Bund fördert Dresdner Studie zu Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen

An der von Dresdner Wissenschaftlern koordinierten Studie beteiligen sich mit Rostock, München, Freiburg und Lörrach vier weitere Zentren. Im Rahmen des Forschungsprojets werden Kinder und Jugendliche, die nach einer Alkoholvergiftung an der HaLT- Präventionsmaßnahme teilnehmen, nach sechs Monaten nachuntersucht. Zudem werden junge Erwachsene, deren Alkoholvergiftung bereits fünf bis zehn Jahre zurückliegt, am Telefon befragt, wie sich ihr Leben seither entwickelt hat und ob es zu Suchtproblemen kam. Damit wollen die Wissenschaftler herausfinden, woran man bereits im Krankenhaus feststellen kann, ob eine Alkoholvergiftung nur ein „Ausrutscher“ war oder ein Alarmzeichen für Sucht- oder andere Entwicklungsgefährdungen darstellt. Dieses Wissen kann genutzt werden, um die Betroffenen individueller als bisher zu beraten.

Seit dem Jahr 2000 mussten in Deutschland insgesamt 200.000 junge Menschen unter 20 Jahren wegen Alkoholvergiftungen („Komasaufen“) im Krankenhaus behandelt werden, die jährliche Fallzahl hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Trotz dieses alarmierenden Trends wurde der gesamte Themenkomplex bislang kaum wissenschaftlich untersucht.

Das jetzt geförderte Forschungsprojekt basiert auf Vorarbeiten der Arbeitsgruppe von PD Dr. Ulrich Zimmermann, der das Labor für experimentelle Psychopharmakologie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums leitet. Am Beispiel der Stadt Dresden untersuchte er bereits Alkoholvergiftungen von Jugendlichen. Dabei stellte sich heraus, dass in den Jahren 2003 bis 2008 insgesamt 586 Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren betrunken in die beiden Dresdner Kinderkliniken eingeliefert wurden, das heißt im Durchschnitt eine Aufnahme alle vier Tage. Dies bedeutet auch, dass im Laufe dieser sechs Jahre fast zwei Prozent aller in Dresden lebenden Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren alkoholbedingt ins Krankenhaus kamen. Jungen hatten dabei im Durchschnitt 1,6 Promille im Blut, Mädchen mit 1,4 Promille nur unwesentlich weniger. In Extremfällen wurden bis zu 3,1 Promille festgestellt.

Fast alle Patienten hatten aus Spaß auf Wochenend-Parties in Abwesenheit von Erwachsenen getrunken. Im Gegensatz zu ihnen wiesen diejenigen Jugendlichen, die alleine, wegen Enttäuschungen oder am Abend vor einem Schul- oder Arbeitstag tranken, mehr Risikofaktoren für Sucht- und andere psychische Erkrankungen auf. Ein bestimmter Anteil der Jugendlichen war trotz hoher Alkoholspiegel auffallend wenig beeinträchtigt, was als Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Alkoholabhängigkeit bekannt ist.

Um der letzteren Beobachtung näher auf den Grund zu gehen, untersucht PD Dr. Zimmermann zusätzlich auch im Labor, inwiefern sich Alkoholwirkungen zwischen einzelnen Versuchspersonen unterscheiden. Dazu führen sich junge normal trinkende Erwachsene im Labor Alkohol selbst zu, bis sie erste Anzeichen eines Alkoholrausches spüren. Die dazu führenden Blutalkoholkonzentrationen variieren überraschend stark und können zwischen 0,3 und über 1 Promille liegen. Gegenwärtig wird untersucht, wie diese Unterschiede mit dem späteren Trinkverhalten zusammenhängen.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
PD Dr. med Ulrich Zimmermann
Oberarzt der Schwerpunktstation legale Suchtmittel
Tel. 0351 458 -5903
Fax 0351 458 5380
E-Mail ulrich.zimmermann@uniklinikum-dresden.de

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