Brustschmerz-Einheiten identifizieren Hochrisiko-Patienten und bieten optimale Therapie

„Jeder zweite bis dritte Patient, der eine CPU aufsucht, hat eine instabile Angina pectoris oder einen Herzinfarkt (akutes Koronarsyndrom), bedarf also einer schnellen und kompetenten herzmedizinischen Abklärung und Therapie“, so Prof. Dr. Evangelos Giannitsis (Heidelberg) nach einer ersten Auswertung des 2008 ins Leben gerufenen deutschen CPU-Registers bei einem Pressegespräch anlässlich der 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim. Die häufigsten Beschwerden bei der Aufnahme auf eine Brustschmerz-Einheit (Chest Pain Unit, CPU) sind Brustschmerzen (62 %) und Atemnot (23 %). „Nur ein Viertel der Patienten haben keine kardiologische Diagnose, sondern aus anderen Gründen Brustschmerzen.“

Die hohe Anzahl der Patienten, die eine CPU aufsuchen und an einem akuten Koronarsyndrom leiden, verdeutlicht den hohen Stellenwert solcher spezialisierten Einheiten. Prof. Giannitsis: „Nach einem Herzinfarkt kann schnelle und kompetente medizinische Betreuung über das weitere Schicksal der Patienten entscheiden. Daher ist es von großer Bedeutung, dass Personen, die unter Brustschmerzen oder anderen Symptomen leiden, die auf ein akutes Koronarsyndrom hinweisen können, schnellstens an ein kompetentes Zentrum kommen, um dort rasch Gefäß-eröffnenden („revaskularisierenden“) Maßnahmen zugeführt zu werden.“

Systematische Optimierung von Diagnose und Therapie

Das CPU-Register soll aber auch die Qualitätskontrolle verbessern und wissenschaftlich verwertbare Daten über die CPU und ihre Patienten liefern. Bisher hat die DGK rund 100 CPU-Zentren zertifiziert, davon nehmen 38 am CPU-Register teil. Erfasst wurden mehr als 15.000 Patienten.

Um hier die Qualität der Behandlung sicherzustellen, hat die DGK Kriterien zur Zertifizierung von CPU erstellt. Diese müssen eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen und optimal auf die Aufnahme von Patienten mit akutem Koronarsyndrom vorbereitet sein. Sie müssen zum Beispiel an ein Zentrum mit Herzkatheter angeschlossen sein, der 24 Stunden am Tag verfügbar ist und Koronar-Interventionen (PCI) anbietet. Die diensthabenden Ärzte müssen über entsprechende Ausbildung und Erfahrung verfügen. Eine CPU muss eine Mindestanzahl an Betten haben und von einem Kardiologen betreut werden.

Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass unter anderem das Aufnahme-EKG von Patienten innerhalb von zehn Minuten befundet wird und bei Bedarf ohne Verzögerung einer Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt wird. Alle Möglichkeiten zur Differenzialdiagnose von Brustschmerzen, also Röntgen, CT, Ultraschall, Blutgasanalysegeräte etc. müssen verfügbar und das entsprechende Personal vorhanden sein.

In den 38 am Register teilnehmenden CPU werden Patientendaten und Krankheitsgeschichte systematisch erhoben, darüber hinaus werden die Prozeduren innerhalb der CPU erfasst. Von großer Bedeutung ist neben der Erfassung von Daten zum Zeitpunkt der Einlieferung auch das Follow-up. Prof. Giannitsis. „Wir wollen also wissen, wie es mit dem Patienten weiter geht. Wichtige Fragen sind hier: Ist es zu einem erneuten Herzinfarkt gekommen? Musste der Patient noch einmal in ein Krankenhaus aufgenommen werden? Ist er verstorben? Zu diesem Zweck erfolgt drei Monate nach der Aufnahme auf der CPU ein telefonischer Anruf durch ein Call Center am Institut für Herzinfarktforschung.“

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Vom 27.-30. April 2011 in Mannheim:
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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

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