BfS will Strahlenschutz in Europa vorantreiben

BfS-Experten beteiligen sich maßgeblich an europäischer Forschungskooperation

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wirkt gezielt an der Stärkung der internationalen Strahlenschutzforschung mit. Neuer Präsident der europäischen Forschungsplattform MELODI (Multidisciplinary European Low Dose Initiative) ist der Leiter des BfS-Fachbereichs „Strahlenschutz und Gesundheit“, Dr. Thomas Jung. MELODI koordiniert europaweit die effektive und nachhaltige Forschung auf dem Gebiet des Strahlenrisikos im Niedrig-Dosis-Bereich. Hierfür wird kontinuierlich eine langfristige strategische Forschungsagenda (Strategic Research Agenda, SRA) für Forschungsarbeiten über das Strahlenrisiko fortentwickelt, woran die Leiterin der Abteilung „Wirkungen und Risiken ionisierender und nichtionisierender Strahlung“ im BfS, PD Dr. Michaela Kreuzer, federführend beteiligt ist.

Auch nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland ist das Strahlenrisiko in Deutschland nicht verschwunden. Entwicklungen in Technik und Gesundheitswesen bringen Neuerungen mit sich, die verstärkt wissenschaftliche und ethische Fragen zu Wirkungen und Risiken für Einzelpersonen aufwerfen und neue Herausforderungen an Medizin, Wissenschaft, Ethik und Politik stellen. Moderne Konzepte zum Strahlenschutz müssen diese Entwicklungen aufgreifen und in einen gesetzlichen Rahmen in Europa und Deutschland eingebunden werden. Das BfS beteiligt sich daher mit seiner wissenschaftlichen und regulatorischen Kompetenz gezielt an den europäischen Initiativen zur Strahlenschutzforschung.

MELODI wurde 2010 als eingetragener Verein mit 15 Mitgliedern aus 11 europäischen Ländern gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch das BfS. In der strategischen Forschungsagenda werden drei Forschungsbereiche in der Strahlenrisikoforschung bei niedriger Dosis oder Dosisrate identifiziert, in denen bisher offene Fragestellungen bearbeitet werden sollen. Dazu zählen

• Dosis- und Dosisratenabhängigkeit des Krebsrisikos,
• strahlungsbedingte Nicht-Krebseffekte und
• die individuelle Strahlenempfindlichkeit.

Für ein besseres Verständnis der Gefährdung durch Strahlung im Niedrig-Dosis-Bereich

Ziel für alle drei Teilbereiche ist es, ein besseres Verständnis für diejenigen biologischen Mechanismen zu entwickeln, die zu den strahlenbedingten Erkrankungen beitragen. Darüber hinaus soll die epidemiologische Forschung für eine bessere Gesundheitsrisikobewertung vorangetrieben sowie Wirkungen und Risiken von internen Strahlenexpositionen, unterschiedlichen Strahlenqualitäten und inhomogenen Expositionen eingehender untersucht werden. Die neueste Version der Strategischen Forschungsagenda von MELODI wurde jüngst unter der Federführung von PD Dr. Michaela Kreuzer in der Wissenschaftszeitschrift „Radiation and Environmental Biophysics“ veröffentlicht.

Neben der aktiven Beteiligung an MELODI koordiniert das BfS das gemeinsame europäische Strahlenschutzforschungsprogramm CONCERT. Ziel von CONCERT ist es, basierend auf den strategischen Programmen der europäischen Forschungsplattformen ein gemeinsames Programm für Strahlenschutzforschung zu etablieren. Neben MELODI (Strahlenrisiko im Niedrigdosisbereich) gehören zu den Plattformen ALLIANCE (Radioökologie), NERIS (Nuklearer und radiologischer Notfallschutz) und EURADOS (Dosimetrie) sowie EURAMED (Strahlenschutz in der Medizin). Damit sollen der Strahlenschutz in Europa verbessert, offene Fragen beantwortet und wissenschaftliche Unsicherheiten reduziert sowie die Umsetzung der EURATOM-Grundnormen in nationale gesetzliche Regelungen wissenschaftlich unterstützt werden. CONCERT ist die Bezeichnung des „European Joint Programme for the Integration of Radiation Protection Research”.

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