – Zentralvenöser Port nicht nur bei Kolonkarzinom Stadium III endlich vermeidbar

Kolonkarzinom – „Mit der Zulassung von Capecitabin für die Therapie des fortgeschrittenen Kolonkarzinoms im Stadium III ist es keine Frage, ob man den Port zur Infusion einsparen kann, sondern man muss begründen, warum man den Port implantiert“, sagte PD. Dr. med Salah-Eddin Al-Batran, Oberarzt an der Klinik für Onkologie und Hämatologie im Krankenhaus Nordwest, Frankfurt, auf einer Veranstaltung zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms.

Chemotherapie bei Darmkrebs: Operation für Port-Implantation läßt sich vermeiden
Viele unserer Patienten fürchten das Setzen des Ports für die infusionale Gabe eines Chemotherapeutikums, da es eine weitere Operation darstellt. Der Port bedeutet für den Patienten eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. Er ist auch an therapiefreien Tagen eine stetige Erinnerung an die Erkrankung. Viele Patienten haben das Gefühl, dass sie sich mit der sportlichen Betätigung aufgrund des Ports zurückhalten müssen, so die Erfahrungen von Dr. Al-Batran als Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Hämatologie / Onkologie sowie spezielle Schmerztherapie. „Wir wissen aber, dass diesen Patienten die körperliche Bewegung gut tut, sowohl physisch als auch psychisch.“ Gerade der aktive Patient profitiert vom Freiraum durch einer oralen Chemotherapie. Der Patient fühlt sich ohne Port in seinem sozialen Umfeld weniger stigmatisiert

Darmkrebsvorsorge zu wenig genutzt – Erstdiagnose „Kolonkarzinom Stadium II und Stadium III zu häufig
Das Kolonkarzinom ist die häufigste Tumorart bei Männern und Frauen zusammengenommen. Wird Darmkrebs frühzeitig festgestellt, sind die Heilungschancen sehr hoch. Doch leider werden auch heute noch die von den Kassen angebotenen kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen immer noch zu selten genutzt. Daher lautet bei einem Drittel aller Patienten die Erstdiagnose „Kolonkarzinom im Hochrisikostadium II und Stadium III. Für die betroffenen Patienten ist eine effektive Steigerung der Heilungsrate von immenser Bedeutung.

Kolonkarzinom – zentralvenösen Port vermeiden und Überlebenszeit steigern
Durch aktuelle Therapieformen gelingt es, die Langzeitüberlebensrate von 45 % – 55% auf 70% – 75% zu steigern. Als Standard für Stadium-III-Patienten gilt die Kombinationstherapie aus 5-FU/Folinsäure und Oxaliplatin. Diese Therapie ist mit einer Reihe von Nebenwirkungen, vor allem aber auch mit der Implantation eines zentralvenösen Portes assoziiert, da die Chemotherapie zum Teil als prolongierte Infusion über 48 Stunden gegeben wird (alle 2 Wochen).
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Da die Patienten zu 2/3 bis 3/4 durch die chirurgische Therapie und nachfolgende Chemotherapie geheilt sind, ist eine Implantation eines zentralvenösen Portsystems und die mit dessen Einsatz verbundenen möglichen Komplikationen wie Thrombose, Embolie etc. ein Risiko, das nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Zu den Risiken gehören nicht nur Thrombosen mit potenziellen Lungenembolien, sondern auch Pneumothorax, Paravasate etc. Aus diesem Grund war die Analyse einer adjuvanten Chemotherapie auf der Basis eines oralen FU-Prodrugs essentiell.

Die XELOXA-Studie, 2002 geplant und 2003 begonnen, verglich an einem sehr großen Patientenkollektiv im internationalen Setting von USA bis Asien die Kombination aus dem oralen Fluoropyrimidin Capecitabin (Xeloda®) mit Oxaliplatin gegenüber dem bisherigen Standard einer intravenösen 5-FU-Bolusapplikation (Mayo- und Roswell-Park-Schema).

Kolonkarzinom Stadium III: Ergebnisse der XELOXA-Studie bestätigen MOSAIC-Studie
Der Gewinn an krankheitsfreiem Überleben im XELOX-Arm war signifikant und genau so hoch wie in den beiden anderen, zu diesem Thema durchgeführten Studien (der NSABPC07- und MOSAIC-Studie), bei denen Infusions-5-FU bzw.Bolus-5-FU plus Oxaliplatin im experimentellen Arm gegeben worden war. Die Ergebnisse sind für das Stadium III – mit Berücksichtigung, dass die XELOXA-Studie nur Patienten im Stadium III und die MOSAIC-Studie Stadium II und III eingeschlossen hat – identisch zur MOSAIC-Studie. Es ist davon auszugehen, dass, wie schon bei der MOSAIC-Studie, das Überleben (OS=Overall Survival) hierdurch signifikant verbessert werden wird.

XELOXA-Studie: Keine Altersabhängigkeit in der Therapie des Kolonkarzinoms Stadium III mit FU-basierter Kombination aus Capecitabin + Oxaliplatin
Nach den Worten von Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schmoll, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Halle (Saale), sind derzeit die Beobachtungszeiten noch zu kurz, um hierzu abschließend Stellung nehmen zu können. „Wichtig ist, dass im Gegensatz zu den bisherigen beiden Studien die Patienten über 70 Jahre im Trend den gleichen Benefit hatten wie die jüngeren Patienten, trotz einer erwartungsgemäß höheren Nebenwirkungsrate“, sagte Prof. Schmoll.
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XELOXA-Studie: Langzeitüberlebensrate bei Patienten mit Kolonkarzinom Stadium III unabhängig vom Alter gesteigert
Die XELOXA-Studie zeigt – unabhängig vom Alter der Patienten -, dass die orale FU-basierte Kombination Capecitabin + Oxaliplatin(Volvox)ebenso geeignet ist wie Infusions-5-FU plus Oxaliplatin (FOLFOX), die Langzeitüberlebensraten im Stadium III des Kolonkarzinoms signifikant zu steigern, zugleich aber eine zentralvenöse Portimplantation owie Infusionsapplikation von 5-FU vermeidet. Das gilt nicht nur für die jüngeren, sondern auch für die älteren und alten Patienten (> 70 Jahre). Damit bietet die XELOXA-Studie einen neuen Maßstab für den Therapiestandard im Stadium III des Kolonkarzinoms. Nach Einschätzung von Prof. Schmoll kann mandavon ausgehen, dass die Ergebnisse der XELOXA-Studie auch auf das – in dieser Studie nicht geprüfte – Stadium II des Kolonkarzinoms übertragen werden können.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat Capecitabin (Xeloda®) in Kombination mit Oxaliplatin (XELOX) aufgrund der Daten der XELOXA-Studie zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms im Stadium III zugelassen. (mr / Dr. J. Wolff, MEDIZIN ASPEKTE 04/2010)

Quellen

  1. Vortrag: „Capecitabin in Kombination mit Oxaliplatin:
    Erwiesene Wirksamkeit unabhängig vom Alter“
    Prof. Dr. Hans-Joachim Schmoll
    Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV,
    Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg
    Frankfurt, 14.04.2010
  2. Vortrag: „Orale Chemotherapie –
    Freiräume schaffen, Lebensqualität verbessern“
    PD Dr. Salah-Eddin Al-Batran
    Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
    Frankfurt, 14.04.2010
  3. Haller DG et al., ESMO/ECCO 2009, Abstr. #5LBA and oral
    presentation
  4. Haller DG et al., ASCO GI 2010, Poster 284 and oral presentation

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