Chemiker Nuno Maulide erhält ERC Consolidator Grant

„ERC-Grants werden höchst kompetitiv vergeben und sind ein wichtiger Indikator für die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Universität“, so Rektor Heinz W. Engl. „Ich freue mich, dass nun der 34. ERC Grant an die Universität Wien geht, diesmal an den Chemiker Nuno Maulide, der bereits mit einem ERC Starting Grant 2013 an die Universität Wien gekommen ist“.

Das Projekt VINCAT im Fokus

Die Synthese von Chemikalien jeglicher Art ist für die moderne Gesellschaft von immenser Bedeutung. Ohne chemische Synthese gäbe es kaum Medikamente, keine moderne Kleidung, keine Reinigungsmittel, keine Düngemittel, keine Kosmetika – diese Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen.
Mittels chemischer Reaktionen werden Ausgangsstoffe, wie Reaktanden oder Reagenzien, in Produkte mit erhöhter Wertigkeit umgewandelt. Ein Nachteil dieser Vorgangsweise besteht oftmals darin, dass während eines solchen Prozesses auch ungewünschte Abfallprodukte entstehen. Diese Nebenprodukte müssen von den gewünschten Stoffen getrennt und danach entsorgt werden.

Im Zuge des Versuchs, chemische Reaktionen effizienter und umweltfreundlicher zu machen, ist es eine große Herausforderung der Gegenwart, neue Reaktionen zu entwickeln, die ohne die Bildung solcher Abfallprodukte ablaufen können. Das bedeutet, dass alle eingesetzten Atome auch im Endprodukt zu finden sind – im Hinblick auf wirtschaftliche Aspekte bezeichnet man solche Reaktionen als „atomökonomisch“.

Im Rahmen seines ERC-Projekts mit dem Akronym VINCAT will Maulide nun untersuchen, wie dieses einfache Konzept effektiv flächendeckend auf eine breite Familie von Reaktionen angewendet werden kann. „Es geht darum, wie bei einem Orchester, dessen Dirigenten die Chemiker sind, Einfluss auf den Ablauf und die Reihenfolge einzelner Ereignisse zu nehmen“, sagt Nuno Maulide. „Es ist uns möglich, hochenergetische chemische Spezies unter milden Reaktionsbedingungen zu generieren. Jedoch können wir zusätzlich diese hohe chemische Reaktivität zähmen und durch einen präzise konstruierten Reaktionschritt die gewünschten Produkte erhalten.“

Chemie ohne Verschwendung

Konkret handelt es sich bei den hochenergetischen Spezies um sogenannte Vinylkationen (Englisch: vinyl cations, wovon sich VINCAT ableitet), die Maulides Arbeitsgruppe unter katalytischen Bedingungen leicht generieren und gezielt in ihren Reaktionen einsetzen kann. „Von großer Wichtigkeit sind diese Reaktionen vor allem dann, wenn möglichst alle Atome der Reagenzien in den Produkten enthalten sind, sie also mit de facto 100 Prozent Atomökonomie ablaufen.

Die Reaktionsprodukte selbst sind überraschend vielfältig in ihren Strukturen und Eigenschaften und bieten sich deshalb auch potenziell für eine Vielzahl an Anwendungsgebieten, beispielsweise als Wirkstoffe, an“, so der Professor für Organische Synthese, der 2013 im Alter von 33 Jahren an die Universität Wien berufen wurde. „Die Natur schafft es spielend, chemische Reaktionen so atomökonomisch wie möglich zu gestalten. Allerdings hatte sie dazu auch Milliarden von Jahren zur Optimierung zur Verfügung“, sagt der aus Portugal stammende Chemiker mit Augenzwinkern.

Vom Testimonial zum ERC-Grant

Im Jubiläumsjahr der Universität Wien, 2015, waren in der Station Schottentor mehrere Plakate zu sehen, die sich der Kampagne „Wir stellen Fragen – seit 1365“ widmeten. Eines dieser Plakate zeigte Nuno Maulide zusammen mit der Frage „Chemie ohne Verschwendung, ganz wie in der Natur – geht das?“. Nun hat der Chemiker die Ressourcen, sich in den nächsten fünf Jahren der Beantwortung dieser Frage zu widmen.

Über Nuno Maulide

Nuno Maulide, geboren 1979 in Lissabon, Portugal, hat am Lissabonner Instituto Superior Técnico und an der Pariser École Polytechnique Chemie studiert und 2007 mit einer Arbeit im Bereich der Organischen Chemie an der Katholischen Universität Louvain, Belgien, promoviert. Nach einem Postdoktorandenaufenthalt in den USA war Maulide von 2009 bis 2013 Nachwuchsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. 2011 erhielt er einen ERC-Starting Grant. Seit Oktober 2013 ist er Professor für Organische Synthese an der Universität Wien. Hier forscht er vor allem im Bereich der stereoselektiven Synthese von organischen Verbindungen und an der Entwicklung von neuen Synthesemethoden, sowie deren Anwendungen für die gezielte Herstellung bioaktiver Naturstoffe.

European Research Council

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen. ERC Consolidator Grants unterstützen exzellente WissenschafterInnen in einem noch relativ frühen Stadium ihrer Karriere darin, ihre Position als eigenständige ForscherInnen zu konsolidieren. Ein internationales Gutachtergremium, bestehend aus renommierten ExpertInnen, entscheidet über die Förderungswürdigkeit der Anträge. Den ausgewählten ForscherInnen wird entsprechender Freiraum zur Verwirklichung ihrer Visionen zugestanden.

Insgesamt bereits 34 ERC Grants für die Universität Wien

Seit 2007 wurden bisher 16 ForscherInnen mit einem ERC Starting Grant ausgezeichnet. Dank zwölf Advanced Grants, einem ERC Proof of Concept und nunmehr fünf ERC Consolidator Grants liegt die Universität Wien bei nunmehr 34 ERC-Förderungen seit 2007.

Weitere Informationen:

Wissenschaftliche Kontakte
Univ.-Prof. Dr. Nuno Maulide
Institut für Organische Chemie
Universität Wien
1090 Wien, Währinger Straße 38
T +43-1-4277-521 55
M +43-664-602 77-521 55

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.800 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feierte die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum.

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