Burnout – Signale des Körpers

Das Leben wird zunehmend komplizierter, zwischenmenschliche Beziehungen schwieriger und es kommen immer neue berufliche und private Aufgaben auf uns zu. Dadurch entstehen oft Situationen, in denen der Einzelne durch dauerhaften negativen Stress und sinkende Leistungsreserven überfordert ist und letztendlich nicht mehr weiter weiß. Es kommt zum Missverhältnis zwischen beruflichen und privaten Leistungsanforderungen und Fähigkeiten. Stress, Erschöpfung, mangelnde Konzentration und Niedergeschlagenheit sind die Folge. Ängste entwickeln sich und der Betroffene fühlt sich auch körperlich beeinträchtigt. Was anfangs noch wie eine reine Überlastung erscheint, kann sich im Laufe der Zeit zu einer ernst zu nehmenden Erkrankung entwickeln: dem Burnout-Syndrom. Burnout bedeutet ‚ausgebrannt sein’ und bezeichnet den Zustand extremer emotionaler, körperlicher, psychischer und sozialer Erschöpfung, der mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit einhergeht. Er ist das Endstadium eines Prozesses, der sich über einen längeren Zeitraum langsam und schleichend entwickelt.

„Wir beobachten in den letzten Jahren eine stetig steigende Zunahme bei den leichteren bis mittelschweren psychischen Störungen, die auf äußere Bedingungen zurückzuführen sind“, so Dr. Rudolf Groß, Chefarzt der Klinik und Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am St. Marien-Hospital Mülheim a. d. Ruhr, einem Haus der Contilia Gruppe. „Das Burnout-Syndrom ist eine davon. Es ist ein Schutzmechanismus des Körpers, der um Hilfe schreit.“

Entflammt und ausgebrannt
Die Ursachen des Burnout-Syndroms sind vor allem im beruflichen, aber auch im persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Umfeld der Betroffenen zu finden. „Viele fühlen sich heute durch die Zunahme der Arbeitsdichte, die Ausdehnung der Arbeitszeit und die zunehmende Anonymisierung überfordert“, erklärt Dr. Groß. „Andersherum leiden viele Menschen, die keine Arbeit haben, unter der Kränkung, diese verloren zu haben. Es kommt zu verständlichen existentiellen Ängsten und zur Sinnkrise. Beziehungsprobleme, soziale Entfremdung, Abnahme sozialer Kontakte oder der Verlust familiärer Bindungen spielen ebenfalls eine gravierende Rolle. Besonders Menschen, die sehr gewissenhaft und leistungsorientiert sind, die es gewohnt sind, hohen Anforderungen mit überdurchschnittlichen Leistungen gerecht zu werden oder die sich etwa mit großem Engagement für andere einsetzen, sind am häufigsten betroffen. Sie empfinden besonders stark den Druck, der von außen auf sie ausgeübt wird oder den sie sich selber machen. Entsprechend kann ein Burnout gleichermaßen bei Hausfrauen und Müttern wie auch bei Berufstätigen, beispielsweise bei Managern oder in Pflege- und sozialen Berufen, aber auch bei Schülern und Rentnern vorkommen.“ Tatsache ist, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko für ein Burnout-Syndrom bei einer Überbelastung mit noch mehr Einsatz reagieren und so Gefahr laufen, in einen regelrechten Teufelskreis zu geraten. Während des Burnouts funktioniert der Körper dann oft nicht mehr richtig: alle Organsysteme können betroffen sein. Es kann zu anhaltender Frustration und Verbitterung kommen: physische und psychische Erschöpfungszustände entstehen ebenso wie das Gefühl, den alltäglichen und beruflichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können. Schlafstörungen und chronische Müdigkeit sind weitere Symptome. Aber auch Rücken- oder Magenschmerzen, Hautprobleme, Appetitlosigkeit und sexuelle Unlust sind Ausdruck dieses Ausnahmezustandes. Sowohl die physische als auch die psychische Leistungsfähigkeit nimmt kontinuierlich ab, gleichzeitig verliert der Betroffene die Fähigkeit, sich nachhaltig zu erholen. Bei anhaltenden Störungen können Depressionen, Selbstmordgedanken und verstärkte körperliche Symptome auftreten. „Einer Studie zufolge lassen viele Patienten erst die körperlichen Symptome behandeln, bis die eigentliche Ursache ‚Burnout’ gefunden und behandelt wird.“

Was tun?
Burnout-Patienten benötigen unbedingt professionelle Hilfe. Zu Beginn eines Burnout-Syndroms können gezielte Erholung, beispielsweise durch eine Kur oder durch den Wechsel des Arbeitsplatzes, noch ausreichend Hilfe bieten. Im fortgeschrittenen Stadium vergeht ein Burnout-Syndrom jedoch nicht einfach so wieder. Betroffene benötigen dann eine spezielle Psychotherapie. Dr. Groß: „In Gesprächen wird die Lebensgeschichte durchforstet und nach Ursachen gesucht. Wie war das Umfeld, wie ist die Entwicklung, wie sind die äußeren Faktoren des Lebens der Betroffenen? Was ist anerzogen, wie hat er gelernt zu reagieren und wie kann aus inneren Mustern ausgebrochen werden? Es werden Verhaltensalternativen aufgezeigt oder Möglichkeiten gesucht, äußere Faktoren zu verändern.“ Betroffene lernen so, sich wieder gezielt zu erholen, die eigene Leistungsfähigkeit besser einzuschätzen und in Zukunft beruflichen und privaten Leistungsanforderungen realistischer zu begegnen, damit künftig Überforderungen verringert werden und die Menschen langfristig gesund bleiben. Eine Behandlung mit Antidepressiva und eine Behandlung der körperlichen Beschwerden kann hilfreich sein.

Für Ausgleich sorgen
Wichtig ist es, die Stressauslöser der individuellen Belastung zu erkennen und zu wissen, dass man Burnout gefährdet ist, um sich dann selbst Zeit und Raum zum Ausruhen und Regenerieren zu schaffen. Ausgleichsmöglichkeiten wie Sport, Musik oder andere Hobbys bieten neben Ruhe- und Entspannungstechniken gute Möglichkeiten, sich geistig und körperlich zu entlasten und neue Kraft zu tanken. Es ist außerdem erforderlich, die notwendige Distanz zur Arbeit zu behalten oder zu schaffen. „Menschen, die in ihrer Freizeit aktiv sind und regelmäßig für Ausgleich sorgen, z.B. durch Sport, Besuch kultureller Veranstaltungen oder Pflege sozialer Kontakte, sind besser geschützt als Menschen, die sich – vereinfacht ausgedrückt – mit einem Bier vor den Fernseher legen“, erläutert Dr. Groß. „Wichtig ist, wirklich regelmäßig für Entspannung zu sorgen und nicht nur auf den nächsten Urlaub zu warten, denn dann ist die Erschöpfung vielleicht schon zu groß, dass nicht einmal mehr der Urlaub genossen werden kann.“ (eke, 2010/09)

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