Ballonpumpe beim herzbedingten Schock: Sicher, aber ohne zusätzlichen Nutzen

Die in die Hauptschlagader eingesetzte Ballonpumpe (intraaortale Ballongegenpulsation) bringt Patienten, die sich nach einem akuten Herzinfarkt in einem lebensbedrohlichen Zustand (kardiogener Schock) befinden, keinen Vorteil gegenüber der alleinigen Katheter-Intervention zur Wiedereröffnung verschlossener Herzkranzgefäße. Zu diesem überraschenden Ergebnis kam die IABP-SHOCK-II-Studie, die mit 600 Patienten größte bisher durchgeführte interventionelle Studie zum kardiogenen Schock. Die Daten von IABP-SHOCK-II wurden heute auf dem Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) in München präsentiert und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Rund fünf bis zehn Prozent der Patienten geraten nach einem akuten Myokardinfarkt je nach Infarktgröße in einen kardiogenen Schock. In den letzten Jahren ist es gelungen, durch interventionelle Maßnahmen, insbesondere die bestmögliche Wiederherstellung der Durchblutung des Herzmuskels (Revaskularisation), die Sterblichkeit von rund 80 auf etwa 40 Prozent zu senken.

Ein Gerät, das seit langem in der Behandlung von Patienten im kardiogenen Schock Anwendung fand, ist die intraaortale Ballonpumpe (IABP). Dabei handelt es sich um einen Ballon in der Hauptschlagader (Aorta), der gegenläufig zur Aktion des Herzmuskels aufgepumpt und wieder entspannt wird. Dies erhöht und verlängert in der Entspannungsphase (Diastole) den Druck für die Durchblutung in den Herzkranzgefäßen und entlastet das Herz bei der Pumparbeit in der Systole.

Diese Effekte sind gut belegt, die Behandlungsempfehlungen zum Einsatz der Pumpe sind allerdings uneinheitlich: In den US-Empfehlungen wird der Stellenwert der IABP höher angesetzt als in den europäischen, in den deutsch-österreichischen Leitlinien gibt es aufgrund der unzureichenden Evidenz lediglich eine Kann-Empfehlung.

Prof. Dr. Holger Thiele vom Herzzentrum der Universität Leipzig berichtete auf dem ESC-Kongress für ein multizentrisches Team, das mithilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Herzstiftung, die randomisierte, prospektive Multicenter-Studie (37 beteiligte Kliniken) IABP-SHOCK-II durchgeführt hat. Im Zeitraum von Juni 2009 bis März 2012 wurden 600 Patienten mit kardiogenem Schock als Folge eines Myokardinfarktes, die eine frühe Revaskularisation erhalten haben, entweder nur intensivmedizinisch begleitet oder erhielten zusätzlich eine IABP. Prof. Thiele: „Die 30-Tage-Sterblichkeit war in beiden Studienarmen – mit 39,7 Prozent im IABP-Arm und 41,3 Prozent im Kontrollarm – vergleichbar.“ Patienten, die mit IABP versorgt wurden, hatten also kein geringeres Risiko zu versterben, als jene, die nach der Revaskularisation lediglich eine intensivmedizinische Standardbehandlung erhielten. Genauso wenig zeigte sich bei anderen Faktoren ein Vorteil für die IABP: Der Blutdruck war nicht unterschiedlich, die Katecholamindosen, die Nierenfunktion, Entzündungsparameter, intensivmedizinische Scores sowie Behandlungs- oder Beatmungstage waren vergleichbar zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Wenn sich auch kein Vorteil für die IABP ergab, so zeigte sich doch deren Sicherheit: In der Ballonpumpen-Gruppe gab es nicht mehr Komplikationen als in der Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse von IABP-SHOCK-II haben bereits Einfluss auf die klinische Praxis genommen. Im Rahmen des ESC-Kongresses in München wurden die aktualisierten ESC-Guidelines zum Management des Herzinfarkts mit ST-Streckenhebung angepasst und der Einsatz der Ballonpumpe auf Empfehlungsgrad 2B herabgestuft.

Quelle:
ESC-Abstract 2162: Thiele et al., IABP-SHOCK-II: Randomized comparison of intraaortic balloon counterpulsation versus optimal medical therapy in addition to early revascularization in acute myocardial infarction complicated by cardiogenic shock.

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Dr. Birgit Kofler, Roland Bettschart
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