Schwere Last für den Rücken – Übergewicht birgt erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle

Zusätzliche Pfunde drücken nicht nur auf Hüft-, Knie- und Sprunggelenke, sondern auch auf die Wirbelsäule. „Besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule steigt die Belastung aufgrund der Körperstatik doppelt an. Hier wirken große Kräfte“, erklärt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde in München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Frühzeitige Verschleißerscheinungen wie Arthrose oder sogar Bandscheibenvorfälle gehören zu den Folgen. Um Risikofaktoren von Anfang an zu minimieren, raten Experten zu einem gesunden und bewegungsreichen Lebensstil. Kommt es dennoch zu einem Bandscheibenvorfall, helfen minimalinvasive Therapien mit Hitzesonde, Mikrolaser oder Wirbelsäulenkatheter Patienten schnell wieder auf die Beine.

Dauerbelastung für Bandscheiben

23 Bandscheiben wirken zwischen den Wirbeln wie Stoßdämpfer, um hohe Belastungen oder ruckartige Bewegungen abzufedern. „Bei ständigen Reizen, wie zum Beispiel bei Übergewicht, kann der Faserring reißen. Die gallertartige Masse der Bandscheibe tritt aus und drückt auf sensible Nachbarareale, also Nerven und Rückenmark“, erläutert Dr. Schneiderhan. Liegt zusätzlich eine geschwächte Bauch- und Rückenmuskulatur vor, verliert die Wirbelsäule eine wichtige Stütze, die im Idealfall den Rücken wie ein Korsett hält. Daher zeigt ein aktiver Alltag gleich doppelten Effekt: Überschüssige Kilos verschwinden und die mit der Zeit aufgebaute Muskulatur entlastet Wirbel und Bandscheiben zusätzlich.

Minimalinvasiv gegen Schmerzen

Experten schätzen, dass etwa 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle konservativ behandelbar sind und ohne Operation auskommen. Zeigen Wärmetherapie, Schmerzmittelgabe oder Physiotherapie keine ausreichende Wirkung, lässt sich häufig mit minimalinvasiven Eingriffen Linderung erzielen. Bei einigen Verfahren führen Spezialisten lediglich eine feine Sonde direkt an den Schmerzherd. „Mit dem Mikrolaser verschließen wir nicht nur kleine Bandscheibenrisse, sondern unterbinden zugleich die Schmerzweiterleitung zum Gehirn“, beschreibt Dr. Schneiderhan. Über den Wirbelsäulenkatheter dagegen injiziert der Orthopäde einen speziellen schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten-Mix. Zusätzlich lässt Kochsalzlösung die Bandscheiben abschwellen und entlastet betroffene Nerven. Mit der Hitzesonde, auch Thermokoagulation genannt, veröden Mediziner die Schmerzfasern und stoppen dadurch die Aussendung der Schmerzsignale an das Gehirn.

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