AWMF: Zentrale Literaturversorgung für Medizin und Lebenswissenschaften erhalten!

Bei ZB MED handelt es sich aus Sicht der AWMF primär um eine überregionale Einrichtung der Forschungsinfrastruktur mit Dienstleistungscharakter für Wissenschaftler und Anwender aus Medizin und anderen Lebenswissenschaften und nur sekundär um ein Institut mit eigenständigen Forschungsaufgaben. Das Archiv der ZB Med bildet zusammen mit dem Archiv der Bayrischen Staatsbibliothek die Grundlage für den Bestandsschutz der medizinischen Fachliteratur in Deutschland und ist eine unverzichtbare Dienstleistungseinrichtung zur schnellen, kostengünstigen und qualitätsgesicherten Informationsbeschaffung.

Die von der Leibniz-Gemeinschaft selbst herausgestellte Systemrelevanz von ZB MED wird von der AWMF und ihren Fachgesellschaften nachdrücklich bestätigt. ZB MED spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufbereitung, Suche und Bereitstellung von wissenschaftlicher Information als Grundlage für medizinische Forschung und evidenzbasierte Medizin. Ohne leistungsstarke Bibliotheken würden Forschende noch stärker von kommerziellen Verlagen abhängig und erhielten außerhalb von Universitäten nur beschränkt (oder mit hohen Kosten) Zugang zu aktueller Literatur.
Aber auch der Literaturfundus einzelner Universitätsbibliotheken ist naturgemäß begrenzt. Hier stellt ZB MED als deutsche Referenzbibliothek in den Lebenswissenschaften eine essentielle Ergänzung dar. Diese Aufgaben von ZBMED würden mit einer Schließung nicht verschwinden, sondern der nach wie vor bestehende Bedarf müsste zukünftig über eine andere Organisation abgedeckt werden, was logistische Probleme bereiten und mutmaßlich vermeidbare Zusatzkosten verursachen dürfte. Fast zeitgleich hat zudem das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Januar 2016 bekannt gegeben, dass ab 2017 dort keine Recherchen in den großen internationalen Datenbanken mehr durchgeführt werden, dies solle zukünftig allein bei ZB MED möglich sein.

ZB MED hat sich in der jüngeren Vergangenheit nicht nur als klassische Bibliothek positioniert, sondern engagiert sich stark für wissenschaftliche Publikationen im Open Access, zum Beispiel mit einer eigenen Publikationsplattform in enger Zusammenarbeit mit der AWMF, deren Fachgesellschaften und dem DIMDI bei „German Medical Science“. Hier wurden – im Sinne einer anwendungsorientierten Forschung – innovative neue Publikationsformen (z.B. multimediale „Living Handbooks“) entwickelt, mit denen der Transport wissenschaftlicher Informationen aus der Forschung in die Anwendung deutlich beschleunigt wird und allen Nutzern kostenfrei verfügbar ist.

Eine rein regionale Weiterförderung aus Mitteln des Landes NRW oder der Universitäten Köln und Bonn könnte eine Weiterführung als überregionale Einrichtung nicht mehr sicherstellen. Die AWMF appelliert daher nachdrücklich an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, in geeigneter Form eine Weiterförderung von ZB MED im bisherigen Umfang und über das Jahr 2019 hinaus sicherzustellen.

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