Wirksamkeit und Sicherheit von Rituximab bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis – Ergebnisse zur B-Zell-Therapie

Bei der Behandlung Rheumatoiden Arthritis (RA) bestätigen auf dem diesjährigen EULAR-Kongress vorgestellte Studienergebnisse, dass sich die frühzeitige Behandlung der Rheumatoiden Arthritis mit Rituximab (RTX) nach Versagen von TNF-alpha-Hemmern günstig auf die klinische Wirksamkeit (Switch-RA) sowie auf die Hemmung der radiologischen Progression (REFLEX) auswirkt. Zusätzliche Studien untermauern die Bedeutung von bewährten und neuen Biomarkern zur Vorhersage des klinischen Ansprechens auf Rituximab – und damit des innovativen Konzepts der Personalisierten Medizin in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis.

Switch-RA vergleicht die Wirksamkeit von Rituximab mit TNF-alpha-Hemmer

Die internationale multizentrische Studie Switch-RA verglich die Wirksamkeit von Rituximab mit der eines weiteren TNF-alpha-Hemmers nach Versagen des 1. TNF-alpha-Hemmers bei der Behandlung von RA-Patienten [1]. Damit wurde erstmals prospektiv der Frage nachgegangen, welche Therapiestrategie die effektivere ist. An der Studie nahmen 1.107 Patienten aus neun Ländern teil, die nach Versagen des initialen TNF-alpha-Blockers entweder zu RTX („Switch“) oder zu einem weiteren TNF-alpha-Blocker („Cycling“) gewechselt hatten.

Bei Rheumatoider Arthritis ist Switch auf Rituximab bessere Therapiestrategie

Die nun auf dem EULAR 2012 präsentierten Ergebnisse belegen, dass der Wechsel auf RTX der Gabe eines weiteren TNF-alpha-Hemmers überlegen ist. Sechs Monate nach Therapiebeginn zeigte sich in der RTX-Gruppe verglichen mit der TNF-Gruppe eine signifikant stärkere Abnahme der Krankheitsaktivität, gemessen anhand der mittleren Änderung des DAS28-ESR (-1,5 vs. -1,1; p = 0,008), sowie der Erythrocythe Sedimentation Rate (ESR; -15,4 vs. -9,2; p = 0,009). Prof. Dr. Andrea Rubbert-Roth, Köln, ergänzte: „Bei der Auswertung zeigte sich, dass Patienten, bei denen die erste TNF-Therapie aufgrund von fehlender Wirksamkeit abgebrochen wurde, besonders von dem Wechsel auf Rituximab profitierten.“

 

Prof. Dr. Andrea Rubbert-Roth, Köln, Dr. Hans-Ulrich Jelitto, Grenzach und Prof. Dr. Thomas Dörner Berlin (v.L.n.r; Foto: nach Ph. Wente/Roche)

Rheumatoider Arthritis: Frühe B-Zell-Therapie hemmt Röntgenprogression

Außerdem wurde die 5-Jahresanalyse der zulassungsrelevanten Studie REFLEX vorgestellt [2]: In der offen geführten Verlängerungsstudie stand der Einfluss von RTX auf die radiologische Progression bei Patienten nach TNF-alpha-Versagen im Mittelpunkt. Ausgewertet wurden Röntgenaufnahmen der Hände und Füße von 105 Patienten, die seit Studienbeginn Rituximab (RTX; MabThera®) plus MTX (Methotrexat) erhalten hatten (RTX/MTX), sowie von 79 Patienten, die nach einer anfänglichen Therapie mit MTX plus Plazebo in die RTX-Rescuegruppe gewechselt waren (PLB-RTX). Obwohl die Progressionsrate, gemessen am modified Total Sharp Score (mTSS), in Hinblick auf die strukturelle Gelenkschädigung (Progressive Joint Damage; PJD) in beiden Gruppen über fünf Jahre kontinuierlich abnahm, profitierte die RTX/MTX-Gruppe in mehrfacher Hinsicht von dem früheren Therapiebeginn: Zum einen konnte in diesem Therapiearm über die gesamte Studiendauer eine stärkere Hemmung der Röntgenprogression nachgewiesen werden. Zum anderen war die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Hemmung der Gelenkzerstörung in dieser Gruppe höher. In der PLB-RTX-Gruppe ging dagegen der verzögerte Therapiebeginn mit einer erhöhten Rate der Röntgenprogression einher, die – auch nach fünf Jahren – nicht das niedrige Niveau der RTX/MTX-Gruppe erreichte.

5 Jahre B-Zell-Therapie – 10 Jahre Sicherheitsdaten

Auf dem EULAR-Kongress wurden Langzeitdaten zur Sicherheit von Rituximab (RTX; MabThera®) präsentiert [3]. Die gepoolten Daten aus klinischen Studien von insgesamt 3.595 Patienten mit 14.008 Patientenjahren mit bis zu 19 RTX-Zyklen über einen Zeitraum von 10 Jahren bestätigten, dass RTX über einen langen Behandlungszeitraum gut vertragen wird. Mit steigender Expositionsdauer traten keine neuen unerwünschten Ereignisse auf. Damit ist das bekannte positive Sicherheitsprofil vergleichbar gut wie bei der gepoolten Plazebo-Population.

Rituximab – Wegbereiter für die Personalisierte Medizin

Frühere Auswertungen der FIRST- und ReFIRST-Studie zeigten bereits die gute Wirksamkeit einer kontinuierlichen Therapie mit mehreren RTX-Zyklen bei RA-Patienten nach Versagen des 1. TNF-alpha-Hemmers. In einer aktuellen Substudie wurden nun bei 154 Patienten der Serumstatus in Hinblick auf Rheumafaktor (RF) sowie den spezifischen Auto-Antikörpern gegen zyklisch citrullinierte Peptide (anti-CCP) über die Dauer von maximal vier RTX-Zyklen bestimmt [4]. „Bei den meisten Patienten blieb der zu Anfang ermittelte positive anti-CCP-Status über alle Zyklen hinweg stabil, das heißt, bei nur 4 % der Patienten konnte eine Serokonversion festgestellt werden“, erläuterte Prof. Thomas Dörner, Berlin. „Stabil RF- und anti-CCP-positive Patienten zeigten zudem ein insgesamt besseres EULAR-Ansprechen als stabil seronegative Patienten.“ Die Dosisintensität war bei dieser Patientengruppe jedoch tendenziell höher, sie erhielten demnach durchschnittlich mehr Zyklen in kürzeren Intervallen.

Quellen

  1. Emery P et al., EULAR 2012, Poster FRI0183
  2. Keystone E et al., EULAR 2012, Poster FRI0200
  3. van Vollenhoven R et al., EULAR 2012, Poster THU0120
  4. Tony H et al., EULAR 2012, Poster SAT0090
  5. Naumann L et al., EULAR 2012, Poster SAT0102
  6. Highlights vom EULAR 2012: Rituximab – Wegbereiter der Personalisierten Medizin
    Berlin, 20.06.2012
    Vorträge
    • B-Zell-Therapie in der RA: Ein langfristig sicheres und effektives Wirkprinzip
      Prof. Dr. Andrea Rubbert-Roth
      Klinikum der Universität zu Köln
    • Personalisiertes Therapiekonzept mit Rituximab: Eine Biomarker-basierte Strategie zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis
      Prof. Dr. Thomas Dörner
      Charité Universitätsmedizin Berlin

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