Ayurveda – Öl auf meiner Haut

Von unserer dtd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Die alte Heilkunst Ayurveda hat Hochkonjunktur – nicht nur in Indien oder Sri Lanka, wo sie traditionell praktiziert wird, sondern auch im Schwarzwald oder in Österreich. Viele Hotels und Einrichtungen bieten entsprechende Kuren oder eine ayurvedische Ernährung an. Was sich dahinter verbirgt und woran man „echtes“ Ayurveda erkennt, schildert der folgende Überblick.

Die Wissenschaft vom Leben – das ist Ayurveda im wörtlichen Sinne. Denn das Wort kommt aus der indischen Hochsprache Sanskrit, es bedeutet Leben = ayur und veda = Wissen. Und dahinter steht mehr als „nur“ Wellness: ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das vor rund 4000 Jahren in Indien entwickelt und überliefert wurde. Die Heilkunst möchte ernsthafte Erkrankungen vermeiden, indem ihre Auslöser erkannt und ungesunde Gepflogenheiten des Menschen vermieden werden. Eine Vielfalt von Behandlungen soll dem Körper dabei helfen, den Weg zum Gleichklang mit Geist und Seele einzuschlagen: Wohltuende Ayurveda-Anwendungen haben das Ziel, die Balance der Energieströme wieder herzustellen, die die Konstitution des Menschen bestimmen. Ihnen geht eine Diagnose voran, die nach einer körperlichen Untersuchung sowie Analysen von Puls und Urin gestellt wird. Dazu kann auch eine Überprüfung der Zunge und der Augen gehören.

Die Panchakarma-Therapie

Das Herzstück der ayurvedischen Heilungstherapien nennt sich Panchakarma – es ist eine Reinigungskur, bei der es darum geht, Produkte des Stoffwechselabbaus, unverdaute Bestandteile von Nahrungsmitteln sowie Umweltgifte aus dem Körper auszuschleusen. Unter anderem sollen auch belastende Erfahrungen oder Konflikte als Teil der Kur ausgeräumt werden. Der Name „Panchakarma“ besagt, dass der Körper auf fünffache Weise gereinigt bzw. behandelt wird – wobei die Konstitution des Menschen, der sich der Therapie unterzieht, im Mittelpunkt steht. Über mehrere Tage sollen erst einmal Ablagerungen gelöst und ausgeleitet werden, indem man morgens geklärte Butter (Ghee) zu sich nimmt. Bei der Vorbereitung helfen sanfte Öl-Anwendungen und viel Ruhe. Die fünf Therapieverfahren, die dann eingesetzt werden können, heißen:
– Vamana – das therapeutische Erbrechen mithilfe natürlicher Wirkstoffe, das üblicherweise in unseren Breiten nicht eingesetzt wird, da es äußerst anstrengend ist und intensiv medizinisch überwacht werden muss.
– Virecana – das Abführen mithilfe eines milden Mittels wie Riziniusöl, wird häufig angewendet.
– Basti oder Vasti – der untere Darmabschnitt wird mittels medizinischen Einläufen gereinigt.
– Nasya – spezielle Kräuteröle werden in die Nase geträufelt, was aus ayurvedischer Sicht Kopferkrankungen wie Tinnitus oder chronische Kopfschmerzen behandelt.
– Raktamokshana – der Aderlass. Dabei werden über eine Vene in der Armbeuge nicht mehr als rund 200 Milliliter Blut entnommen. Das kann auch durch das Ansetzen von Blutegeln geschehen.

Nach der Panchakarma-Kur wird das idealerweise neu entstandene Gleichgewicht ebenso wie die Verdauung in einer Nachbehandlung gestärkt. Dazu gehören in renommierten Ayurveda-Kliniken wie beispielsweise der Habichtswald-Klinik in Kassel auch ausführliche Empfehlungen für die Lebensweise zuhause.

Ölmassagen und Stirnguss

Eine schöne Haut und geschmeidige Glieder wollen die Ölmassagen des Ayurveda erreichen. Sie werden auch Snehana genannt – was im Sanskrit für Liebe im Bereich des essentiellen Geistes steht, also für eine liebevolle Hinwendung an den Patienten im Hinblick auf eine innere Heilung. Damit greifen die Therapeuten auf geschichtliche Überlieferungen zurück: Bei vielen Kulturvölkern hat die Salbung mit Öl eine besondere Bedeutung, die auch in der Bibel überliefert wird: die Gesunderhaltung und die Behandlung von Erkrankungen. Über die Jahrhunderte wurden zusätzlich zur traditionellen Fußmassage noch verschiedene Anwendungen für einzelne Körperregionen entwickelt und verfeinert. Dazu gehört zum Beispiel der berühmte Stirnguss oder auch Shirodhara: bei dieser intensiven Therapie ergießt sich etwa eine halbe Stunde lang ein warmer Ölstrahl auf die Stirn. Er wird in langsamen, kreisenden Bewegungen geführt – was entspannend bei vielen vegetativen Beschwerden wie Migräne oder Schlafstörungen wirken kann. Der Stirnguss soll die Muskulatur besonders im Schulter und Nackenbereich lockern.

Angebote zwischen Tradition und Trend
Wo sich Wellness und Ayurveda begegnen

(dtd). Wer sich ayurvedisch behandeln lassen möchte, muss sich inzwischen in einer schier unübersichtlichen Vielfalt von Angeboten zurechtfinden. Das Problem dabei: Der Begriff Ayurveda oder eine Berufsbezeichnung, die damit verbunden wird, ist in vielen Ländern ungeschützt. In Deutschland kontrollieren jedoch zahlreiche Gesundheitsämter die Anbieter so genannter Therapien, die den Eindruck erwecken, Krankheiten heilen zu können – und leiten im Zweifel Abmahnverfahren ein.

Ein aufwändiges, fünfeinhalb Jahre dauerndes Studium in ayurvedischer Heilkunst gibt es nur in Indien und Sri Lanka, wo die Ausbildung durch das Central Council for Indian Medicine (CCIM) reguliert wird. Entsprechend lassen sich dort auch Mediziner schulen, die in Deutschland anerkannte Ayurveda-Experten sind. Wie zum Beispiel der indisch-stämmige Deutsche Ananda Samir Chopra, der die Kasseler Habichtswald-Klinik leitet. Sie gilt als eines der anerkannten Häuser hierzulande, in denen die Heilkunst in einem „fremden Umfeld“ erfolgreich praktiziert wird. Viele Hotels bieten vor allem einzelne Aspekte der indischen Heilkunst an, wie zum Beispiel die Ölmassagen oder eine entsprechende Ernährung, die das Wohlbefinden fördern kann. Zu ihnen zählen unter anderem die Vier-Sterne-Residenz Hotel Mirabell im Pustertal in den Südtiroler Dolomiten (http://www.mirabell.it) oder die Spas und Therapiezentren von Bad Waltersdorf im Süden Österreichs (http://www.baldwaltersdorf.com).

Als ein Wegweiser durch den Ayurveda-Dschungel gilt das Buch „Der Ayurveda-Boom. Insidertipps und Hintergrundinformationen“ von Monika Kirschner und Bärbel Schwertfeger (erschienen im Egmont VGS Verlag): Die Autorinnen bewerten das Wissen über das indische Medizinsystem aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung und geben fundierte Empfehlungen ab.

Was die Doshas brauchen
Die Lebensenergien ins Gleichgewicht bringen

(dtd). Zu den Grundideen des Ayurveda gehört die Vorstellung, dass der Mensch ebenso wie die ihn umgebende Natur aus fünf Elementen besteht: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Diese Elemente wirken im menschlichen Körper in Form von drei Energien – den so genannten Doshas. Vata, Pitta und Kapha verleihen dem Menschen in einer bestimmten Mischung seine eigene Konstitution, die sich in einem Gleichgewicht befinden sollte. Ist dies nicht der Fall, wird er anfällig für Krankheiten. Und das sind die drei Energie-Typen:

– Vata heißt im Sanskrit „sich bewegen“. Es gilt als verantwortlich für die Bewegungsabläufe im Körper, etwa im Magen-Darm-Trakt. Eine rasche Auffassungsgabe und geistige Beweglichkeit werden ebenso damit in Verbindung gesetzt.

– Pitta ist gleichbedeutend mit „erhitzen“ – dabei werden Umwandlungsprozesse in Gang gesetzt, etwa im Verdauungstrakt. Pitta-Typen gelten als Menschen mit scharfem Intellekt und Durchsetzungsvermögen.

– Kapha steht für die Stabilität, alles Feste wie Knochen, Zähne und Nägel. Es soll auch für ein gutes Langzeitgedächtnis sorgen.

Die drei Doshas haben nach ayurvedischer Vorstellung ihren Hauptsitz im Magen-Darm-Trakt – folglich können diese bioenergetischen Körperkräfte durch eine bestimmte Heilnahrung in Richtung Gleichgewicht beeinflusst werden. Die Diagnosemöglichkeiten des Ayurveda zeigen, wie die individuell zusammengestellte Ernährung aussehen muss, damit dieses Ziel erreicht wird.

Ein Linsengericht

(dtd). Hülsenfrüchte wie Linsen, auch Dal genannt, sind das A und O in der ayurvedischen Küche. Diese plädiert für eine ausgewogene Ernährung mit achtsamem Fleischgenuss – dabei liefern die Linsen wichtige Proteine für den Körper. Ein Dal-Gericht gehört folglich zu jedem ayurvedischen Mittagessen – wie zum Beispiel das Rote Linsen-Dal, für das nun ein Rezept aus dem Buch „Kochen nach Ayurveda“ von Dr. Karin Pirc folgt:

Rote Linsen Dal (für 4 Personen, 50 Minuten Zubereitungszeit)

250 halbierte, getrocknete rote Linsen
1 bis 2 EL Ghee (Butterfett, im Naturkostladen)
1 TL ganzer Kreuzkümmel
1 TL Bockshornkleeblätter
2 TL gemahlener Koriander
1 Messerspitze gemahlener schwarzer Pfeffer
¼ TL Asa Foetida (Würzmittelpulver aus aromatischem Harz, Asia-Shop)
¼ TL gemahlener Zimt
1 L heißes Wasser, Prise Salz

Zubereitung:
Die Roten Linsen waschen, Ghee in einem Topf erhitzen. Alle Gewürze hinzugeben und kurz anrösten. Heißes Wasser und Linsen hinzufügen, alles etwa 40 Minuten kochen, bis die Linsen weich sind. Zum Schluss das Dal nach Belieben salzen.

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