Cannabis als rezeptpflichtiges Medikament seit einem Jahr in Deutschland zugelassen – eine Bilanz

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Mittlerweile ist es bei einigen Krankheitsbildern durchaus möglich und eine gängige Praxis, medizinisches Cannabis auf Rezept zu erhalten. Dieses Cannabis wird kontrolliert angebaut und in Apotheken ausgegeben. Der kontrollierte Anbau macht den großen Unterschied, denn Patienten genießen die Sicherheit zu wissen, was sie ausgehändigt bekommen – ein Fakt, der beim von der Bevölkerung häufig in dieselbe Ecke gesteckte Straßenverkauf nicht gewährleistet wird. Trotzdem gibt es in der Bevölkerung weiterhin zwei Lager. In einem Lager wird möglichst lautstark gegen das medizinische Cannabis gezetert, im anderen Lager wird lautstark gefordert, Cannabis allgemein frei zu geben – oder aber die Hürden für den Erhalt hinabzusetzen. Dieser Artikel befasst sich einmal mit dem medizinischen Cannabis und erklärt, warum, wofür und weshalb es vielen Patienten als echter Helfer dient.
 

Gegen was wird Cannabis verschrieben?

Cannabis ist keine Kopfschmerztablette und auch kein Hustensaft. Grundsätzlich gibt es keine Krankheit, die den Rezepterhalt gewährleistet, sowie aber auch keine Krankheit einem Rezept entgegensteht. Generell liegt die Verschreibung im Ermessen eines Arztes und genau hier gibt es noch viel Nachholbedarf. Häufig wissen nämlich gerade die viel aufgesuchten Hausärzte gar nichts von der Möglichkeit und sogar Fachärzte beschäftigen sich nicht großartig mit dem Thema. Für Patienten ist das natürlich eine Katastrophe, denn vielen von ihnen könnte geholfen werden. Die häufigsten Gründe für die Verschreibung sind bislang:

  • Schmerzen– hierunter werden freilich keine Kopfschmerzen verstanden. Schmerzpatienten, also Menschen, die unter rheumatischen Erkrankungen, Arthrose und chronischen Schmerzen leiden, erfahren durch das Cannabis häufig eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.
  • Epilepsie– im erwachsenen Alter kann Cannabis gegen epileptische Anfälle eingesetzt werden. Dies wird zumeist dann genutzt, wenn die üblichen Antieptileptika nicht mehr oder nicht gut genug anschlagen.
  • Tourette– bei diesem Syndrom zeigt Cannabis eine sehr gute Wirkung, da es die spastischen und vokalen Ticks der Betroffenen verringert.
  • Depressionen– unter Umständen kann Cannabis bei Depressionen helfen. Hier darf das Medikament natürlich nicht als erste Wahl angesehen werden, denn zuerst müssen die Ursachen geklärt werden.
  • Weitere psychische Krankheiten –bei einer Vielzahl an psychischen Erkrankungen kann Cannabis zur Linderung genutzt werden. Doch auch hier gilt dasselbe, wie bei der Depression und das, was für alle Psychopharmaka gilt: Die Einnahme von Cannabis muss begleitend erfolgen und kann keine anderweitige Hilfe ersetzen.
  • Parkinson/Tremor– Cannabis kann die Symptome von Parkinson deutlich reduzieren.
  • Endstadien– bei schweren Krankheiten im Endstadium, bei denen bereits Opiate zur Schmerzreduzierung eingesetzt werden, hilft Cannabis, die Opiumdosis zu minimieren, ohne die Schmerzlinderung zu reduzieren.
  • Chemo-Begleitung– gleichfalls kann Cannabis begleitend zu einer Chemotherapie eingesetzt werden. Die Wirkstoffe lindern die Nebenwirkungen der Chemotherapie und helfen Patienten, während der Behandlung bei Kräften zu bleiben.

Cannabis ist immer eine weitere Therapieform, die durchaus angesprochen werden sollte, wenn die bisherigen Medikamente oder Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg brachten. Doch sollten gerade an psychischen Erkrankungen leidende Patienten nicht glauben, dass mit Cannabis alles gut wird und die Depression verschwindet. Das Medikament hilft – die Arbeit am eigenen Verhalten und der Problembewältigung geht weiter.

Welche Wirkungen hat es?

Die Wirkungsweise von Cannabis ist tatsächlich noch nicht vollständig bis ins letzte Detail  erforscht. Über einhundert Wirkstoffe enthalten Cannabisprodukte, wobei zwei von ihnen auch Laien bekannt sind:

  • THC– das ist der Wirkstoff, der zum Rausch führt, wenn Hanf als Droge genutzt wird. THC hebt die Stimmung an, kann zum Rausch führen, kann aber ebenso beruhigen und Ängste lindern. Grundsätzlich wirkt THC gegen Schmerzen. In medizinischen Produkten ist der Gehalt an THC oft sehr niedrig, sofern keine reine Schmerzlinderung gewünscht wird. Darüber hinaus kann es eventuell bei chronischem Magen-Darm-Entzündungen helfen. Etliche Medikamente enthalten überhaupt kein THC.
  • CBD– dieser Inhaltsstoff trägt auch zur Schmerzlinderung bei, wirkt bei Entzündungen, lindert Ängste und Spannungen, wirkt gegen Krämpfe und vieles mehr.

Der größte Vorteil der Cannabis-Medikamente ist, dass sie körpereigene Wirkstoffe enthalten. Denn Endo-Cannabinoide kommen im menschlichen Körper vor, sodass bereits die benötigten Rezeptoren vorhanden sind.

Könnte die Nutzung ausgeweitet werden?

Fakt ist, dass zwar bekannt ist, dass Cannabis eines der ältesten Heilmittel überhaupt ist, doch hat sich moderne Medizin lange Zeit gar nicht mehr damit beschäftigt. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Studien, die eine Wirksamkeit bestätigen, andere jedoch bestreiten jegliche Wirkung. Ein anderes Problem ist die Unkenntnis vieler Ärzte, die bislang lieber auf die bekannten und typischen Medikamente setzen, aber neue Heilmittel ignorieren. Grundsätzlich könnte – und sollte – die Nutzung ausgeweitet werden, dafür ist aber Folgendes nötig:

  • Aufklärung– Mediziner müssten bereits während des Studiums geschult werden, zudem müsste es flächendeckende Informationsveranstaltungen für Mediziner geben. An dieser Stelle dürfen nicht nur Fachärzte ins Boot geholt werden, sondern eben die Ärzte, zu denen 95 Prozent der Patienten zumeist gehen: Allgemeinmediziner. Auch Apotheker müssten Fortbildungen besuchen.
  • Forschung– die Wirksamkeit müsste mit offenen Augen und ohne Vorurteile erfragt werden. Dabei ist es auch notwendig zu verstehen, warum Cannabis bei demselben Erkrankungsbild helfen oder nicht helfen kann.
  • Öffentlichkeit– das Bild des Cannabiskonsums aus medizinischen Gründen muss sich deutlich wandeln. Dabei sollten natürlich auch die Gründe, die für das Medikament sprechen, ernsthaft beleuchtet und absoluten Laien erklärt werden.

Neben dem rezeptpflichtigen Cannabis gibt es zahlreiche Cannabisprodukte, die völlig legal sind und die ebenfalls schmerzlindernde, entzündungshemmende oder angstlösende Wirkungen haben. Patienten erhalten diese bislang aber überwiegend im Internet und sind gezwungen, sich Informationen selbst zusammenzusuchen. An diesem Punkt wäre es ein Leichtes anzusetzen, immerhin könnten Apotheken diese Produkte auch vertreiben – und dazu beraten.

Fazit – hilfreich mit Stigma

Unzähligen Patienten geht es seit der Cannabis-Genehmigung wesentlich besser, da sie ihr Leben nun einfacher und beschwerdefreier leben können. Vielen anderen Patienten wird aber noch immer nicht geholfen, weil sich ihre Ärzte überhaupt nicht mit dem Thema auskennen oder aber, weil sie selbst unter Cannabis nur Drogenkonsum verstehen. Mit dieser Einstellung und Unwissenheit ist niemandem geholfen, denn gerade denjenigen, die vom Cannabis profitieren, leiden zwar weniger unter ihren Krankheitsbeschwerden, müssen nun aber gegen das Stigma ankämpfen. Es ist daher noch viel zu tun und es darf nur gehofft werden, dass eines der ältesten Medikamente überhaupt auch in der modernen Zeit wieder diesen offiziellen Titel erhält.

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