Bildgestützte Brachytherapie: Höhere Präzision durch 3-D-Planung

Der Begriff Brachytherapie leitet sich von dem griechischen Wort brachys ab, was übersetzt kurz oder nah bedeutet. Und genau das kann die gleichnamige Therapie leisten. Feine Katheter werden in unmittelbarer Nähe zum Tumorgewebe platziert. In diese Schläuche wird dann im sogenannten Nachladeverfahren automatisch eine kleine Strahlungsquelle eingefahren. Mithilfe einer Computersteuerung bewegt sich die Strahlenquelle dort je nach gewünschter Intensität langsamer oder schneller durch den Tumor und sorgt so für die Bestrahlung. Bislang wird die Brachytherapie, die in Sachsen an mehreren Orten mit hoher Kompetenz angeboten wird, meist dann angewandt wenn ein Hohlorgan, zum Beispiel der weibliche Genitaltrakt, vom Tumor betroffen ist. Die Brachytherapie ist eine sinnvolle Ergänzung zur modernen konformalen Strahlentherapie von außen, die heute den Goldstandard der Strahlenbehandlung bei den meisten Krebserkrankungen darstellt.

Die Besonderheit der neuen Dresdner Brachytherapie-Anlage ist, dass sie über einen angeschlossenen fahrbaren Computertomographen (CT) im Beshandlungsraum verfügt. Damit können direkt bei der Bestrahlung bei liegenden Brachytherepiesonden hochauflösende Aufnahmen vom Tumor und von gesunden Organen in der Umgebung erzeugt werden. Anhand dieser Bilder wird die „Fahrt“ der Strahlenquelle durch das Tumorgewebe genau programmiert. Hierdurch kann die gewünschte Dosis im Tumor präzise und dreidimensional verabreicht werden und gleichzeitig das gesunde umliegende Gewebe optimal geschont werden. Diese Therapie ist eine wichtige Ergänzung bisheriger Möglichkeiten vor allem für Patienten, bei denen die Brachytherapie mit einer Strahlentherapie von außen kombiniert wird, bei denen der Tumor nicht direkt über Hohlorgane erreicht werden kann sondern die Sonden CT-gesteuert in den Tumor gelegt werden müssen und bei Patienten, die bereits früher eine Strahlentherapie der gleichen Region erhalten haben.

„In der ersten Zeit werden wir neben gynäkologischen Tumoren vor allem Krebspatienten behandeln, die unter einem sogenannten Rezidiv leiden, also einem Tumor, der nach einer ersten Therapie an der gleichen Stelle wieder auftritt“, sagt Prof. Michael Baumann, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. „In bestimmten Fällen können wir diese Patienten nicht ein zweites Mal von außen bestrahlen, weil dies möglicherweise zu schweren Schäden an gesunden Geweben führen könnte. Hier verfügen wir mit der bildgestützten dreidimensionalen Brachytherapie nun über eine schonende Behandlungsalternative“, so Prof. Baumann weiter. Ein Therapieschwerpunkt wird auch die Bestrahlung ungünstig gelegener Tumore von Brustkrebspatientinnen sein.

Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Dresdner Uniklinikums verfügt bereits über langjährige Erfahrungen in der Brachytherapie. Neben der Strahlentherapie über Sonden im Nachladeverfahren werden in Kooperation mit den Urologen des Uniklinikums bereits seit Jahren bei kleinen Prostatakarzinomen auch kleine Strahlungsquellen, sogenannte Seeds, dauerhaft implantiert.
Nach der jetzt beginnenden Startphase der bildgestützten dreidimensionalen Brachytherapie im Nachladeverfahren soll das Einsatzgebiet nach und nach erweitert werden. Ziel ist es, innerhalb des Universtitäts KrebsCentrums Dresden (UCC) in Kooperation mit Spezialisten verschiedener Fachrichtungen, beispielsweise der Chirurgie, Gynäkologie und HNO, die bildgestützte Brachytherapie in allen Spezialfällen einzusetzen, wo mit einem besseren Ergebnis als mit einer alleinigen von außen angewandte modernen Strahlentherapie gerechnet werden kann.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Direktor: Prof. Michael Baumann
Tel. 0351/ 4 58 20 95
E-Mail: michael.baumann@uniklinikum-dresden.de

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