AWMF: Voraussetzungen und Regeln für transparente Zusammenarbeit forschender Untern

Welche Empfehlungen die AWMF dazu bereits etabliert hat, welche Ziele die Pharmaindustrie mit dem Transparenzkodex verfolgt und was Transparenzfachleute für wissenschaftliches Arbeiten, Fachkongresse und die Leitlinienarbeit fordern, diskutieren Experten auf einer Pressekonferenz am 7. Dezember 2016 anlässlich des Berliner Forums in Berlin.

Um Arzneimittel oder Medizinprodukte zu entwickeln, ist eine enge fachliche Zusammenarbeit zwischen forschenden Pharmaunternehmen und der Ärzteschaft unumgänglich. „Wie kann man diese Zusammenarbeit so gestalten, dass transparent wird, welche finanziellen Zuwendungen an wen aus welchem Grund erfolgen“, fragt Professor Dr. med. Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF. „Wir brauchen vor allem klare Regeln für die Fachgesellschaften, damit sie beurteilen können, ob überhaupt wechselseitige Interessen vorliegen oder welche Auswirkungen diese auf eine medizinische Einschätzung haben könnten“, so Kreienberg.

Immer dann, wenn medizinische Evidenz entsteht, verbreitet oder umgesetzt wird, müssen die Beziehungen zwischen Fachgesellschaften und Industriepartner mit Sachverstand bewertet werden: Das gilt bei Studien, Kongressen und Fortbildungen sowie bei der Leitlinienentwicklung. Dazu hat die AWMF bereits 2010 erste Empfehlungen zum Umgang mit Interessenskonflikten für Fachgesellschaften herausgegeben. Die Anpassung dieser Empfehlungen an die neuen Entwicklungen ist erforderlich, das Berliner Forum bietet dazu eine Grundlage.

Für die Leitlinienerstellung gibt es ein erweitertes Regelwerk zur Offenlegung von Interessen und Darlegung des Umgangs mit Interessenkonflikten. Um Leitlinien für die medizinische Versorgung zu entwickeln, ist eine hohe fachliche Expertise nötig. Da sie von Ärzten für Ärzte gemachte Orientierungs- und Entscheidungshilfen sind, ist die Offenlegung von Interessen besonders wichtig. „Wenn die AWMF die Offenlegung von Interessen bei der Erarbeitung evidenzbasierter Empfehlungen im Sinne des bestmöglichen Patientenwohls von den Fachgesellschaften anregt, geschieht es, um eventuelle Risiken für eine Beeinträchtigung der professionellen Urteilsfähigkeit zu minimieren“, so Professor Dr. med. Ina Kopp, Leiterin des Instituts für Medizinisches Wissensmanagement der AWMF, Marburg.
In die Leitlinienentwicklung ist ein Fragebogen implementiert, in dem alle an der Leitlinie aktiv Mitwirkenden Fragen zu ihrem „Verhältnis“ zur Industrie und zu anderen „Interessen“ beantwortet. „In diesem Fragebogen haben wir alle wichtigen nationalen wie internationalen Anforderungen an die Offenlegung berücksichtigt und damit eine gute Basis geschaffen“, sagt Kopp.

Welche Chancen die Offenlegung von Interessen und Interessenkonflikten bietet, welche Rolle die AWMF in diesem Zusammenhang einnehmen sollte und wo mögliche negative Auswirkungen eines falsch verstandenen Transparenzgedankens zu sehen sind, diskutieren die Experten auf dem Berliner Forum am 8. Dezember und auf der Pressekonferenz am 7. Dezember 2016 in Berlin.

Terminhinweise:
Pressekonferenz der AWMF
Transparenz in der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie – Interessenkonflikte
Termin: Mittwoch, 7. Dezember 2016, 13.00 bis 14.00 Uhr
Ort: „Beletage – Konferenzzentrum der Heinrich-Böll-Stiftung“, Großer Saal 2, Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Berliner Forum der AWMF
Leitthema: Kooperation von forschenden Unternehmen und wissenschaftlicher Medizin
Teil 1: Interessen, Interessenkonflikte und Transparenz
Termin: Donnerstag, 8. Dezember 2016
Ort: Hotel Mercure MOA, Stephanstr. 41, 10559 Berlin

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. bündelt die Interessen der medizinischen Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im Auftrag ihrer 174 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung medizinisch wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und Spenden.

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Pressekonferenz
anlässlich des Berliner Forums der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) e.V.

„Transparenz in der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie – Interessenkonflikte“

Termin: Mittwoch, 7. Dezember 2016, 13.00 bis 14.00 Uhr
Ort: „Beletage – Konferenzzentrum der Heinrich-Böll-Stiftung“, Großer Saal 2
Anschrift: Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:
Wie lässt sich eine transparente Zusammenarbeit forschender Unternehmen und wissenschaftlicher Medizin gestalten?
Professor Dr. med. Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF, Landshut

Die AWMF-Empfehlungen zum Umgang mit Interessenkonflikten bei Fachgesellschaften
Professor Dr. med. Claudia Spies, Vorsitzende der Kommission Leitlinien der AWMF; Leiterin der Klinik für Anästhesiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Der Transparenzkodex der Pharmaindustrie: Durch Offenheit Fehlinterpretationen und Misstrauen vermeiden
Dr. Holger Diener, Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V. (FSA), Berlin

Welche Rolle spielen Sekundärinteressen von Fachgesellschaften
Dr. med. Wolfgang Wodarg, Vorstandsmitglied Transparency International Deutschland e.V., Berlin

Kontakt:
AWMF-Geschäftsstelle
Dennis Makoschey
Birkenstraße 67
10559 Berlin
Tel.:030 2009-7777
presse@awmf.org

Pressekontakt AWMF:
Anne-Katrin Döbler und Dagmar Arnold
Luisenstraße 58/59
10117 Berlin
Tel.: 0711 8931-380
arnold@medizinkommunikation.org

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