Bad Oeynhausener Kardiologen demonstrieren magnetgestützte Herzkathetertechnik

Präzision hat einen Namen: Die neueste Technik in den Herzkatheterlaboren der Kardiologischen Klinik heißt EPOCH. „Der Herzkatheter kann damit noch schneller und kontinuierlicher bewegt werden – und dies bei extrem niedriger Komplikationsrate“, erläutert der Direktor der Kardiologischen Klinik des HDZ NRW, Prof. Dr. Dieter Horstkotte. Die Technik wird eingesetzt, um die Auslöser des Vorhofflimmerns am Herzen zu orten und punktgenau zu behandeln. Mit über 400 durchgeführten Prozeduren ist die Kardiologische Klinik des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) internationales Referenzzentrum auf diesem Gebiet. Auf einem Expertentreffen am 22. und 23. März werden 30 Kardiologen aus ganz Europa in der Anwendung dieser Technologie in Bad Oeynhausen geschult.

Elektrophysiologische Verfahren werden weltweit in sehr wenigen kardiologischen Zentren als spezielle Herzkatheteruntersuchung bei bestimmten Arten von Rhythmusstörungen durchgeführt. Sie dienen der Analyse von Herzrhythmusstörungen, können diese aber auch durch elektrische Stimulation des Herzmuskels während der Untersuchung auslösen und durch Abgabe von Hochfrequenzstrom heilen. Die mit Gold oder Platin versehene Herzkatheterspitze kann dazu mittels magnetischer Steuerung sehr präzise an das betroffene Gewebe herangeführt werden. Der Kardiologe testet Stromleitung am Herzen an verschiedenen Stellen in den Herzkammern.

Wermutstropfen der sehr anspruchsvollen Prozeduren, welche die Elektrophysiologen im HDZ NRW mit weltweiter Anerkennung und den höchsten Anwendungszahlen durchführen, ist die Höhe der anfallenden Sachkosten, welche im DRG-System derzeit nicht gegenfinanziert sind. Diese betragen pro Patient knapp 8.000 Euro. Erstattet werden von den Krankenkassen hiervon lediglich 5.000 Euro. Andererseits ist die Industrie nicht bereit, die Materialien zu einem für das Krankenhaus kostendeckenden Preis zu liefern. Allein das robotergestützte Kathetersystem schlägt mit rund 1.000 Euro pro Eingriff zu Buche, die nicht angemessen im DRG-Entgelt berücksichtigt sind.

Für diese und ähnliche elektrophysiologische Prozeduren entstehen dem HDZ NRW nicht refinanzierte Kosten in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro pro Jahr. „Und dies, obwohl unsere Patienten davon profitieren, weil die Erfolgsraten höher und Komplikationen selten sind, die Verfahren in Fachkreisen anerkannt sind und sich als Therapie für Patienten mit speziellen Rhythmusstörungen längst bewährt haben“, stellt Prof. Dr. Dieter Horstkotte fest. „Es ist mehr als bedauerlich, dass die Industrie nicht bereit ist, die Materialien zu einem angemessenen Preis zu liefern und die Krankenversicherer nicht willens sind, die angemessenen Kosten dieser für die Patienten besonders geeigneten Verfahren zu übernehmen.“

Die zweitägige Fortbildung unter Ausrichtung der Bad Oeynhausener Spezialisten wird über ein Internet-Fachportal weltweit übertragen. Vier Eingriffe aus Herzkatheterlaboren beteiligter Kliniken in Tampere/Finnland, Kopenhagen/Dänemark, Cotignola/Italien und Monaco werden dabei live im Hörsaal des HDZ zu sehen sein. Ebenso stehen während der Nachmittagsveranstaltungen die Oberärzte Dr. Georg Nölker, Dr. Klaus-Jürgen Gutleben und Dr. Jürgen Vogt in Bad Oeynhausen bereit, um ihre Prozeduren zur Behandlung des Vorhofflimmerns weltweit live zu demonstrieren. Die hochkarätige Fortbildungsveranstaltung der Kardiologischen Klinik richtet sich an die international führenden Elektrophysiologen, die in verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologie zur Behandlung des Vorhofflimmerns und sonstiger Herzrhythmusstörungen geschult werden.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss
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