Bertha Benz-Vorlesung 2017: „Zukunftsvisionen einer digitalisierten Gesundheitsversorgung“

Die massenhafte Erhebung sowie die digitale Verfügbarkeit personenbezogener Daten eröffnet der medizinischen Forschung völlig neue Horizonte. Durch die systematische Aufbereitung von Daten zu Gesundheit, individueller Disposition und Lebensstil könnte schon bald eine sogenannte Präzisionsmedizin entstehen. Medikamente und Therapien werden auf das persönliche Gewebe- und Stoffwechselprofil abgestimmt und mehr noch: Präventive Verhaltensempfehlungen für Sport, Ernährung und Medikation sollen helfen, das Entstehen von Krankheiten überhaupt zu verhindern. Jeder Bürger hätte seine Gesundheitsdaten auf dem Smartphone verfügbar und könnte sich ein effektives Paket aus Gesundheitsdienstleistungen zusammenstellen.
Mit den faszinierenden Chancen einer individualisierten Gesundheitsversorgung gehen aber auch große ethische Herausforderungen einher. Wie können unsere hochsensiblen Gesundheitsdaten ausreichend geschützt werden? Wer gewährleistet die Sicherheit von Gesundheits-Apps und damit unsere Privatsphäre? Werden wir zum gläsernen Patienten? Oder wird unser bisher solidarisches Gesundheitssystem am Ende gar von einer datengesteuerten Gesundheitsdiktatur untergraben?
Christiane Woopen wird in ihrem Vortrag der Frage nachgehen, wie wir die Chancen einer digitalisierten Gesundheitsversorgung nutzen und gleichzeitig deren ethische Herausforderungen meistern können.

Zur Person: Prof. Dr. Christiane Woopen studierte Humanmedizin und Philosophie in Köln, Bonn und Hagen. An der Universität zu Köln ist sie geschäftsführende Direktorin des Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health, das sich inter- und transdisziplinärer Forschung und Beratung widmet, und in dessen Fokus die Themen Altern und demografischer Wandel, Gesundheitskompetenz sowie Gesundheit und Gesellschaft im digitalen Zeitalter stehen. Als Professorin für Ethik und Theorie der Medizin leitet sie zudem die Forschungsstelle Ethik an der Medizinischen Fakultät, an der sie auch Prodekanin für akademische Entwicklung und Gender ist. Von 2012 bis 2016 war sie Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und von 2014 bis 2016 Präsidentin des 11. Global Summit of National Ethics Committees. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten ist Christiane Woopen Mitglied im International Bioethics Committee der UNESCO sowie seit April 2017 in der European Group on Science and New Technologies, die die EU-Kommission berät.

Zur Bertha Benz-Vorlesung
Durch ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre energische Anteilnahme an den Erfindungen ihres Ehemannes avancierte Bertha Benz zu einer Pionierin der Technik – ein Gebiet, zu dem Frauen ihrer Zeit üblicherweise keinen Zugang hatten. Im August 1888 fuhr sie mit dem Patent-Motorwagen von Carl Benz von Mannheim nach Pforzheim und bewies so erstmals die Tauglichkeit des Automobils für Fernfahrten.
Seit 1987 erinnert die Daimler und Benz Stiftung mit der Vortragsreihe an diese tatkräftige Frau und betont damit die Bedeutung von Frauen in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Als Vortragende sprechen Frauen aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Themen ihrer Wahl. Im Rahmen der Bertha Benz-Vorlesung wird der Bertha Benz-Preis verliehen. Mit dem Preis würdigt die Daimler und Benz Stiftung die herausragende Promotion einer jungen deutschen Ingenieurin. Er wird einmal jährlich verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Rückfragen bitte an:
Dr. Johannes Schnurr
Pressesprecher
Tel.: 06203-10 92 0
mobil: 0176-216 446 92
E-Mail: schnurr@daimler-benz-stiftung.de

Daimler und Benz Stiftung
Impulse für Wissen – die Daimler und Benz Stiftung verstärkt Prozesse der Wissensgenerierung. Ihr Fokus richtet sich dabei auf die Förderung junger Wissenschaftler, fachübergreifende Kooperationen sowie Forschungsprojekte aus sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Die operativ tätige und gemeinnützige Stiftung zählt zu den großen wissenschaftsfördernden Stiftungen Deutschlands.

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