Begleitforschung für den Erfolg von Diagnostik vor Ort

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert elf Konsortien mit dem Ziel, mobile Mikrosysteme für die medizinische Diagnostik zu entwickeln, die zu marktfähigen Produkten werden sollen. Mit solchen mobilen Diagnostiksystemen lassen sich medizinische Analytik und Diagnostik vor Ort statt im Zentrallabor durchführen, beispielsweise am Krankenhausbett, in der Apotheke, durch den Notarzt oder sogar durch die Patienten selbst.

Seit langem sind sehr einfache dieser patientennahen Schnelltests, wie Schwangerschaftstests oder Blutzucker-Teststäbchen, auf dem Markt. Künftig sollen patientennahe Diagnosen jedoch für viele andere Krankheiten mit technisch deutlich anspruchsvolleren mobilen Diagnostiksystemen gestellt werden können.

Dr. Bärbel Hüsing, Projektleiterin am Fraunhofer ISI, betont: „Wenn der Transfer dieser Entwicklungen in kommerziell erfolgreiche Medizinprodukte gelingen soll, müssen große wissenschaftlich-technologische, ökonomische sowie regulatorische Herausforderungen bewältigt werden.“ So muss beispielsweise die Messgenauigkeit der mobilen Geräte mit Laborwerten vergleichbar sein, gleichzeitig sollen sie robust und einfach zu handhaben und in bestehende Klinik- und Laborinformationssysteme integrierbar sein. Vor allem aber muss die patientennahe Diagnostik den Anforderungen der Anwender in der medizinischen Versorgung gerecht werden, damit sie die Labordiagnostik teilweise ersetzen und teilweise ergänzen kann.

Um diese und weitere Innovationshürden zu identifizieren und die geförderten Konsortien bei deren Überwindung zu unterstützen, hat das BMBF das Begleitforschungsvorhaben zu mobilen Diagnostiksystemen initiiert.

Unter Leitung des Fraunhofer ISI arbeiten der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (Dr. Cord Schlötelburg), das Institut für Mikrotechnik Mainz GmbH (Dr. Klaus Drese, Dr. Ralf Himmelreich), das Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der Technischen Universität München/Klinikum rechts der Isar (Prof. Peter B. Luppa) und die Forschungsstelle für Medizinprodukterecht der Universität Augsburg (Prof. Ulrich M. Gassner) an dem Projekt. Ihre spezifische Expertise deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung und Entwicklung über Zulassung, Kostenerstattung, Standardisierung und Normung bis hin zur medizinischen Anwendung der mobilen Diagnostiksysteme ab.

Die Begleitforschung gliedert sich in drei Hauptaufgaben:

1. Charakterisierung des technologischen Innovationssystems der mobilen Diagnostiksysteme: Hier sollen grundlegende Erkenntnisse über das Innovationssystem der mobilen Diagnostiksysteme gewonnen werden. Dafür werden die gesamte Wertschöpfungskette sowie alle relevanten Phasen des Innovationsprozesses untersucht. Aus diesen Analysen sollen Handlungsoptionen und Empfehlungen dafür abgeleitet werden, wie der Wissens- und Technologietransfer für eine erfolgreiche Markterschließung gelingen kann.

2. Wissenstransfer: Das im ersten Projektteil erarbeitete Wissen wird handlungsorientiert aufbereitet und den elf vom BMBF geförderten Verbundprojekten über verschiedene Formate in etwa viermonatigem Abstand zur Verfügung gestellt.

3. Vernetzung und Nachhaltigkeit: Ziel ist es, die Aufmerksamkeit für mobile Diagnostiksysteme zu wecken und den Bekanntheitsgrad in Fachkreisen zu erhöhen, indem aktives Wissenschaftsmarketing betrieben wird. Zudem soll auf eine nachhaltige Vernetzung der geförderten Projekte mit dauerhaft bestehenden Netzwerken und Expertengruppen hingewirkt werden. So soll gewährleistet werden, dass die während des Projekts erarbeiteten Inhalte, Netzwerke und Aktivitäten auch nach Abschluss der Begleitforschung weitergeführt werden.

Während der dreijährigen Laufzeit werden den Konsortien regelmäßig Ergebnisse in Form von Arbeitspapieren, Workshops, Vorträgen und Webinaren zur Verfügung gestellt.

Mehr Informationen zum Themenschwerpunkt „Mobile Diagnostiksysteme“ im Rahmen des Förderprogramms „IKT 2020 – Forschung für Innovation“ gibt es unter . Informationen zum Begleitforschungsprojekt gibt es unter .

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Twitter: @Fraunhofer_KA

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

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