Biophysiker Helmut Grubmüller erhält Frankfurter Rolf-Sammet-Gastprofessur

Hoch spezialisierte Proteine verrichten und steuern als molekulare Nanomaschinen praktisch alle Prozesse in den Zellen unseres Körpers. Sie transportieren zelluläre Fracht, wandeln Energie um oder sorgen für Wachstum und Bewegung. „Durch die Anwendung biophysikalischer Methoden lernen wir etwas darüber, wie Proteine ihre Aufgaben erfüllen und wie Krankheiten entstehen, falls diese nicht mehr richtig funktionieren oder sich falsch zusammenlagern“, erklärt Preisträger Helmut Grubmüller.

Um aufzuklären, wie diese nanotechnischen Wunderwerke ihre Arbeiten verrichten, setzt Grubmüller erfolgreich Computersimulationen ein. Mithilfe moderner Höchstleistungsparallelcomputer und ausgeklügelter numerischer Verfahren gelang es ihm und seinem Team in enger Zusammenarbeit mit experimentellen Gruppen, die Funktionsweise verschiedenster Proteine zu entschlüsseln.

So konnte das Team um Grubmüller beispielsweise die ATP-Synthase, den „kleinsten Motor der Welt“, erstmals quasi bei der Arbeit beobachten. In den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, produziert dieser nur 20 millionstel Millimeter große Proteinkomplex das Energiespeichermolekül ATP. Vergleichbar ist die Funktionsweise der ATP-Synthase mit der eines Ottomotors: Hier wie dort gibt es antreibende Kraftstöße, eine sich drehende „Kurbelwelle“ und sich bewegende „Zylinder“. In puncto Wirkungsgrad ist die ATP-Synthase dem Ottomotor sogar deutlich überlegen: Während dieser nur einen Bruchteil der thermodynamisch möglichen Leistung erzielt, schafft die ATP-Synthase nahezu 100 Prozent. Wie diese Energieübertragung im Detail funktioniert, konnte Grubmüller durch Computersimulationen aufklären.

Nach Fritz Peter Schäfer (1989) und Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen (1998) ist Helmut Grubmüller der dritte Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, der mit der Rolf-Sammet-Gastprofessur ausgezeichnt wird.

Über die Rolf-Sammet-Gastprofessur

Die Rolf-Sammet-Gastprofessur wird seit 1985 jährlich vom Rolf Sammet-Fonds der Frankfurter Aventis Foundation in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität in Frankfurt vergeben. Im Rahmen der Stiftungsprofessur wird ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Chemie/Biochemie nach Frankfurt eingeladen, um sein Forschungsgebiet und seine aktuellen Arbeiten vorzustellen. Die Professur umfasst neben Vorlesungen und Seminaren auch öffentliche Vorträge an der Universität Frankfurt. Unter den bisherigen 27 Rolf-Sammet-Gastprofessoren befinden sich zehn Nobelpreisträger. Die Professur ist nach dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Rolf Sammet, benannt.

Über den Preisträger

Helmut Grubmüller (Jahrgang 1965) studierte an der Technischen Universität München Physik und promovierte dort 1994. Danach forschte er bis 1998 als Assistent an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss wechselte er mit einem EMBO-Stipendium an die ETH Zürich (Schweiz). Als Leiter der Nachwuchsgruppe „Theoretische molekulare Biophysik“ kam er 1998 an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Im Jahr 2002 habilitierte sich Helmut Grubmüller in Physik an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2003 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Leiter der Abteilung „Theoretische und Computergestützte Biophysik“. Im Jahr 2005 wurde er Honorarprofessor für Physik an der Universität Göttingen.

Kontakt:

Prof. Dr. Helmut Grubmüller
Abteilung „Theoretische und Computergestützte Biophysik“
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Telefon: +49 551 201-2300
E-Mail: hgrubmu@​gwdg.de

Dr. Carmen Rotte
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Telefon: +49 551 201-1304
E-Mail: carmen.rotte@​mpibpc.mpg.de

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