Bundeskanzlerin diskutierte mit dem Deutschen Ethikrat über Zusammenhalt im demografischen Wandel

In den kommenden Jahrzehnten wird die Bevölkerung in Deutschland abnehmen, der Anteil älterer Menschen sowie von Menschen mit Migrationshintergrund zunehmen.

Die Vorsitzende des Ethikrates, Christiane Woopen, betonte, dass zunächst Grenzen in den Köpfen der Menschen überwunden werden müssen. „Interesse und Wertschätzung als Grundhaltung gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen, Kreativität in der Entwicklung neuer Formen des gemeinsamen Lernens, Arbeitens und Lebens sowie Gerechtigkeit bei der Verteilung von Rechten und Pflichten zwischen Jung und Alt werden die unverzichtbare Grundlage dafür sein, als Gesellschaft im demografischen Wandel zusammenzuhalten“, so Woopen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte dem Deutschen Ethikrat für das Aufgreifen dieses Themas. Es sei wichtig, gerade bei langsam sich vollziehenden Prozessen frühzeitig über Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken, zum Beispiel von Rahmenbedingungen für Familien, Gesundheitsversorgung, Integration, Arbeitswelt und Nachhaltigkeit sozialer Sicherungssysteme. Dabei betonte sie neben den Aufgaben der Politik die besondere Bedeutung des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements der Bürgerinnen und Bürger. Der Bürgerdialog habe gezeigt, dass viele über die Gestaltung guten Zusammenlebens nachdächten und zu ehrenamtlicher Tätigkeit bereit seien. Sie sei auf ihrer Demografiereise von der Vielfalt guter Projekte beeindruckt gewesen. Dies müsse unterstützt werden durch eine flexible Handhabung der Zuständigkeiten von Kommunen, Ländern und Bund.

Ratsmitglied Elisabeth Steinhagen-Thiessen hob die Bedeutung der Prävention für die Gesundheit in jedem Lebensalter hervor. Dies spreche für eine Stärkung der Eigenverantwortung und Kompetenz des Einzelnen. Mit Blick auf die Deckung des steigenden Versorgungsbedarfs im Gesundheitswesen forderte sie eine Mittelumschichtung und neue Prioritätensetzung, wozu die Politik einen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen solle.

Ratsmitglied Wolfgang Huber machte deutlich, dass die gleichzeitig lebenden Generationen insgesamt in den Blick zu nehmen seien. Insbesondere aber verdiene die mittlere Generation Aufmerksamkeit, da ihr sowohl die Verantwortung für das Aufwachsen der jüngeren als auch die Fürsorgepflicht für die ältere Generation zukomme. Als wesentlich für den Zusammenhalt im demografischen Wandel stellte er den Umgang unserer Gesellschaft mit dem Phänomen der Migration heraus. Der Beitrag der Migration zur Milderung demografischer Ungleichgewichte werde noch immer nur verhalten zur Sprache gebracht. Es sei dabei nicht zu vergessen, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft gerade auch eine religiöse und interreligiöse Seite habe.

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden Fragen aus dem Publikum diskutiert, die von Ratsmitglied Jochen Taupitz zusammengefasst wurden. Die Bundeskanzlerin sowie die Podiumsteilnehmer betonten die Notwendigkeit einer Überwindung von Grenzen politischer Ressorts und sprachen über die Spannung zwischen Ehrenamt und Berufstätigkeit, die Zukunft nationalstaatlichen Denkens und den Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Bei all diesen Themen wurde deutlich, dass Kreativität im Umgang mit den verschiedenen Lebensphasen und Lebensentwürfen eine Schlüsselrolle spielt. Die Politik ermöglicht über Modelle wie die Pflegezeit Flexibilität, um ehrenamtliche Tätigkeiten zu erleichtern. Außerdem engagiert sie sich für die Unterstützung von Familien. Um den demografischen Wandel bewältigen zu können, müssen Grenzen überwunden werden – hinsichtlich staatlicher Regelungen, ganz wörtlich mit Blick auf grenzüberschreitende Migration, aber vor allem auch in den Köpfen der Menschen.

Die Beiträge der Veranstaltung können in Kürze online nachgehört und auch nachgelesen werden.

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