Auszeichnungen – Drei neue ERC Advanced Grants für die LMU

Professor Christopher Balme von der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaft sowie Professor Martin Reincke und Professor Christian Weber von der Medizinischen Fakultät waren in der jüngsten Vergaberunde der ERC-Grants erfolgreich. Für Christian Weber ist es bereits der zweite Grant in seiner Karriere.

Die Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils maximal 2,5 Millionen Euro (in Ausnahmefällen 3,5 Millionen Euro) verbunden. Die ERC Advanced Grants richten sich an etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche, deren hochinnovative Forschung erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht und neue Forschungsgebiete erschließt.

Seit Beginn der Ausschreibungen im Jahr 2007 hat der Europäische Forschungsrat bereits insgesamt 60 ERC-Grants an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LMU vergeben. Damit ist die LMU die deutsche Universität mit den meisten ERC-Grants.

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ERC Advanced Grant
Als die Weltpolitik Theater machte
In seinem ERC-Projekt untersucht Christopher Balme das Theater in den sogenannten Entwicklungsländern im globalen Machtpoker des Kalten Krieges.

Professor Christopher Balme ist Direktor des Instituts für Theaterwissenschaft an der LMU. Er forscht insbesondere über die globalen Bezüge des Theaters. So hat er das Projekt „Global Theater Histories“ geleitet, das in den vergangenen fünf Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde und sich transnationalen Netzwerken im Zeitraum 1860 bis 1960 widmete.

Sein neues ERC-Projekt gilt dem Aufbau des Theaters in den sogenannten Entwicklungsländern nach 1945 („Developing Theatre: Building Expert Networks for Theatre in Emerging Countries after 1945” lautet der Projekttitel). Das Ziel ist, die Rolle von Expertennetzwerken und internationalen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit beim Aufbau der Theaterlandschaft in ehemals kolonialisierten Ländern zu analysieren. „Dieser institutionsgeschichtliche Ansatz verdankt sich Anregungen aus der Zeitgeschichte und der transnationalen Geschichtsschreibung“, sagt Christopher Balme. Mit seinem ERC-Projekt will Balme der Historiografie des Theaters einen interdisziplinären Zugang eröffnen, der auch zu aktuellen Diskussionen zu Kulturpolitik und Nachhaltigkeit beitragen kann.

Christopher Balme wurde 1957 in Neuseeland geboren. Er promovierte an der Universität Otago in Neuseeland und habilitierte 1993 an der LMU. Seit 1985 lehrte und forschte er in Deutschland an den Universitäten in Würzburg, München und Mainz. Zuletzt stand er dem Fach Theaterwissenschaft an der Universität Amsterdam vor. Seit 2006 ist er Professor für Theaterwissenschaft an der LMU.

Kontakt:
Professor Christopher Balme
Institut für Theaterwissenschaften an der LMU
E-Mail: theaterwissenschaft@lrz.uni-muenchen.de
Tel. +49 (0) 89 / 2180 – 3686 (-2490)

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ERC Advanced Grant
Spurensuche im Hormonhaushalt
Der Mediziner Martin Reincke untersucht im Rahmen seines ERC-Projekts die zweithäufigste Ursache von Bluthochdruck.

Professor Martin Reincke ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Klinikums der LMU. Als Endokrinologe ist er Spezialist für die hormonellen Steuerungsmechanismen im Körper.
Im Rahmen seines ERC-Projekts untersucht der Mediziner eine Erhöhung des Hormons Aldosteron im Blut, die als zweithäufigste Ursache für Bluthochdruck gilt. („PAPA; Pathophysiology of Primary Aldosteronism”, lautet der Projektitel). Aldosteron steuert den Wasserhaushalt und reguliert den Blutdruck. Die Ursache für eine Erhöhung des Hormons, Aldosteronismus genannt, ist bislang noch nicht geklärt. Das Ziel von Martin Reincke ist es, die molekularen Mechanismen der Krankheit zu analysieren, die Rolle genetischer Faktoren aufzuklären und neue Behandlungsansätze zu etablieren.

Martin Reincke war Professor an der Universität Freiburg, bevor er ans Klinikum der LMU berufen wurde. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er den Schoeller-Junkmann-Preis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und den Preis für Gute Lehre des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Seine Forschung wird unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Forschung und Technologie sowie der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Martin Reincke
Medizinische Klinik und Poliklinik IV
Klinikum der LMU
Tel: 089/4400-52100 (-52101)
E-Mail: Sekretariat.Reincke@med.uni-muenchen.de

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ERC Advanced Grant
Atherosklerose: Entscheidende Signalwege verstehen
Für Professor Christian Weber, Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der LMU, ist die aktuelle Auszeichnung bereits der zweite ERC Advanced Grant.

Professor Dr. med. Christian Weber ist Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten und Inhaber des Lehrstuhls für Vaskuläre Medizin am Klinikum der Universität München. Für den Mediziner ist der neue ERC-Grant eine besondere Auszeichnung: Er ist einer der wenigen Forscher weltweit, dem es gelungen ist, einen zweiten ERC Advanced Grant in seiner Karriere einzuwerben. Christian Weber trägt mit seiner Forschung zum Verständnis der Volkskrankheit Atherosklerose bei und schafft Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Therapieansätze.

Christian Weber analysiert die molekularen Zusammenhänge bei der Entstehung und dem Verlauf von Atherosklerose, bei der sich in den Arterien Ablagerungen in der Gefäßinnenwand bilden, die zu chronischen Entzündungen führen und die Gefäße verengen. In seinem ersten ERC-Projekt „Atheroprotect“ untersuchte er die Rolle entzündlicher Signalproteine, die die Immunantwort kontrollieren. Der Titel seines neuen ERC-Projekts lautet “PROVASC ; Cell-specific vascular protection by CXCL12/CXCR4”. Darin wird der Mediziner die zellulären Mechanismen eines Signalwegs charakterisieren, der bei Gefäßerkrankungen wie Atherosklerose eine wichtige schützende Funktion hat und auch in genetischen Studien am Menschen identifiziert wurde. Sein Ziel ist es, Genvarianten aufzuklären und Wege aufzuzeigen, wie sich diese Signalachse gezielt modulieren lässt. Dabei setzt er unter anderem auf die sogenannten microRNAs – Abschnitte aus der RNA, die für die Regulation der Gene relevant sind.

Weber, Jahrgang 1967, war Professor an der RWTH Aachen und ist seit 2006 Professor am Cardiovascular Research Institute der Universität Maastricht, Niederlande. 2010 folgte der Ruf an die LMU. Im Jahr 2009 zeichnete ihn der Europäische Forschungsrat erstmals mit einem Advanced Grant aus. Christian Weber ist zudem ein Sprecher der Munich Heart Alliance im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung und seit 2014 Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Atherosklerose – Neue therapeutische Zielstrukturen“, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Christian Weber
Direktor des Instituts für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der Universität München
Tel.: 089 / 5160 – 4350
E-Mail: kreislaufinstitut@med.uni-muenchen.de

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