Bin ich schuld, dass Papa krank ist?

Kinder von sucht- oder psychisch kranken Eltern versuchen, nach außen alles normal erscheinen zu lassen. Sie übernehmen oft viel Verantwortung in ihrer Familie – mehr als ein Kind eigentlich kann. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist hoch. Das Programm „Echt stark!“ hilft betroffenen Kindern und Jugendlichen, mehr über die Erkrankung ihrer Eltern und den Umgang damit zu lernen, und bezieht die ganze Familie mit ein. Die Stadt Ulm übernimmt die Förderung des wichtigen Angebots, das in einem von der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg finanzierten Projekt der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie entwickelt wurde. Ab diesem Herbst bieten die Caritas Ulm und die Klinik das Hilfsprogramm im Auftrag der Stadt gemeinsam an.

„In unserer Beratungsstelle begegnen wir vielen Familien, deren Kinder mit den Depressionen oder der Alkoholsucht ihrer Eltern überfordert sind,“ berichtet Andreas Mattenschlager, Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung der Caritas Ulm. „Wir freuen uns, dass wir das Programm ‚Echt stark!‘ nun über unsere Beratungsstelle anbieten können. Die Entscheidung der Familien, diese spezielle Hilfe anzunehmen und damit Stärke für ihre Kinder zu zeigen, wird so erleichtert.“ An zehn Gruppenterminen erfahren die Kinder, was die Erkrankungen ihrer Eltern bedeuten, wie sie als Kinder damit umgehen können — und dass sie nicht allein sind. Auch die Eltern sind in das Hilfsprogramm eingebunden. Die Gruppe im Herbst wird von je einer Psychologin der Caritas und des Klinikums betreut. Ab 2013 liegt die Durchführung der Gruppen ganz bei der Caritas.

„Wir wollen dieses wichtige Hilfsangebot in Ulm erhalten. Die Hilfe ist bitter nötig, denn oft werden die Probleme von psychischen oder Suchterkrankungen über Generationen weitergegeben“, erläutert Siegfried Sauter, Leiter des Fachbereichs Bildung und Soziales der Stadt Ulm. „Die große Aufgabe besteht darin, die Betroffenen zu ermutigen, die Hilfe anzunehmen, denn Sucht und psychische Erkrankungen sind immer noch Tabuthemen. Wir wollen hier auch verstärkt Familien ansprechen, in denen die Eltern Drogen, auch illegale Drogen, nehmen.“ Die Stadt Ulm finanziert „Echt stark!“ zunächst für ein Jahr über Projektgelder und eine Spendenzuwendung durch ein ortsansässiges Bekleidungshaus; sie prüft dann den Übergang in das Regelangebot, das komplett von der Caritas getragen werden soll.

In der Startphase von „Echt stark!“ an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie wurden von 2009 bis heute mit 59 Familien, zu denen 109 Kinder gehören, Beratungsgespräche geführt. 41 Kinder nahmen an den Gruppenangeboten teil. „Unsere Erfahrung ist, dass sich durch Echt stark! der Druck auf die Kinder abbaut, weil sie erfahren, dass sie trotz ihrer besonderen Familiensituation Kinder sein dürfen und dass es außerhalb der Familie Hilfe gibt“, erzählt Oberärztin PD Dr. Ulrike Schulze, die das Hilfsprogramm mit ihrem Team entwickelt und gestartet hat. „Kinder und Eltern sprechen in der Gruppe mehr über ihre Gefühle und auch verstärkt miteinander über die Krankheit und den Umgang damit.“ Im Raum Ulm/Alb-Donau leben einer groben Schätzung nach etwa 1.000 Kinder mit sucht- oder psychisch kranken Eltern, genaue Zahlen gibt es nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Schultze

Universitätsklinikum Ulm
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