AWMF: Tag der Organspende am 4. Juni – Überzeugen mit medizinisch-wissenschaftlicher Expertise

In einer Anhörung vor dem Ausschuss für Gesundheit forderte die AWMF gestern, dass die Nutzung der Daten eines geplanten bundesweiten Transplantationsregisters regelmäßig von unabhängigen wissenschaftlichen Experten evaluiert werden müsse.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen wären bereit, ihre Organe nach ihrem Tod zu spenden. Doch nur knapp jeder Dritte dokumentiert dies durch einen Organspendeausweis (2). Ein Grund dafür ist die fehlende Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema, mahnt AWMF-Präsident Professor Dr. med. Rolf Kreienberg aus Landshut: „Um Spender zu erreichen und zu gewinnen, muss das Gesundheitssystem verständlich für Bürger, fachlich korrekt und umfassend über das Thema informieren.“ Diese Aufgabe liegt derzeit bei den Krankenkassen. Die Rolle der medizinischen Fachgesellschaften sei es, für eine wissenschaftlich fundierte Grundlage im Umgang mit Spenderorganen zu sorgen.

In Frankreich, Norwegen und Österreich wird jeder Verstorbene zum Spender, sofern er dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Nicht so in Deutschland – hier gilt die Entscheidungslösung: „Wir müssen uns aktiv für eine Organspende entscheiden und dies schriftlich festhalten“, erläutert Professor Dr. rer. biol. hum. Hans-Konrad Selbmann, Schatzmeister der AWMF. „Der offen bekannte Wunsch zu spenden, hilft nicht nur den Menschen, die auf ein Organ warten“, so der Epidemiologe aus Tübingen, „er erleichtert auch den Angehörigen Sterbender die Entscheidung, sollten sie im Todesfall von den Ärzten dazu befragt werden.“ Umso wichtiger sei es, dass die Bevölkerung regelmäßig aufgeklärt werde und Interessierte sich über das Thema Organspende jederzeit niedrigschwellig informieren können.

Seit den Vorfällen um gefälschte Patientenakten für Spenderorgane hat sich im deutschen Transplantationssystem viel getan: Unangemeldete Kontrollen und schärfere Regeln sollen Manipulationen bei der Organvergabe verhindern. Drei Ärzte müssen zustimmen, ehe ein Patient Anspruch auf ein Spenderorgan hat. Vor der Organentnahme müssen zwei fachkundige Ärzte den klinischen Hirntod bestätigen. Zudem arbeitet das Gesundheitsministerium an einem Gesetzentwurf für ein bundesweites Transplantationsregister, das alle transplantationsmedizinischen Daten zentral erheben, speichern und prüfen soll. Dazu fand gestern eine Anhörung im Gesundheitsausschuss statt, bei der die AWMF empfahl, die Qualität des Registers von unabhängigen und unbeteiligten Experten evaluieren zu lassen (3). „Entscheidungen über die wissenschaftliche Nutzung der Registerdaten sollte wiederum der wissenschaftliche Fachbeirat treffen“, führt Professor Selbmann aus.

Dass der aktuelle Regierungsentwurf noch Lücken aufweist, bemängelte die AWMF bereits in einer früheren Stellungnahme (4). Daraufhin ergänzte der Gesetzgeber unter anderem, dass im Beirat des Registers verstärkt Vertreter der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften mitarbeiten werden. „Wir begrüßen es sehr, dass diese grundlegende Forderung der AWMF aufgenommen wurde“, sagt Professor Selbmann. Eine solide wissenschaftliche Basis der Transplantationsmedizin trage auch dazu bei, mehr Bundesbürger vom Sinn der Organspende zu überzeugen, die Spendebereitschaft zu erhöhen und die Zahl der Menschen auf den Wartelisten zu verringern. Zahlreiche Aktionen am Tag der Organspende am 4. Juni informieren darüber, die zentrale Veranstaltung findet in München statt.

Quellen:
(1): Deutsche Stiftung Organspende (DSO)
(2): Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
(3): Brief der AWMF an den Gesundheitsausschuss:
(4): AWMF Stellungnahme Transplantationsregistergesetz:

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