AWMF fordert von künftiger Gesundheitspolitik engere Kooperation mit wissenschaftlicher Medizin

Die zukünftige Bundesregierung müsse bei gesundheitspolitischen Entscheidungen die Entscheidungsbefugnis dafür jeweils der Ebene mit der größten fachlichen Kompetenz zuordnen – dem Bund, den Ländern oder den Organen der Selbstverwaltung. So lautet eine zentrale Forderung der AWMF. Um gesundheitspolitische Entscheidungen im Sinne einer patientenorientierten, evidenzbasierten Medizin treffen zu können, müssten Vertreter der wissenschaftlichen Medizin mehr und zu einem früheren Zeitpunkt als bisher einbezogen werden. „Dafür stehen die AWMF und ihre 175 Fachgesellschaften gerne zur Verfügung“, betont AWMF-Präsident Professor Dr. med. Rolf Kreienberg. Denn in der AMWF sind alle medizinischen Fächer, die meisten interdisziplinären Themenbereiche und neben Ärzten auch weitere Gesundheitsberufe vertreten. Hier wird Wissen gemäß der evidenzbasierten Medizin entwickelt, evaluiert und verbreitet. Daraus entstehen unter anderem Leitlinien, die heute die Basis des ärztlichen Handelns darstellen.

Auf deren Finanzierung zielt eine weitere Forderung der AWMF. Es ist mit erheblichem Aufwand verbunden, hochwertige Leitlinien zu entwickeln und zu implementieren. Sie fassen das medizinische Wissen auf dem jeweils aktuellen Stand zusammen und liefern damit die Basis für wissenschaftlich abgesicherte, ärztliche Entscheidungen zum Wohl des Patienten. Leitlinien entstehen nach einem transparenten Methodenwerk, werden interdisziplinär und nicht selten gemeinsam mit Patientenvertretern abgestimmt. Diese Arbeit übernehmen die in der AWMF organisierten Fachgesellschaften. Leitlinien sind heute ein unverzichtbarer Bestandteil der wissenschaftlichen Medizin. Daher müsse ihre Erstellung und Verankerung im Alltag von Klinik und Praxis nachhaltig und unabhängig finanziert werden, so die Forderung der AWMF.

Weitere Forderungen der AWMF beziehen sich auf eine bessere Koordination des Infektionsschutzes zwischen Human- und Tiermedizin, damit das wachsende Gesundheitsproblem multiresistenter Keime wirkungsvoll bekämpft werden könne. Außerdem müsse der Staat seine Verantwortung wahrnehmen und die Entwicklung neuer Antiinfektiva fördern. Darüber hinaus verlangen die AWMF-Experten von einer künftigen Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsforschung zu verbessern. Eine weitere wichtige Forderung der AWMF zielt auf die Personalentwicklung und Nachwuchsförderung in der Medizin. Hier sieht die AWMF dringenden Handlungsbedarf, beispielsweise bei den Approbationsordnungen für Ärzte und Zahnärzte und den Personalschlüsseln in der Pflege, um den steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen auch künftig gerecht werden zu können.

Die Positionen der AWMF zur Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl 2017 „Evidenzbasierte Medizin – die Basis einer guten Gesundheitspolitik“ finden Sie hier.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. V. bündelt die Interessen der medizinischen Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im Auftrag ihrer 175 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung medizinisch wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und Spenden.

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