Biochemie der Sepsis

Sphingolipide sind Allrounder: Galten die zur Gruppe der Fette gehörenden Naturstoffe lange Zeit als reine Strukturbestandteile der Zellmembran, so werden sie heute als zentrale Spieler bei der Regulation wichtiger Zellfunktionen erforscht. In Krankheitsprozessen ist ihr Mitwirken unter anderem bei neurodegenerativen Erkrankungen, Gewebeschäden nach Herzinfarkt oder Schlaganfall und bei Tumorerkrankungen nachgewiesen. Auch an immunologischen und Entzündungsprozessen sind Sphingolipide beteiligt, was sie ins Visier der Sepsisforschung rückt.

„Die Sphingolipide und ihre auf nahezu allen Zelloberflächen vorkommenden Rezeptoren regeln zum Beispiel den Austritt von Lymphozyten und die Durchlässigkeit von Gefäßwänden, zwei Prozesse, die bei einer Sepsis wesentlich gestört sein können“, erklärt Professor Markus Gräler. Der 41-jährige Biochemiker hat seit diesem Jahr eine Professur für Sepsisforschung in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Uniklinikums inne. In seinen Laboren im Zentrum für Molekulare Biomedizin auf dem Beutenberg erforscht er mit derzeit sechs Mitarbeitern die Signaltransduktion von Lipiden und Lipidrezeptoren bei immunologischen Prozessen.

Dabei verfolgt er den Stoffwechsel und die Signalweiterleitung der Sphingolipidmoleküle nicht nur unter dem Floureszenzmikroskop, sondern auch mithilfe speziell angepasster massenspektrometrischer Messungen. „Aktuell wollen wir untersuchen, ob ein für die Multiple-Sklerose-Therapie zugelassener Wirkstoff, der in den Sphingolipidsignalweg eingreift, auch pathologische Mechanismen bei einer Sepsis beeinflusst“, so Markus Gräler zu einem Projekt im Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen. Für weitere Forschungsthemen sind schon vielfältige Kontakte zu den Lebenswissenschaftlern an Universität, Klinikum und Beutenberginstituten geknüpft. Mit Laborkursen und Spezialvorlesungen beteiligt sich Professor Gräler am Doktorandenprogramm und der Summer School Molecular Medicine der Medizinischen Fakultät. Für das derzeit entstehende neigungsorientierte Medizinstudium sieht er in der Ausgestaltung des forschungsorientierten Zweigs eine spannende Lehraufgabe.

Nach seinem Biochemiestudium in Berlin und der Promotion am Max-Delbrück-Zentrum arbeitete Markus Gräler als PostDoc in San Francisco und leitete anschließend eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe zur Rolle der Sphingolipide bei Immunprozessen an der Medizinischen Hochschule Hannover. Zuletzt erforschte er mit einer eigenen Arbeitsgruppe am Molekularen Krebsforschungszentrum der Charité Berlin die Lipidsignalwege bei Lymphomen und ist in das Sphingolipid-Schwerpunktprogramm der DFG eingebunden.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Gräler,
CMB, Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Uniklinikum Jena
Tel.: 03641/9395715
E-Mail: Markus.Graelermed.uni-jena.de

Scroll to Top