BAuA und LIA.NRW veranstalteten Fachtagung „Restrukturierung und Gesundheit“

Wuppertal – Auswirkungen von Veränderungen in Unternehmen auf die Beschäftigten beleuchtete die Fachtagung „Restrukturierung und Gesundheit – Aktuelle Erkenntnisse und Forschungsfragen“, am 20. September 2012 in der historischen Stadthalle Wuppertal. Rund 60 Experten tauschten sich über den aktuellen Stand der Forschung aus. Die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) gemeinsam veranstaltete Fachtagung zeigte, dass sowohl die Anzahl psychischer Erkrankungen als auch die Anzahl der Restrukturierungsmaßnahmen in Deutschland zugenommen haben. Auch lässt sich eine höhere psychische Belastung in restrukturierten Unternehmen feststellen.

Der Trend zur Anpassung an veränderte Bedingungen am Markt und im Wettbewerb hält an. Unternehmen und Organisationen reagieren dabei mit einem Strauß von Maßnahmen wie Stellenabbau, Fusionen, Outsourcing, Geschäftserweiterungen oder neuen Managementsystemen. Die vielfältigen und oft umfassenden Maßnahmen der Restrukturierung entwickeln teilweise eine eigene Dynamik oder werden bereits abgelöst, bevor sie umfassend umgesetzt sind.

Beschäftigte erleben die Restrukturierungsanstrengungen häufig als vermehrten Stress. So steigt mit der Zahl der Veränderungsmaßnahmen auch das Risiko für Stress und Arbeitsdruck sowie für gestiegene Arbeitsanforderungen. Zudem belastet die Ungewissheit, ob der Arbeitsplatz erhalten bleibt. „Viele Betroffene erleben die Veränderungen wie eine ungesicherte Achterbahnfahrt im Dunkeln. Auch wenn sie nicht aus der Bahn geworfen werden, bleibt das Erlebnis häufig nicht ohne Folgen“, sagt Dr. Birgit Köper, BAuA. „Neben körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Rückenschmerzen oder Erschöpfung leiden auch die Loyalität, Arbeitszufriedenheit und die Identifikation mit der Aufgabe.“ „Diese Folgen können jedoch gemildert werden“, ergänzt Dr. Kai Seiler vom LIA.NRW. „Wir wissen, dass sich Kommunikation, Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen sowie Führungsverhalten positiv auswirken. Wir kennen jedoch noch nicht alle Wirkungsmechanismen.“

Die Vorträge und Diskussionen verdeutlichten den Forschungsbedarf, um praxisnahe Handlungshilfen entwickeln zu können. Angesichts steigender Fehlzeiten und Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen kann die belastungsgünstige Gestaltung von Restrukturierung einen deutlichen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen haben. Auch aus diesem Grund wird das Thema künftig an Bedeutung gewinnen.

Die Dokumentation der Fachtagung wird in der Novemberausgabe der Zeitschrift für Arbeitswissenschaft erscheinen. Das LIA.NRW hat unter dem Titel „Den Wandel gestalten – langfristig erfolgreich restrukturieren“ einen Leitfaden für Personalverantwortliche und Führungskräfte veröffentlicht. Die Broschüre steht als Download unter > Publikationen zur Verfügung oder kann als Druckversion kostenfrei per E-Mail über bestellt werden. Die BAuA stellt unter www.baua.de im Bereich „Themen von A-Z“ in der Rubrik Restrukturierung weitere Informationen zur Verfügung.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Anstöße für gesundes Arbeiten
Zukunftsweisende Fragen und Problemstellungen aus der Arbeitswelt erkennen, Gestaltungsansätze entwickeln und Erkenntnisse verbreiten, das sind Aufgaben und Ziele des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen. Das LIA.NRW berät und unterstützt die Landesregierung NRW und die staatliche Arbeitsschutzverwaltung des Landes in Fragen der Sicherheit, des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt. Mit der Geräteuntersuchungsstelle und der Strahlenmessstelle nimmt das Institut darüber hinaus sicherheitstechnische Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung wahr.

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