Beschlüsse des Gesundheitsforschungsrats zu Versorgungsforschung und nationalem Mortalitätsregister

Der Stand der Versorgungsforschung in Deutschland wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Aus der Sicht der Kostenträger berichtete Frau Dr. Pfeiffer vom GKV-Spitzenverband über die Bedeutung der Versorgungsforschung für die GKV sowie über die gemeinsamen mit dem BMBF durchgeführten Förderschwerpunkte. Besondere Zukunftsaufgaben sieht sie im Aufbau von Forschungskapazitäten und -strukturen, die eine rasche Prüfung neuer Behandlungsverfahren hinsichtlich ihres Nutzens ermöglichen. Von Seiten der Wissenschaft gab Professor Raspe eine systematische Einordnung der Versorgungsforschung und ihre Abgrenzung zur klinischen Forschung. Dabei betonte er die Multidisziplinarität der Versorgungsforschung und verwies auf die Notwendigkeit von Grundlagenfoschung im Forschungsfeld der Versorgungsforschung. Professor Scriba berichtete aus Sicht der Leistungserbringer über die Förderinitiative der Bundesärztekammer, die mit ihren besonderen Instrumenten zur Transparenz in den laufenden und abgeschlossenen Projekten und damit zur Umsetzung beiträgt.
Neben den zahlreichen Schwerpunkten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit Bezügen zu Versorgungsforschung berichteten auch das Bundesministerium für Gesundheit und die Deutsche Rentenversicherung über ihre jeweiligen Aktivitäten. Der Gesundheitsforschungsrat würdigte in einem Beschluss die Aufbauleistungen der verschiedenen Förderer, sah wie alle Berichterstatter mit Blick auf den Bedarf im Gesundheitswesen das Erfordernis, die Versorgungsforschung auszubauen und weiter zu entwickeln und sprach die politischen Voraussetzungen an, die es den Institutionen im Gesundheitswesen erlauben sollten, Versorgungsforschung im Hinblick auf ihre Aufgaben selbständig anzustoßen und unterstützen zu können. Für die Weiterentwicklung der Versorgungsforschung und zur Abstimmung zwischen den Förderern regte der GFR die Bildung einer Arbeitsgruppe an.

Der Beschluss des GFR zu Stand und Perspektiven der Versorgungsforschung und ein Überblick zur Förderung der Versorgungsforschung in Deutschland finden sich hier:

Eine vom Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten eingesetzte Arbeitsgruppe hat ein Konzept zum Aufbau eines nationalen Mortalitätsregisters für Deutschland erarbeitet, das dem GFR von Professor Mueller als dem Sprecher der Arbeitsgruppe vorgestellt wurde. Der GFR hob in seinem Beschluss die Bedeutung eines Mortalitätsregisters sowohl im Hinblick auf Fragen der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen als auch für weiterführende Ansätze in der Gesundheitsforschung hervor. Namentlich die in Vorbereitung befindliche Nationale Kohorte könne – wie auch viele andere Studien – von einem Mortalitätsregister erhebliche Unterstützung erfahren. Der GFR bat in seinem Beschluss die Bundesregierung, die gesetzlichen und administrativen Voraussetzungen zu prüfen, die für den Aufbau eines Mortalitätsregisters erforderlich sind.

Der Beschluss des GFR zum nationalen Mortalitätsregister findet sich hier:

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der klinischen Forschung bestehen jenseits der allgemein zu konstatierenden Risiken und Hindernisse bei akademischen Karrieren besondere Hürden. So ist neben dem ohnehin langen Studium, das eher praktisch auf den Beruf des Arztes als auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet, auch die 5-6 jährige Weiterbildung zum Facharzt eine unverzichtbare Ausbildungsphase für den klinischen Forscher, die die Ausbildung verlängert, ohne dass Forschungszeiten in relevantem Umfang auf die Weiterbildung angerechnet werden können. Der Präsident des Medizinischen Fakultätentags, Professor Bitter-Suermann ging auf die besonderen Herausforderungen in der Studienphase ein, die sich im Hinblick auf eine wissenschaftliche Laufbahn stellen. Professor Schölmerich beleuchtete als Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Schwierigkeiten und Herausforderungen der Postdoc-Phase und wies auf die Förderinstrumente der DFG hin und Frau Professor Simon vom Wissenschaftsrat verwies u. a. auf übergreifende Aspekte von Ausbildung und Forschung in der Humanmedizin und in den akademischen Gesundheitsfachberufen. Alle drei Beiträge machten auf eine unzureichende Datenlage zur Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses für die klinische Forschung aufmerksam. Um gezielte und fundierte Verbesserungsvorschläge für den wissenschaftlichen Nachwuchs planen und umsetzen zu können, müssen vorhandene Daten und Erkenntnisse zusammengetragen werden und ergänzende Untersuchungen angestoßen werden. Der GFR hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung gebeten, die verfügbaren Daten zu prüfen und ergänzende Untersuchungen zur Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in der klinischen Forschung in Auftrag zu geben.

Kontakt:
Geschäftsstelle des Gesundheitsforschungsrats
Frau PD Dr. Anne Lücke
Tel.: 0049 228 3821-198
Fax: 0049 228 3821-257
E-Mail: anne.luecke@dlr.de

Scroll to Top