Buntes Kaleidoskop der Forschung

Hochdotierte Preise und Stipendien bekamen 16 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am 6. November von der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V. (GdF). Die Verleihung fand während der Jahresversammlung der GdF im Congress Center der TUI AG statt. GdF-Vorsitzender Professor Dr. Hartmut Küppers begrüßte die rund 160 Gäste. „Die Gesellschaft der Freunde unterstützte die MHH im vergangenen Jahr mit einer Gesamtsumme von rund 900.000 Euro“, sagte er. Das Spektrum der damit unterstützten Projekte reiche von Preisen, Projekten und Tagungen über den Chor und das Orchester der MHH bis hin zu Reisen und Druckkosten für Publikationen. Professor Küppers gab auch bekannt, dass die Freunde am 7. Mai 2014 ihr 50-jähriges Bestehen ab 17 Uhr im Hörsaal F der MHH feiern. Gemeinsam mit Forschungsdekanin Professorin Dr. Hilfiker-Kleiner überreichte er die Auszeichnungen. „Ich freue mich, das hohe Forschungspotential der MHH mit den Preisen zum Ausdruck bringen zu können. Die ausgezeichneten Projekte geben – wie ein Kaleidoskop – einen Einblick in die Forschungslandschaft der MHH“, sagte sie.

„Wir sind den Freunden der MHH überaus dankbar; sie helfen nicht nur Individuen, sondern auch der MHH als Ganzes“, bedankte sich Professor Dr. Christopher Baum bei der GdF. Der MHH-Präsident berichtete, dass die MHH in der Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit ihren klassischen Domänen Chirurgie und Innere Medizin sowie unter anderem mit der Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik sehr gut aufgestellt sei und weit mehr tue, als über das aktuelle Finanzierungssystem der Universitätsmedizin abrechenbar sei. „Die MHH hat gerade aufgrund ihres hervorragenden Leistungsspektrums ein wachsendes finanzielles Problem, das an den Wurzeln angegangen werden muss. Dabei wollen wir das Profil der MHH noch stärker herausarbeiten, Wachstumspotenziale nutzen und zugleich Bereiche reduzieren, die für den Gesamterfolg in Lehre, Forschung und Krankenversorgung nicht mehr so bedeutsam sind“, sagte er. Ziel ist, dass bis 2015 die Wende in Bezug auf die wirtschaftliche Situation der MHH erreicht worden ist.“

Die Freunde unterstützen unter anderem die „Patientenuni-mobil“ finanziell für ein Jahr. Dieses Projekt des Instituts für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung widmet sich der Gesundheitsbildung – ebenso wie die etablierte Patientenuniversität. Im Gegensatz zu dieser werden die Themen jedoch nicht in einem Hörsaal der MHH vorgestellt, sondern in einzelnen Betrieben: Die dortigen Mitarbeiter bekommen zunächst in Kurzvorträgen den aktuellen Stand des medizinischen Wissens zu einem Thema vermittelt und können anschließend an Lernstationen mit Experten sprechen, selbst etwas ausprobieren und die sie interessierenden Aspekte vertiefen. „Das neue Angebot ‚Patientenuni-mobil’ ermöglicht lebendiges Lernen und soll vor allem die Menschen erreichen, die von sich aus entsprechende Angebote in Hörsälen nicht wahrnehmen können“, erläuterte die Leiterin der Patientenuni, Professorin Dr. Marie-Luise Dierks. Die Patientenuni-mobil beginnt ab dem Frühjahr 2014.

Die Preise im Einzelnen

Sir Hans Krebs-Preis

Privatdozent Dr. Immo Prinz (44), Institut für Immunologie, konnte die mit 10.000 Euro dotierte, von der GdF gestiftete Auszeichnung entgegennehmen. Er hat mit seinem internationalen Team die Entwicklung sogenannter gamma-delta T-Zellen untersucht. Sie gehören zum angeborenen Immunsystem und schützen vor Infektionen durch Bakterien und Pilze. Aus früheren Studien der Arbeitsgruppe war bekannt, dass diese Zellen sehr schnell nach der Geburt sehr viel Interleukin-17 produzieren können. Jetzt konnten die Forscher zeigen, dass sich Interleukin-17 produzierende gamma-delta T-Zellen ausschließlich vor der Geburt entwickeln. „Diese Zellen müssen daher eindeutig zum angeborenen Immunsystem gezählt werden. Das Ergebnis und künftige Erkenntnisse werden helfen, die Stärken und Schwächen des Immunsystems von Neugeborenen besser zu verstehen“, sagt PD Dr. Prinz.

Rudolf-Schoen-Preis

Diese mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung stellt die TUI-Stiftung zur Verfügung. Sie wurde in diesem Jahr geteilt und ging an Dr. Katja Deterding (40), Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, und Privatdozent Dr. Gregor Warnecke (39), Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.

Dr. Deterding bekam die Auszeichnung für die „Akute HCV-III Studie“, die im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung unter der Leitung von Professor Dr. Michael P. Manns initiiert wurde. Es ist die bislang größte Studie zur akuten Hepatitis C in Europa. Sie ergab, dass eine sofortige Behandlung mit pegyliertem Interferon-alfa-2b über 24 Wochen zu hohen Ausheilungsraten sowohl bei Patienten mit symptomatischer als auch bei Patienten mit asymptomatischer akuter Hepatitis C Virusinfektion führt. Aber auch bei verzögerter Kombinationstherapie sind die Chancen, das Virus dauerhaft zu eliminieren, sehr gut – unter der Voraussetzung, dass sich die Patienten während der ersten zwölf Wochen regelmäßig auf HCV-RNA testen lassen und bei denjenigen, die am Ende der Beobachtungszeit weiterhin HCV-RNA positiv sind, die Behandlung konsequent durchgeführt wird.

PD Dr. Warnecke erhielt den Preis für eine Studie zur Lungentransplantation, die das „Organ Care System“ (OCS) einbezieht. In diesem mobilen Gerät kann eine Spenderlunge körperwarm transportiert werden, wobei sie von Spenderblut durchflossen, mit Nährstoffen versorgt und ventiliert wird. So haben Mediziner bis zu 24 Stunden Zeit, um die Lungenfunktion zu beurteilen und zu verbessern. An der Studie nahmen zwölf Patienten teil. Sie wurde sowohl in der MHH als auch im Lungentransplantationszentrum Madrid, Spanien, durchgeführt. „Spenderlungen können sicher mit dem OCS konserviert werden“, fasst PD Dr. Warnecke die Ergebnisse zusammen. Nach diesem Erfolg haben die Forscher die Studie INSPIRE begonnen, in der sie die OCS-Lungenkonservierung mit der standardmäßigen kalten Lagerung vergleichen.

Jan Brod-Preis

Die von der Abbott Arzneimittel GmbH gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte Ehrung bekam Privatdozent Dr. Jan Menne (46), Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Er leitete eine Studie zur EHEC-Epidemie, die in Deutschland rund 4.000 Patienten betraf. Von ihnen erkrankten 855 am Hämolytisch Urämischen Syndrom (HUS) und insgesamt starben mehr als 50 Menschen. Die Forscher beschrieben das Krankheitsbild und Therapieeffekte von fast 300 an HUS erkrankten Erwachsenen aus 23 deutschen Kliniken. „Der Plasmaaustausch, welcher bei mehr als 85 Prozent aller HUS-Patienten eingesetzt worden war, erwies sich nicht eindeutig als vorteilhaft – eine sehr lange derartige Therapie war sogar potenziell schädlich“, erläutert PD Dr. Menne ein Ergebnis. Eine frühzeitige antibiotische Therapie habe sich – entgegen der Lehrmeinung – vorteilhaft auf den Verlauf der HUS-Krankheit ausgewirkt. Die Arbeit hat auch gezeigt, dass nur ein Prozent der Patienten langfristig dialysepflichtig geblieben ist.

Ernst Eickhoff-Preis für Kardiologie

Die von Ernst Eickhoff zur Verfügung gestellte und mit 5.000 Euro dotierte Ehrung ging je zur Hälfte an Dr. Mirco Müller (35), Institut für Biophysikalische Chemie, und Dr. Oktay Tutarel (37), Klinik für Kardiologie und Angiologie.

Dr. Müller befasste sich mit den biochemischen Eigenschaften von Aktinen – Proteine, die für Bewegungen in Zellen und von Zellen unentbehrlich sind. „Funktionieren Aktine nicht richtig, kann es beispielsweise zu Hörminderung, Krebs sowie Gefäß- und Herzmuskelerkrankungen kommen“, erläutert Dr. Müller. Besonders prominent sind Fehlfunktionen des Herzmuskel-Aktins, die bei angeborenen Erkrankungen des Herzmuskels vorkommen wie beispielsweise bei der hypertrophen Kardiomyophatie. Diese Herzerkrankung ist auch die häufigste Ursache des plötzlichen Herztods bei jungen Menschen, insbesondere bei Leistungssportlern. Dr. Müller untersuchte in seiner Arbeit, wie sich krankhafte Veränderungen von Herzmuskel-Aktinen auf das Zusammenspiel mit verschiedenen Proteinen wie zum Beispiel dem Myosin auswirken. „Die Erforschung der krankhaft veränderten Prozesse auf molekularer Ebene ermöglicht ein besseres Verständnis von der Entstehung dieser Erkrankung“ erläutert er.

Dr. Tutarel widmete sich den angeborenen Herzfehlern. Immer mehr Kinder mit angeborenem Herzfehler erreichen das Erwachsenenalter, derzeit sind es in Deutschland schätzungsweise rund 250.000. Eine Heilung ist die Ausnahme, oft bleiben Probleme. Dr. Tutarel zeigte, dass die Zahl der Patienten, die älter als 60 Jahre sind, stark zunimmt. Und, dass diese Patienten die Ressourcen des Gesundheitssystems deutlich stärker in Anspruch nehmen müssen als jüngere Patienten mit angeborenem Herzfehler. Zudem erforschte er, dass ältere Patienten mit angeborenem Herzfehler früher versterben als Menschen gleichen Alters aus der Gesamtbevölkerung – wobei neben dem Herzfehler auch erworbene Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. „Das Gesundheitssystem muss sich auf eine zunehmende Zahl von älteren Patienten mit einem angeborenen Herzfehler einstellen. Präventive Maßnahmen für diese Patienten sind dringend notwendig“, sagt Dr. Tutarel.

Forschungsstipendium der Wiedeking-Stiftung

Dr. Lars-Henrik Witt (37), Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, erhielt das Stipendium in Höhe von 13.000 Euro. Seine Forschungen werden sich um die kolloidalen Infusionslösungen Gelatine und Hydroxyäthylstärke drehen, die sich bei großen Operationen von Frühgeborenenen, Neugeborenen und Säuglingen in der Kinderanästhesie seit Jahren bewährt haben. In letzter Zeit werden allerdings zunehmend alarmierende Berichte über schwere Nebenwirkungen nach der Gabe von Hydroxyäthylstärke bei kritisch kranken Erwachsenen veröffentlicht. Um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, wird Dr. Witt anhand von Tiermodellen prüfen, ob sich die Lösungen bereits nach einmaliger Gabe im Gewebe anreichern und die Nierenfunktion ungünstig beeinflussen. „Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, das Risiko kolloidaler Infusionslösungen bei Kindern besser kennenzulernen, um so einen potentiellen Schaden von den Patienten abwenden zu können“ erläutert der Forscher.

Jahresstipendien von Ernst-August Schrader

Dr. Sajoscha Sorrentino (37), Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, erhielt ein Stipendium in Höhe von 9.000 Euro und Dr. Marcel Winkelmann (28), Klinik für Unfallchirurgie, wurde ein Stipendium über 11.000 Euro zuerkannt. Dr. Sorrentino möchte erreichen, dass Jugendliche und junge Erwachsene Mukoviszidose-Patienten im Alter von zwölf bis 24 Jahren die Inhalationstherapie mit Kochsalzlösung stärker als bisher akzeptieren und somit durchführen. „Wenn den Patienten die Wirksamkeit der Inhalation mit sieben prozentiger Kochsalzlösung vor Augen geführt wird, werden sie diese Form der Therapie möglicherweise konsequenter durchführen“, formuliert der Forscher seine Idee. Er möchte die Therapieeffekte der Inhalation, beispielsweise den besseren Abtransport des zähen Schleims aus der Lunge und die verbesserte Lungenfunktion, mit Hilfe der funktionellen Lungen-Magnetresonanztherapie sichtbar machen.

Dr. Winkelmann widmet sich der Behandlung schwerstverletzter Patienten. Ihre stark geschädigten Organe und Gewebe führen zu einer extremen Ausschüttung verschiedenster Botenstoffe, die ihrerseits nicht selten zu Schädigungen oder gar Ausfällen weiterer Organe führen. Dr. Winkelmann möchte nun neue Biomarker im Blut von Schwerstverletzten finden, die Organschädigungen oder ein drohendes Multiorganversagen frühzeitig erkennen lassen. „Langfristiges Ziel muss es sein, Laborparameter in der Routinediagnostik zu etablieren, die ein drohendes Einzel- oder Multiorganversagen anzeigen, damit Therapien frühzeitig und wirksam eingeleitet und Menschen gerettet werden können“, sagt er.

Dissertationspreis Tumorforschung

Je einen Preis der Tumorstiftung der MHH, dotiert mit je 2.500 Euro, ging an Dr. Tina Oberacker (26), Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, und Dr. Anneliese Goez (27), Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie.

Dr. Oberacker erforschte akute myeloische Leukämien (AML) im Erwachsenenalter. Sie konnte anhand einer Untersuchung der Zellen von 676 AML-Patienten einen Biomarker identifizieren, der die Heilungschancen von Patienten mit AML vorhersagen kann. Es handelt sich um das Gen MLL5. „Dies ermöglicht Ärzten, in Zukunft die Therapie für den einzelnen Patienten anzupassen“, erläutert sie.

Dr. Goez arbeitete mit genetisch veränderten Viren, die gezielt Tumore angreifen: Sie programmierte Adenoviren so, das sie sich möglichst selektiv in Tumorzellen vermehren und diese zerstören, gesunde Zellen jedoch wenig beeinträchtigen sollten. Dazu baute sie Schutzmechanismen für gesunde Zellen in die Viren ein. Diese Mechanismen werden vom Protein p53 aktiviert, welches in Tumoren häufig defekt ist. Die Forscherin konnte unter anderem zeigen, dass die Schutzmechanismen durch p53 effektiv aktiviert werden und sie die Viren in gesunden Zellen bekämpfen, während die Viren ihre zerstörerische Wirkung in Tumorzellen weiter entfalten konnten.

Forschungsstipendium der Tumorstiftung

Das Stipendium in Höhe von 15.000 Euro erhielt Dr. Stephan Emmrich (31), Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Er erforscht regulatorische RNAs (microRNAs), die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Blutzellen sowie der Enstehung von Leukämien spielen. Sein Team konnte bisher schon zeigen, dass drei microRNAs (miR-99a/100, let-7 und miR-125b) in bestimmten Leukämiezellen stark angereichert sind. „Das schützt sie vor dem Zelltod sowie vor Therapien und verhindert das Heranreifen der Blutzellen“, sagt der Forscher. Nun gilt es, aufzuklären, weshalb gerade das Zusammenwirken der microRNAs zur Entstehung verschiedener Leukämieformen beiträgt. „Diese Kenntnisse erweitern unser Wissen über Gene und ihr Zusammenspiel und könnten zu neuen Lösungen biomedizinischer Fragestellungen führen“, erläutert Dr. Emmrich.

Zytokin-Forschungspreis

In diesem Jahr vergab das Kuratorium der Tumorstiftung in der Verwaltung der GdF zwei dieser Auszeichnungen, von denen eine geteilt wurde. Dr. Christopher Tiedje (33), Institut für Physiologische Chemie, erhielt 20.000 Euro für sein Forschungsvorhaben. Professorin Dr. Julia Skokowa (38), Niedersachsenprofessur für Molekulare Hämatopoese, und Privatdozent Dr. Kais Hussein (34), Institut für Pathologie, bekamen je 10.000 Euro.

Dr. Tiedje möchte neue Ansätze für die Entwicklung neuartiger Therapien zur Behandlung von Entzündungen finden. Speziell analysiert er dazu die Bildung von Zytokinen – Proteine, die bei der Bekämpfung von Entzündungen helfen. Das Protein Tristetraprolin (TTP) kontrolliert die Bildung dieser Zytokine. „Ist TTP fehlerhaft reguliert, so können sich spontane Entzündungen verfestigen. Es kommt auch dazu, dass dann das Wachstum unterschiedlicher Krebsarten unterstützt wird. Deshalb ist es wichtig, die Biologie von TTP im Detail besser zu verstehen“, sagt Dr. Tiedje. Für seine Forschungen nutzt er dazu die sogenannte iCLIP-Analyse. Sie ermöglicht es unter anderem, Rückschlüsse auf neue biologische Funktionen von TTP im Zuge von Entzündungsprozessen zu ziehen.

Professorin Skokowa erforscht die sogenannte Azetylierung von Proteinen – einen bisher wenig verstandenen Prozess, der Proteine hemmen und stimulieren kann. Bisher hat sie zeigen können, dass bei der Ausreifung von Blutzellen der Granulozyten-Wachstumsfaktor (G-CSF) für Teilung und Ausdifferenzierung der Zellen sorgt. Eines der dabei wichtigen Proteine ist HCLS1. Sie möchte nun die Rolle der G-CSF kontrollierten Azetylierung von HCLS1 in der Ausreifung der weißen Blutzellen, speziell der Granulozyten, untersuchen. Darüber hinaus wird sie die Rolle der Azetylierung von HCLS1 im Wachstum von myeloischen Leukämiezellen ergründen. „Wir hoffen, dass wir dabei neue Möglichkeiten in der Behandlung von Patienten mit einem Mangel an weißen Blutzellen entwickeln können und auch Leukämiezellen in ihrem Wachstum hemmen können“, sagt Professorin Skokowa.

PD Dr. Hussein erforscht die chronisch myeloische Leukämie (CML) bei Kindern und Jugendlichen. CML ist eine chronische Erkrankung des blutbildenden Systems. PD Dr. Hussein möchte herausfinden, warum sich bei einigen dieser Patienten eine Fibrose des Knochenmarks entwickelt. Gibt es Faktoren auf molekularer Ebene, anhand derer man voraussagen kann, ob sich bei Patienten mit CML eine Knochenmarkfibrose entwickelt? Können neue Zielgene für therapeutische Anwendungen gefunden werden? Dies sind zentrale Fragen seiner Arbeit. Um sie beantworten zu können, untersucht er Knochenmarkproben von an CML erkrankten Kindern und Erwachsenen mit und ohne Knochenmarkfibrose mittels Genexpressionsanalyse.

Hans-Heinrich Niemann-Preis

Dr. Philip Dannhauser (33), Institut für Zellbiologie im Zentrum Anatomie, erhielt die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung. Den Preis stiftete Professorin Dr. Teruko Tamura-Niemann. Dr. Dannhauser untersuchte die Entstehung von Vesikeln – kleinsten Membranbläschen – auf molekularer Ebene. Vesikel dienen dem Transport von Nährstoffen, Enzymen oder Viren innerhalb von Zellen. „Wenn wir die Vesikelbildung verstehen, können wir zum Beispiel den Eintritt von Viren in Wirtszellen besser nachvollziehen“, erläutert Dr. Dannhauser. Er entwickelte ein Modell, das die vom Protein Clathrin getriebene Entstehung von Vesikeln nachbildet. Da die Beladung von Vesikeln mit Wirkstoffen auch medizinisch relevant ist, erforscht sein Team, inwiefern das System als neue Technologie für die Verpackung von Wirkstoffen genutzt werden kann.

Scroll to Top