Blutstillung gewinnt an Bedeutung – Einsatz von Tourniquets

Ist eine Kompression der Wunde (z.B. mit einem Druckverband) nicht ausreicht oder in der gegebenen Situation nicht praktikabel, so erfolgt die Anlage eines Tourniquets, um lebensbedrohliche Blutungen aus Gliedmaßen zeitnah und temporär durch Abbindung der Blutzufuhr zu stoppen. Hierdurch wird ein fortdauernder und unkontrollierbarer Blutverlust vermieden, bis eine suffiziente Blutstillung auf andere Art und Weise möglich ist.

Handlungsempfehlung zur Anwendung
Die Arbeitsgruppe „Taktische Medizin“ des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat hierzu eine Handlungsempfehlung erarbeitet, die die Indikationen und einen Algorithmus zum Einsatz von Tourniquets im Bereich der zivilen Notfallmedizin beschreiben und ausdrücklich die Notwendigkeit zur Schulung von Rettungsfachpersonal und Notärzten zum richtigen Umgang mit diesem Hilfsmittel betonen.
Prof. Dr. Matthias Helm, Sprecher dieser Arbeitsgruppe, der als Anästhesist und Notfallmediziner der Bundeswehr große Erfahrung in der Akutversorgung solcher Verletzungen im In- und Ausland besitzt, begrüßt diese Initiative: „Unabhängig von Terrorlagen konnten wir bei stark blutenden Verletzungen von Gliedmaßen schon häufig auch im zivilen Notarztdienst den Blutverlust des Patienten durch den Einsatz eines Tourniquets deutlich minimieren.“
„Allerdings besteht bei unsachgemäßer Anwendung auch die Gefahr, eine Blutung nicht zu stoppen, sondern zu verstärken“, ergänzt Dr. Björn Hossfeld. Gemeinsam mit anderen Notfallmedizinern der Arbeitsgruppe „Taktische Medizin“ haben die beiden Bundeswehrärzte deshalb eine Handlungsempfehlung zur prähospitalen Anwendung von Tourniquets verfasst.

Minimierung des Blutverlustes
Die positiven Erfahrungen im militärischen Umfeld mit dieser schnellen, sicheren, effektiven und komplikationsarmen Blutstillung durch Anwendung des Tourniquets versprechen einen ebenso großen Nutzen in der zivilen prähospitalen Versorgung von lebensbedrohlich blutenden Verletzungen. Rechtsmediziner aus Berlin beschreiben in einer Begutachtung aller im Jahre 2010 in Berlin prähospital verstorbenen Traumapatienten Verbluten in 67,5% der Fälle als potentiell oder gar definitiv vermeidbare Todesursache. Bei einigen dieser Unfallopfer hätte die Verwendung eines Tourniquets den Blutverlust deutlich minimieren können. Nicht zuletzt deshalb ist die Anwendung von Tourniquets in den Leitlinien zur Schwerverletztenversorgung eine von allen medizinischen Fachgesellschaften anerkannte Maßnahme.
Um auf einen Terroranschlag vorbereitet zu sein, lässt das bayerische Innenministerium gerade alle Rettungswagen in diesem Bundesland u.a. auch mit solchen Tourniquets ausstatten.

Die Handlungsempfehlung des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI „Prähospitale Anwendung von Tourniquets“ ist einsehbar unter:
https://www.dgai.de/aktuelles/alle-meldungen-archiv/344-praehospitale-anwendung-von-tourniquets

Kontakt:
Dr. B. Hossfeld, OFA
Oberarzt
Klinik für Anästhesiologie & Intensivmedizin
Sektion Notfallmedizin
RTH Christoph 22
Bundeswehrkrankenhaus
89081 Ulm
www.traumateam.de

Die DGAI ist die anerkannte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und vereinigt fast 15.000 Ärztinnen und Ärzte zu gemeinsamer Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie um auf diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

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